Gautschfest in Kulmbach

Marc-Michael Schoberer am Juli 7, 2012

Zum ersten Mal seit 5 Jahren fand im fränkischen Kulmbach wieder ein Gautschfest statt. Natürlich konnte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und war mit von der Partie.

Zumal mein Schwiegervater als “Degenschwinger” aktiv war und den angehenden Druckern den Hintern versohlen durfte. Was die Gautschlingen bei der Wassertaufe alles über sich ergehen lassen müssen, könnt ihr in unserem Artikel “Das Gautschen” nachlesen. Deshalb möchte ich euch in diesem Artikel einfach einmal mit Impressionen verwöhnen! Viel Spaß!

 

 

 

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Die lithographische Steingravur

Wolfgang Walenski am Juli 14, 2010

Die Steingravur ist die edelste und schwierigste manuelle lithographische Steindruck- technik, die heute aber kaum noch ausgeübt wird. Dafür gab es früher eine besondere Berufssparte, den Gravurlithograph. Die richtige Ausübung der Steingravur verlangt höchstes handwerkliches Können und künstlerische Fähigkeit. Für die Steingravur wird ein fehlerfreier Lithographiestein von bester blau-grauer Qualität an der Oberfläche zunächst kratzerfrei geschliffen, geätzt und dann mit einer Lösung aus Gummiarabikum und Kleesalz poliert.

Dazu wird ein Filztampon verwendet. Danach wird der Stein sauber mit Wasser abgewaschen, getrocknet und an der Oberfläche mit Kienruß (Ruß von verbranntem harzreichen Holz) geschwärzt. Dann pauste der Gravurlithograph die Zeichnung durch und übertrug sie mit Rötelpapier auf den Stein, wonach er mit der Gravur beginnen kann. Die Zeichnung wird mit Graviernadeln, Schabern oder Diamantnadeln in den Stein eingeritzt (graviert). Das muss sehr sorgfältig ausgeführt werden, da jeder Strich genau sitzen soll. Denn es besteht keine Möglichkeit einer Korrektur. Deshalb müssen die Arbeitswerkzeuge wie Nadeln und Schaber immer scharf sein. Geschliffen werden sie auf einem Ölstein in verschiedenen Formen und Breiten. Die fertige Gravur (Zeichnung) wird zunächst mit Öl eingerieben und von einem Steindrucker von Hand mit einem Farbtampon eingeschwärzt. Es wird also nicht mit einer Handwalze eingewalzt, da das Zeichnungsbild tiefer liegt. Nach dem Einfärben kann von der Steingravur auf einer lithographischen Rakel-Handpresse ein Abzug gemacht werden. Dabei ist zu beachten, dass der Lithographiestein vor dem Einfärben natürlich leicht mit etwas saurem Wasser sehr knapp aber gleichmäßig gefeuchtet werden muss. Denn es ist ein Flachdruckverfahren.

Später wurden auch einfache manuell zu bedienende Graviermaschinen eingesetzt.

Die Steingravur fand vorwiegend Anwendung zur Herstellung von Briefköpfen, Rechnungen, Aktien und Scheckformularen.


Das Luxuspapier

Wolfgang Walenski am Mai 20, 2010

Das aus dem heutigen Sprachgebrauch verschwundene Wort „Luxuspapier“ entstand um 1860 und hatte Bestand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Es handelte sich dabei aber nicht um eine besondere farbige oder hochglänzende Papierqualität, sondern vielmehr um spezielle Produkte die aus Papier, Pappe oder Karton durch Stanzen, Kleben, Prägen, Kleben oder Ausschneiden entstanden.

Sie wurden oft von ganzen Familien in Handarbeit in meist unterbezahlter Heimarbeit hergestellt Gedruckt wurden sie auch in kleinen Betrieben im damals stark verbreiteten Steindruck (Chromolithographie), aber auch mit der Hand bemalt oder mit Gold- oder Glimmerpuder bestäubt. Es waren Lampenschirme, Sammelbilder,Topfmanschetten, Oblaten (Esspapier), Bild- und Glückwunschpostkarten, Knallbonbons vielerlei Karnevallsartikel, sogar Papiergardinen und Querbehänge für Türen und Fenster. Zu den Luxuspapieren gehörten ferner Apfelsinenpapier, Papierfächer, Lesezeichen, Kranzschleifen, Ausschneidebogen, Spitzenbordüren, Lampions, Luftschlangen, Laternen, Girlanden, Genrekarten, Zigarrenringe und Lebkuchenbilder.

