Der Lichtdruck

Wolfgang Walenski am April 20, 2010

Der Lichtdruck ist ein rasterloses Flachdruckverfahren (aber ein sehr edles) für hochwertige ein- und mehrfarbige Druckarbeiten. Gedruckt wird in der Regel auf einen geklebten Spezialkarton mit guter Lackierfähigkeit und vor allen Dingen guter Dimensionstabilität (für Passergenauigkeit).

Wenn es sich um einen gestrichenen Karton handelt, so wird außerdem wegen der sehr zügigen Druckfarben, eine sehr gute Rupffestigeit und auch Wasserfestigkeit verlangt. Bereits 1856 wurden die ersten Bilder nach dem Lichtdruckprinzip gedruckt und 1875 die ersten farbigen Arbeiten. Der Lichtdruck beruht auf der Beobachtung, dass Gelatine, mit bestimmten Salzen der Chromsäure – wie Ammoniumbichromat oder Kaliumbichromat- sensibilisiert, ihre Quellfähigkeit nach Belichten unter kurzwelligem Licht verliert. Wenn die Chromgelatine unter einem Halbtonnegativ belichtet wird, dann härten sich die verschiedenen mehr oder weniger stark entsprechend der Lichtdurchlässigkeit der Grauabstufungen des Halbtonnegativs.

Die Entwicklung der belichteten Platte ( mattierte Glasplatte von etwa 10mm) erfolgt unter Wasser. Diejenigen Stellen der Kopierschicht, die durch das Licht stark gehärtet wurden, schrumpfen ein und quellen unter Wasser nicht mehr auf. Sie nehmen beim Druck willig und viel Druckfarbe auf. Partien, die kein oder nur wenig Licht bekommen haben, quellen dagegen mehr oder weniger auf und nehmen Wasser beim Befeuchten der Druckform auf. Dadurch stoßen sie Druckfarbe an. Die Quellung und Trocknung der Gelatine führt zu dem für den Lichtdruck charakteristischen und sehr feinen Rinzelkorn. Dieses Runzelkorn ist so fein, dass man es nur unter einer Lupe oder einem Fadenzähler erkennen kann. Gedruckt wird auf einer Lichtdruckpresse, die einer Flachdruckpresse (Steindruckmaschine) sehr ähnlich ist. Gefeuchtet wird mit einer wässrigen Glycerinlösung.

Die Druckleistung liegt je nach Art der Arbeit lediglich bei 300-900 Drucken pro Tag. (!) Der Lichtdruck gehörte wegen des sehr feinen und nicht sichtbaren Runzelkorns und den dadurch auch bedingten feinen und sehr zahlreichen Tonwertabstufungen lange Zeit zu einem viel beachteten Verfahren für hochwertige Kunstdrucke. Er wird heute in Europa nur noch von sehr sehr wenigen Spezialbetrieben praktiziert, da nur in kleinen Auflagen und langsam gedruckt werden kann. Es gibt aber vom Lichtdruck-Kunst Leipzig e.V., der 1995 gegründet wurde, noch eine Lichtdruckwerkstatt. Seit einiger zeit wird in der Werkstatt wieder an verschiedenen Aufträgen gearbeitet, die das Weiterleben dieser Handwerkskunst hoffentlich ermöglicht.

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