Die Geschichte der Visitenkarte

Marc-Michael Schoberer am Juli 20, 2013

Was heute neben geschäftlichen auch private Personen immer häufiger verwenden, um ihre Kontaktdaten anschaulich und kompakt anderen zu überreichen, blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Die Geschichte der Visitenkarte.

Es gibt Meinungen darüber, dass es bereits im alten Ägypten eine Form der Visitenkarte gegeben haben soll und auch im China des 15. Jahrhunderts. Hierfür gibt es jedoch bis heute keine wirklich handfesten Beweise. → diesen Artikel weiterlesen!


Tablet, Smartphone und Zeitungssterben zum Trotz: Das Medium Papier ist begehrt. 19 Millionen Tonnen produziert allein die deutsche Industrie pro Jahr, Papiertechnologen und Papieringenieure arbeiten heute in einem Hightech-Berufsfeld. Ausstellungen wie Deutschlands größtes Papiermuseum in Bergisch-Gladbach bei Köln zeigen, wie die Branche wuchs.

Papiermaschine, 2011: Foto: VDP

Ulman Stromer hat seinen Platz in den Museen des Landes schon lange. Vor den Toren Nürnbergs baute der Franke an der Pegnitz die erste deutsche Papiermühle, und zwar 1390.  Mit Wasserkraft begann damals die Massenproduktion in einer Branche, die vor allem mit der Erfindung des Buchdrucks und durch die Industrialisierung unaufhaltsam wuchs. In mehr als 200 Fabriken sind in Deutschland heute rund 46.000 Menschen an der Herstellung von 300 Sorten Papier beteiligt. Zu bewundern ist die Welt des Papiers und der Drucker mittlerweile in vielen Ausstellungen wie dem Deutschen Museum in München oder dem Gutenberg Museum Mainz. Deutschlands größtes Papiermuseum ist in der Nähe von Köln zu finden und eine Ausflug wert. Die Papiermühle Alte Dombach von Bergisch-Gladbach zeigt als Rheinisches Industriemuseum die Geschichte der Papierindustrie von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Papiermaschine, 1889: Foto: LVR-Industriemuseum

Das Museum setzt auf interaktive und anschauliche Vermittlung: Die Besucher können in der 1620 gegründeten Mühle ein Rad beim Antrieb des Lumpenstampfwerks beobachten und selbst ein Blatt Papier aus der Bütte schöpfen. Sie werden mit dem Lärm einer modernen Papierfabrik konfrontiert und haben die Möglichkeit, die Entstehung einer Papierbahn auf einer Papiermaschine verfolgen. Die Maschinen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beeindrucken, besonders die PM4. Das ist eine 40 Meter lange und fünf Meter hohe Papiermaschine aus dem Jahr 1889.  Die detailgetreuen Modelle einer Papiermühle und einer Papierfabrik führen den gewaltigen Sprung von der handwerklichen zur industriellen Fertigung vor Augen.

Achtsam: Papiertechnologin im Einsatz. Foto: VDP

Heute wird der Papierverbrauch in Deutschland pro Kopf und Jahr mit rund 224 Kilogramm beziffert. Moderne Papiermaschinen sind Kolosse mit zwei Stockwerken und oft länger als 100 Meter. Bis zu 2000 Meter Papier produzieren diese in der Minute, die Jahresproduktion einer PM4 ist innerhalb einer Stunde erreicht. Anschaulich dargestellt sind diese Kontraste zwischen der Nutzung und dem Konsum von Papier, Zellstoff, Pappe und Karton im 19. Jahrhundert und der Gegenwart in der Bergisch-Gladbacher Dauerausstellung. Das Thema Umweltschutz bietet hier natürlich viele Diskussionspunkte. Rund 390 Millionen Tonnen an Papierprodukten werden welweit zurzeit im Jahr produziert, der Bedaf an Wasser und Holz ist gigantisch. Auch, wenn der Rohstoff Altpapier in der deutschen Industrie als einer der weltweit wichtigsten heute bereits einen Anteil von 60 Prozent hat.