Im Vordergrund standen dabei einseitig gestrichene Papiere die als Chromopapier bezeichnet wurden. Aber es gab auch schon sogenannte, meist einseitige, Buntpapiere die aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage schließlich zur Entstehung einer regelrechten Buntpapierindustrie führten die vielerlei Farben und die verschiedensten Prägungen einführten. Verarbeitet wurde auch Eispapier, dünnes Serviettenpapier, Krepppapier, Metallpapier, Mikadopapier, Schneeimatationen, Staniolpapier und sogenanntes Metapapier für die Herstellung von Abziehbilder. Es entstanden Maschinenfabriken für die Herstellung von Vergolde- und Prägepressen sowie Rill-,Ritz- und Nutmaschinen.
In Berlin zum Beispiel bestanden 1898 nicht weniger als 150 Luxuspapier- und Kartonagenfabriken, von denen 20 sogar mit 100 bis 500 Beschäftigten arbeiteten.

Viele der hier nur kurz erwähnten alten Luxuspapier-Produkte werden heute nach wie vor industriell an verschiedenen Stellen hergestellt, dann aber natürlich im Stil und Design unserer Zeit. Das reizvolle Luxuspapier damaliger Zeit findet man dagegen heute noch versteckt in kleinen und großen Pappkartons auf Antik- oder Flohmärkten. Allerdings haben sich die alten (meist kitschigen) Produkte zu einem interessanten und ernsthaften Sammelgebiet entwickelt und sind damit in den meisten Fällen keine billigen „Pfennigartikel“ mehr.

Wer sich intensiver und umfangreicher mit Luxuspapier beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch (380 Seiten): „Das ABC des Luxuspapier“ von Christa Pieske. (Antiquarisch) Es ist 1983 erschienen in Verbindung einer damaligen großen Ausstellung über Luxuspapiere im staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde Berlin.


Spannung um den Erfinder des Buchdrucks

Anne Scheller am April 13, 2010

Auch wenn der Buchdruck in China schon im 6. Jahrhundert erfunden wurde – als Verwender von modernen Druckerzeugnissen berufen wir uns doch meist auf Johannes Gutenberg, der im ausgehenden Mittelalter den Druck mit beweglichen Lettern erfand. Diese kulturelle und wirtschaftliche Revolution ist spannender Hintergrund eines Romans von Matthew Skelton: Endymion Spring. Die Macht des geheimen Buches.

Der Roman, empfohlen ab 13 Jahren, aber auch für Erwachsene packend zu lesen, spielt an zwei Orten und Zeiten: Im Mainz des Jahres 1452-53 und im heutigen Oxford. Dort entdeckt Blake, ein von seiner Familie ziemlich genervter Junge, in einer Bibliothek ein merkwürdiges Buch: Seine Seiten sind völlig leer. Als Blake das nächste Mal nach dem leeren Buch fahndet, ist es verschwunden.
Parallel dazu wird der Leser in das mittelalterliche Mainz in die Werkstatt von Johannes Gutenberg entführt. Hier beobachtet der junge Gehilfe Endymion Spring, wie Gutenbergs finsterer Geschäftspartner Faust eine schwere Kiste in die Werkstatt bringt. Diese ist mit schrecklichen Symbolen gekennzeichnet und versteckt etwas unvorstellbar Wertvolles: Drachenhaut! Hieraus will Faust ein Buch herstellen, das ihm alle Geheimnisse Gottes und der Erde verrät. Doch Endymion und Fausts Diener Peter wissen, dass dem machthungrigen Faust mit so einem Buch nicht zu trauen ist. Also stiehlt Endymion die Drachenhaut und macht sich auf die beschwerliche Reise nach England, wo er das Buch in einer neuen, großen Bibliothek verbergen will.

