Historische graphische Techniken: Der Umdruck

Wolfgang Walenski am Februar 3, 2010

Der Umdruck war ein wichtiges Arbeitsgebiet der Druckformherstellung für den historischen Steindruck. Es war ein Verfahren zur Übertragung einer lithographischen Arbeit von einem kleineren Originalstein auf einen größeren Maschinenstein und in der Übergangszeit zum Offsetdruck auch auf eine Zink- oder Aluminiumplatte.

Der Umdruck wurde in vielen Variationen und Techniken praktiziert und war vor allen Dingen eine sehr häufig angewendete Vervielfältigungsmethode zur Herstellung von Mehrfachnutzen wenn es um den ein- oder mehrfarbigen Auflagendruck von Etiketten oder Bildpostkarten ging. Er wurde deshalb auch als Multiplikations-Umdruck bezeichnet. Mit Hilfe des Umdrucks bestand ferner die Möglichkeit, verschiedene Bild- oder Schrift-Umwandlungen vorzunehmen z.B. aus einem Positiv ein Negativ zu machen oder ein Bild seitenverkehrt zu drucken. Es war auch möglich, durch einen Umdruck z.B.Buchdruckschrift oder einen Holzschnitt im Steindruck zu drucken, bei Übertragung eines Umdrucks auf eine Zink-oder Aluminiumplatte in der Übergangszeit dann sogar im Offsetdruck.

Für den Umdruck wurde ein Umdruckpapier gebraucht. Es waren halbgeleimte Papiere die auf einer Seite mit einer Schicht besonders präpariert waren. Sie wurden in verschiedenen Sorten, die unterschiedliche Eigenschaften hatten, verwendet:

* Graues (Graufeucht genannt) oder gelbes feuchtbleibendes (immerfeuchtes) Umdruckpapier dessen Schicht Weizenstärke, Wasser, Gummiarabicum, Chromgelb und eine größere Menge Glyzerin enthielt (Patent ohne Nr. Richard Naumann 1887).
* Trockenumdruckpapier, auch Berliner Umdruckpapier genannt, das mit einer Kreideschicht versehen war
* Transparentes Umdruckpapier,(Florpostpapier mit einer Eiweißschicht)
* Kornpapiere
* Autographisches Umdruckpapier
* Durch den Steindrucker selbsthergestelltes Umdruckpapier

Für die Herstellung der Umdruckabzüge mußte der Originalstein mit einer besonders fettigen und strengen Umdruckfarbe von Hand eingewalzt werden. Bevor es fertige Umdruckfarbe zu kaufen gab, gab es früher für den Steindrucker Rezepte für Herstellung. Das damalige sogenannte „Pariser Rezept“ z.B. lautete:

* 1120g venetianischeSeife,
* 180 g Hirschtalg,
* 120 g gelbes Wachs,
* 60 g Walrat (tierisches Wachs aus den Kopfhölen des Pottwals),
* 30 g Mastix (Harz aus der Rinde des mediterranen Pistatienbaums),
* 500 g venetianisches Terpentin,
* 50 g Karbolineum,
* 20 g Kolophonium,
* 10 g syrischer Asphalt,
* 60 g Storax,Styrax (Gummiharz aus dem Baum Liquidambar orientalis),
* 40 g Lavendelöl.

Diese Rezeptur wurde im Verhältnis 1:4 bis 1:6 Teilen mit Federfarbe, einer strengen, körperreichen schwarzen Druckfarbe, die im Steindruck für den Druck von Federzeichnungen eingesetzt wurde, gemischt.

Nach dem Einwalzen des Steins erfolgten auf einer Handpresse mit Reiberdruck mehrere mit stets gleichmäßiger Farbmenge Abdrucke auf Umdruckpapier. Sie wurden zugeschnitten und dann mit Hilfe einer stumpfen Lithographienadel mit zahlreichen Stichen auf einen stabilen, standfesten und genau vorgezeichneten Bogen (Aufstechkarton) durch Aufnadeln oder Aufstechen befestigt.

Diese Montage wurde schließlich auf der Umdruck- oder Abiehpresse für Hand- oder Motorbetrieb auf den sorgfältig vorpräparierten und genau justierten Stein, später auch auf Aluminium- oder Zinkplatten unter Druck übertragen. Die abschließenden Arbeitsgängen wie Ätzen, Auswaschen, Einwalzen und Gummieren wurden als Fertigmachen bezeichnet.

Und jetzt viel Freude beim “nachkochen”.

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Druckgeschichte: Die Eiweiskopie (Negativkopie)

Wolfgang Walenski am Februar 2, 2010

Das älteste photomechanische Verfahren zur Übertragung von Text- oder Bildinformationen für den Offsetdruck auf Zink- oder Aluminiumdruckplatten war die einfache selbst angesetzte Chrom-Eiweiskopie. Es war ein Negativkopierverfahren für kleine Auflagen, das auch für die Kopie auf Stein eingesetzt werden konnte.

Eine Chromeiweißlösung war eine Lösung von Albumin (Hühnereiweiß) in Wasser und einer Lösung von Ammoniumbichromat in Wasser. Dabei dient die Albuminlösung als Trägerschicht, während durch das Bichromat die Schicht lichtempfindlich gemacht wurde. Bei der Belichtung unter einem Negativ verliert die vom Licht getroffenen Schicht ihre Löslichkeit, sie wird gehärtet. Nach dem Auftragen einer dünnen schwarzen fetten Druckfarbe (Schutzfarbe) erfolgte dann die Entwicklung unter einer Wasserbrause mit einem Wattebausch. Dabei entstand ein positives Druckbild. Die gehärtete Kopierschicht bildete praktisch den Träger der Druckfarbe. Zum Schluß wurde die Platte mit Gummiarabicum oder einer Ätzgummierung gummiert Es gab Negativkopien als Einschicht- und als Zweischichtenverfahren.

Hier ein Rezept zum Selbstansatz einer Negativ-Kopierschicht:

Lösung A: 1.000 cm3 Wasser
150 g Eiweiß, das gut aufgelöst werden muß
Lösung B: 1.000 cm3 Wasser
40 g Ammoniumbichromat, chemisch rein

Die gebrauchsfertige Kopierlösung besteht aus einem teil Lösung A und einem teil Lösung B. Dieser Lösung werden noch 3 % Ammoniak zugesetzt. Dann muss sie gut filtriert werden. Der Aufbewahrungsort sollte dunkel und kühl sein.
Die Kopierschicht wird in einer Horizontal- oder Vertikalschleuder mit ca. 80-90 Touren aufgetragen und dabei nicht zu heiß getrocknet.
Die Belichtungszeit unter einem Negativfilm betrug ca. 4 Minuten unter einer 3-Phasen-Kohlebogenlampe mit 60 Am. bei einem Abstand von 170 cm.

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