Aufgerollt: Papieringenieur heute. Foto: VDP

Wir sehen: Vielseitig ist der Beruf des Papiertechnologen auf jeden Fall, die Aufgabenfelder der dreijährigen dualen Ausbildung anspruchsvoll. Welche Bereiche abgedeckt werden, zeigt die Website des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP). Studiengänge zum Papieringenieure gibt es an der Hochschule München, TU Darmstadt und TU Dresden, an der Berufsakademie Karlsruhe wird ein duales Studium angeboten.

Ganz zum Schluss noch einmal zurück zu den Wurzeln und Ulman Stromer in Franken: Wer von unseren Lesern demnächst bei Weizen oder Spezi auf der Wöhrder Wiese in Nürnberg weilt, der kann sich und uns ein Bild machen. Ein Denkmal in Form eines Papierstapels aus Metall erinnert dort nämlich an der ehemaligen Standort der Hadermühle, die erste deutsche Papiermühle und ihren Erbauer Ulman Stromer.

Also: Wer macht ein Foto und postet es für unsere Facebook-Freunde?


Historische graphische Techniken: Der Umdruck

Wolfgang Walenski am Februar 3, 2010

Der Umdruck war ein wichtiges Arbeitsgebiet der Druckformherstellung für den historischen Steindruck. Es war ein Verfahren zur Übertragung einer lithographischen Arbeit von einem kleineren Originalstein auf einen größeren Maschinenstein und in der Übergangszeit zum Offsetdruck auch auf eine Zink- oder Aluminiumplatte.

Der Umdruck wurde in vielen Variationen und Techniken praktiziert und war vor allen Dingen eine sehr häufig angewendete Vervielfältigungsmethode zur Herstellung von Mehrfachnutzen wenn es um den ein- oder mehrfarbigen Auflagendruck von Etiketten oder Bildpostkarten ging. Er wurde deshalb auch als Multiplikations-Umdruck bezeichnet. Mit Hilfe des Umdrucks bestand ferner die Möglichkeit, verschiedene Bild- oder Schrift-Umwandlungen vorzunehmen z.B. aus einem Positiv ein Negativ zu machen oder ein Bild seitenverkehrt zu drucken. Es war auch möglich, durch einen Umdruck z.B.Buchdruckschrift oder einen Holzschnitt im Steindruck zu drucken, bei Übertragung eines Umdrucks auf eine Zink-oder Aluminiumplatte in der Übergangszeit dann sogar im Offsetdruck.

Für den Umdruck wurde ein Umdruckpapier gebraucht. Es waren halbgeleimte Papiere die auf einer Seite mit einer Schicht besonders präpariert waren. Sie wurden in verschiedenen Sorten, die unterschiedliche Eigenschaften hatten, verwendet:

* Graues (Graufeucht genannt) oder gelbes feuchtbleibendes (immerfeuchtes) Umdruckpapier dessen Schicht Weizenstärke, Wasser, Gummiarabicum, Chromgelb und eine größere Menge Glyzerin enthielt (Patent ohne Nr. Richard Naumann 1887).
* Trockenumdruckpapier, auch Berliner Umdruckpapier genannt, das mit einer Kreideschicht versehen war
* Transparentes Umdruckpapier,(Florpostpapier mit einer Eiweißschicht)
* Kornpapiere
* Autographisches Umdruckpapier
* Durch den Steindrucker selbsthergestelltes Umdruckpapier

Für die Herstellung der Umdruckabzüge mußte der Originalstein mit einer besonders fettigen und strengen Umdruckfarbe von Hand eingewalzt werden. Bevor es fertige Umdruckfarbe zu kaufen gab, gab es früher für den Steindrucker Rezepte für Herstellung. Das damalige sogenannte „Pariser Rezept“ z.B. lautete:

* 1120g venetianischeSeife,
* 180 g Hirschtalg,
* 120 g gelbes Wachs,
* 60 g Walrat (tierisches Wachs aus den Kopfhölen des Pottwals),
* 30 g Mastix (Harz aus der Rinde des mediterranen Pistatienbaums),
* 500 g venetianisches Terpentin,
* 50 g Karbolineum,
* 20 g Kolophonium,
* 10 g syrischer Asphalt,
* 60 g Storax,Styrax (Gummiharz aus dem Baum Liquidambar orientalis),
* 40 g Lavendelöl.