In Blakes Leben in Oxford wird derweil alles immer merkwürdiger. Ein Obdachloser schenkt ihm einen Origami-Drachen, der offenbar aus einer Seite des leeren Buches gefaltet ist. Dieses ist, wie Blake mit Hilfe des netten – oder doch nicht so netten? – Professors Jolyon herausfindet, ein Wegweiser zum sogenannten „Letzten Buch“, das alle Geheimnisse der Welt enthält. Doch langsam wird es gefährlich: Eine schwarze Seite im leeren Buch kündigt Blake an, dass er beobachtet wird. Schließlich macht Blake sich auf die Suche nach dem „Letzten Buch“, tief hinein in die unterirdischen Magazine der Oxforder Bodleian Library. Doch er und seine Schwester Duck werden verfolgt und plötzlich ist Duck verschwunden…

Endymion Spring ist eine spannende Lektüre rund um die Magie der Bücher, die viele von uns so gut kennen. Nebenbei ist es ein lehrreiches Buch, das in die Welt des Mittelalters und in die Werkstatt des ersten Buchdruckers entführt. Ein tolles Leseerlebnis für kühle Frühlingstage!


Bleisatz und Buchdruck

Marc-Michael Schoberer am April 6, 2010

Die Lithographie

Wolfgang Walenski am Februar 16, 2010

Handabzug-vom-Stein

(griech.lithos=Stein; graphein=schreiben,zeichnen).Die Lithographie ist eine ein- und mehrfarbige manuelle Technik des Schreibens und Zeichnens auf einen dafür vorbereiteten (gekörnten) und präparierten (entsäuerten) Lithographiestein (Solnhofer Kalkstein).

Mehrfarbige Arbeiten werden auch als „Chromolithographie“ bezeichnet. Gearbeitet wird mit lithographischer Kreide oder Tusche. Hauptbestandteile sind Wachs, Talg, Kernseife, Harz und Ruß. Es gibt verschiedene manuelle künstlerische Techniken sehr unterschiedlicher Ausdruckskraft:

* Federzeichnung
* Kreidezeichnung
* Tuschemanier
* Spritzmanier
* Schabmanier
* Tangiermanier

Entdeckt wurde die Lithographie 1798 von Alois Senefelder (1772 – 1834). Gedruckt wird nach dem Flachdruckprinzip (Fett + Wasser) unter Rakeldruck auf einer Steindruckmaschine oder auf einer Handpresse. Dabei wird der Stein vor dem jedem Einfärben (Einwalzen) mit einer fetthaltigen Druckfarbe mit Wasser leicht gleichmäßig befeuchtet. Mehrfarbige Lithographien werden auch als Chromolithographien bezeichnet. (Erfunden von Godefroy Engelmann 1788-1839, Patent Nr.8848 am 27.3.1838)

Vorsicht vor Fälschungen! „Original Lithographien“ lassen sich auch herstellen durch Zeichnen mit lithographischer Kreide oder Tusche auf eine gekörnte und entsäuerte Aluminium- oder Zinkplatte die dann im Offset gedruckt werden können!
Sammler druckgraphischer Arbeiten sollten auch bei lithographischen Arbeiten mit einem Fadenzähler oder mit einer Lupe die Strukturen der Abdrucke genau prüfen.

„Kunst vom Stein“ praktiziert z.B. noch heute z.B. die Druckerei Stecher + Stecher in Tirol. Dort kann man sehr schöne dekorative mehrfarbige Original-Steindrucke auch erwerben. Eine herrliche Fundgrube für alle Sammler von wertvoller Druckgraphik.
(Steindruckerei Stecher + Stecher, in A-6414 Wildermiening)


Druckgeschichte: Die Autographie

Wolfgang Walenski am Februar 15, 2010

Der Steindruck als Flachdruckverfahren und später auch der Offsetdruck ist nicht in erster Linie eine Geschichte der Stein- und Offsetdruckmaschinen, sondern vielmehr eine Geschichte der unendlich vielen Verfahren und Techniken der Druckformherstellung.

Eine dieser zahlreichen Varianten war die Autographie und deren viele manuellen Techniken um Bilder von einem Lithographiestein oder von einer Zink- oder Aluminumplatte drucken zu können. Es handelte sich bei der Autographie um ein damals sehr populäres Verfahren um auf einem normalen oder auch auf ein besonders präpariertes Papier seitenrichtig zu schreiben oder zu zeichnen und das dann durch Umdruck zum Drucken auf einen Lithographiestein oder eine Metallplatte zu übertragen.

Bereits Alois Senefelder hat sich mit dieser Technik beschäftigt und in seinem Lehrbuch aus dem Jahre 1808 praktische Hinweise gegeben. Im Laufe der Zeit wurden die verschiedenen Methoden verfeinert und auch einige Patente für die Herstellung von Autographietinte und Autographiepapier sowie für die Autographie mit Hilfe einer Schreibmaschine erteilt.

Weitere interessante Beiträge zum Thema Druckgeschichte:

Die Punktiermanier
Die Eiweiskopie (Negativkopie)


Druckgeschichte: Die Punktiermanier

Wolfgang Walenski am Februar 11, 2010

Die Punktiermanier ist eine alte manuelle lithographische Technik des Steindrucks. Sie wurde auch als Federpunktiermanier bezeichnet, da das Zeichnungsbild nicht mit Hilfe von Lithographiekreide auf den Stein gezeichnet wurde.

Vielmehr wurden die Tonwerte des Druckbildes erzeugt durch die „Aneinandersetzung“ von verschiedenen kleinen und großen Punkten mit Hilfe einer lithographischen Feder. Verwendet wurde dabei eine spezielle lithographische Fetttusche die in fester Form geliefert und auf einem Teller gerieben und dann unter Verwendung von Regenwasser oder destilliertem Wasser vom Lithographen selber zubereitet werden musste. Sie musste in der Feder eine gute Fließfähigkeit haben und gleichzeitig auf dem präparierten, gut geschliffenen und sauberen Stein eine sehr gute Deckung jedes einzelnen Punktes zeigen. Vor dem Punktieren erfolgte in der Regel die Übertragung einer Pause- oder einer Abklatsches damit der Lithograph genaue Anhaltspunkte hatte für Positionierung des Zeichnungsbildes. Die Punktiermanier war eine sehr zeitaufwendige und kostspielige manuelle Technik. Auch der Tonwertreichtum war nicht so groß wie bei einer lithographischen Kreidezeichnung. Dafür ließen sich die Arbeiten in Punktiermanier gut umdrucken, da alle Punkte eine stabile Deckung hatten und beim Ätzen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Das Ätzen des Lithographiesteins erfolgte mit einer Lösung aus Salpetersäure, Gummiarabicum und Wasser.
Patente zur vereinfachten Übertragung von Punktierungen mit Hilfe von Kautschukstempeln, durch Umdruck oder Tangiermanier und auch mit Hilfe einer Punktiermaschine:

DRP Nr. 83006 von F.Neuberger und DRP Nr.110 148, 1898 und Nr. 92064, von 1896, von L.Lesage
Die lithographische Punktiermanier darf nicht verwechselt werden mit der Punktiermanier des druckgraphischen Tiefdrucks. Dort wird vor dem Ätzvorgang mit einer feinen Nadel Ätzgrund durchstochen um bestimmte Tonwerte zu erlangen.
Weitere interessante Beiträge zum Thema Druckgeschichte:

Die Autographie
Die Eiweiskopie (Negativkopie)


Der Stahlstichprägedruck

Wolfgang Walenski am Februar 9, 2010

Der Stahlstichprägedruck ist ein Tiefdruckverfahren, der sich entwickelt hat aus der viel älteren Technik des Kupferstichs, als es dem nach England übergesiedelten Amerikaner Jacob Perkins (1766 – 1849) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang, Stahlplatten gravierfähig zu machen und nach dem Gravieren wieder auf Stahlhärte zu bringen.