Diese Rezeptur wurde im Verhältnis 1:4 bis 1:6 Teilen mit Federfarbe, einer strengen, körperreichen schwarzen Druckfarbe, die im Steindruck für den Druck von Federzeichnungen eingesetzt wurde, gemischt.

Nach dem Einwalzen des Steins erfolgten auf einer Handpresse mit Reiberdruck mehrere mit stets gleichmäßiger Farbmenge Abdrucke auf Umdruckpapier. Sie wurden zugeschnitten und dann mit Hilfe einer stumpfen Lithographienadel mit zahlreichen Stichen auf einen stabilen, standfesten und genau vorgezeichneten Bogen (Aufstechkarton) durch Aufnadeln oder Aufstechen befestigt.

Diese Montage wurde schließlich auf der Umdruck- oder Abiehpresse für Hand- oder Motorbetrieb auf den sorgfältig vorpräparierten und genau justierten Stein, später auch auf Aluminium- oder Zinkplatten unter Druck übertragen. Die abschließenden Arbeitsgängen wie Ätzen, Auswaschen, Einwalzen und Gummieren wurden als Fertigmachen bezeichnet.

Und jetzt viel Freude beim “nachkochen”.

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Druckgeschichte: Die Eiweiskopie (Negativkopie)

Wolfgang Walenski am Februar 2, 2010

Das älteste photomechanische Verfahren zur Übertragung von Text- oder Bildinformationen für den Offsetdruck auf Zink- oder Aluminiumdruckplatten war die einfache selbst angesetzte Chrom-Eiweiskopie. Es war ein Negativkopierverfahren für kleine Auflagen, das auch für die Kopie auf Stein eingesetzt werden konnte.

Eine Chromeiweißlösung war eine Lösung von Albumin (Hühnereiweiß) in Wasser und einer Lösung von Ammoniumbichromat in Wasser. Dabei dient die Albuminlösung als Trägerschicht, während durch das Bichromat die Schicht lichtempfindlich gemacht wurde. Bei der Belichtung unter einem Negativ verliert die vom Licht getroffenen Schicht ihre Löslichkeit, sie wird gehärtet. Nach dem Auftragen einer dünnen schwarzen fetten Druckfarbe (Schutzfarbe) erfolgte dann die Entwicklung unter einer Wasserbrause mit einem Wattebausch. Dabei entstand ein positives Druckbild. Die gehärtete Kopierschicht bildete praktisch den Träger der Druckfarbe. Zum Schluß wurde die Platte mit Gummiarabicum oder einer Ätzgummierung gummiert Es gab Negativkopien als Einschicht- und als Zweischichtenverfahren.

Hier ein Rezept zum Selbstansatz einer Negativ-Kopierschicht:

Lösung A: 1.000 cm3 Wasser
150 g Eiweiß, das gut aufgelöst werden muß
Lösung B: 1.000 cm3 Wasser
40 g Ammoniumbichromat, chemisch rein

Die gebrauchsfertige Kopierlösung besteht aus einem teil Lösung A und einem teil Lösung B. Dieser Lösung werden noch 3 % Ammoniak zugesetzt. Dann muss sie gut filtriert werden. Der Aufbewahrungsort sollte dunkel und kühl sein.
Die Kopierschicht wird in einer Horizontal- oder Vertikalschleuder mit ca. 80-90 Touren aufgetragen und dabei nicht zu heiß getrocknet.
Die Belichtungszeit unter einem Negativfilm betrug ca. 4 Minuten unter einer 3-Phasen-Kohlebogenlampe mit 60 Am. bei einem Abstand von 170 cm.

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