Das entsprechende englische Patent AD 1819 Nr. 4400 wurde am 10. April 1820 erteilt. In einer neuen Fachterminologie wird der Stahlstichprägedruck auch als Linien-Prägedruck bezeichnet, um damit noch eine klarere Abgrenzung zum Stahlstichdruck für die Reproduktion von zweidimensionalen Bildern zu schaffen. Beim Stahlstich-Prägedruck-Verfahren haben wir es dagegen mit einem dreidimensionalen Druckergebnis zu tun, nämlich mit einem Farbdruck und einer gleichzeitigen Hochprägung. Dabei wird das gewünschte Druckbild, bestehend aus Schrift oder/und Zeichnung, am besten in kunstvoller Handarbeit mit Hilfe verschiedener Stichel von einem Graveur seitenverkehrt in die polierte Metallplatte eingetieft, graviert.
In manchen Fällen wird das Druckbild aber auch nur mit Hilfe einer lichtempfindliche Schicht übertragen oder vorgraviert und dann anschließend geätzt. Beim Druckvorgang auf speziellen Stahlstichprägepressen erfolgt eine vollständige Einfärbung der Form mit einer Lackfarbe. Alle gravierten Vertiefungen füllen sich vollständig mit Farbe, während sie von der Oberfläche rückstandsfrei abgewischt und abgerakelt wird. Unter sehr hohem Anpress-Druck erfolgt ein Eindrücken des zu bedruckenden Papiers in die mit Druckfarbe gefüllten Vertiefungen. Dabei erfolgt die Übertragung der Druckfarbe und gleichzeitig eine reliefbildende Prägung.

Zu diesem Zweck wird von der eigentlichen Druckform (Patrize) vor dem Druck auch noch eine entsprechende Gegenform oder Gegenzurichtung (Matrize) genau entsprechend der Gravur erstellt. Es entsteht ein wirklich gestochen scharfes, glänzendes und erhabenes farbiges Druckergebnis welches mit keinem anderen Druckverfahren erreicht werden kann. Charakteristisches Qualitäts-Merkmal eines echten Stahlstich-Prägedrucks ist auch eine ganz leichte Eintiefung des Papiers auf der Rückseite des Druckbogens. Sollen Stahlstich-Prägedrucke laserfest sein, müssen spezielle Druckfarben eingesetzt werden, die allerdings nicht ganz so glänzend sind. Auch auf die Laufrichtung muß geachtet werden. Bei einem DIN A4-Bogen z.B. muss in Breitbahn gedruckt werden.


Druckgeschichte: Die Eiweiskopie (Negativkopie)

Wolfgang Walenski am Februar 2, 2010

Das älteste photomechanische Verfahren zur Übertragung von Text- oder Bildinformationen für den Offsetdruck auf Zink- oder Aluminiumdruckplatten war die einfache selbst angesetzte Chrom-Eiweiskopie. Es war ein Negativkopierverfahren für kleine Auflagen, das auch für die Kopie auf Stein eingesetzt werden konnte.

Eine Chromeiweißlösung war eine Lösung von Albumin (Hühnereiweiß) in Wasser und einer Lösung von Ammoniumbichromat in Wasser. Dabei dient die Albuminlösung als Trägerschicht, während durch das Bichromat die Schicht lichtempfindlich gemacht wurde. Bei der Belichtung unter einem Negativ verliert die vom Licht getroffenen Schicht ihre Löslichkeit, sie wird gehärtet. Nach dem Auftragen einer dünnen schwarzen fetten Druckfarbe (Schutzfarbe) erfolgte dann die Entwicklung unter einer Wasserbrause mit einem Wattebausch. Dabei entstand ein positives Druckbild. Die gehärtete Kopierschicht bildete praktisch den Träger der Druckfarbe. Zum Schluß wurde die Platte mit Gummiarabicum oder einer Ätzgummierung gummiert Es gab Negativkopien als Einschicht- und als Zweischichtenverfahren.

Hier ein Rezept zum Selbstansatz einer Negativ-Kopierschicht:

Lösung A: 1.000 cm3 Wasser
150 g Eiweiß, das gut aufgelöst werden muß
Lösung B: 1.000 cm3 Wasser
40 g Ammoniumbichromat, chemisch rein

Die gebrauchsfertige Kopierlösung besteht aus einem teil Lösung A und einem teil Lösung B. Dieser Lösung werden noch 3 % Ammoniak zugesetzt. Dann muss sie gut filtriert werden. Der Aufbewahrungsort sollte dunkel und kühl sein.
Die Kopierschicht wird in einer Horizontal- oder Vertikalschleuder mit ca. 80-90 Touren aufgetragen und dabei nicht zu heiß getrocknet.
Die Belichtungszeit unter einem Negativfilm betrug ca. 4 Minuten unter einer 3-Phasen-Kohlebogenlampe mit 60 Am. bei einem Abstand von 170 cm.

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