Druckmaschinenbauer im Absturz – so schlimm war es noch nie
Peggy Stuber am März 12, 2010
Die Schlagzeilen sind deprimierend und das hat seinen Grund. Die deutschen Druck- und Papiermaschinenbauer haben ein noch nie da gewesenes Umsatztief zu verzeichnen.
Im Laufe des Jahres 2009 hat es sich schon abgezeichnet, nun liegen die Zahlen auf dem Tisch. Der Fachverband Druck- und Papiertechnik benennt den Jahresumsatz an deutschen Druckereimaschinen mit 3,7 Milliarden Euro und zieht eine bedrückende Zahl zum Vergleich hinzu. Es ist erst zwei Jahre her, da hat Heidelberger Druckmaschinen allein für 3,8 Milliarden Euro Druckmaschinen produziert. Die Aufträge haben sich also deutlich mehr als halbiert.
Ist ein so extremer Rückgang noch mit der Wirtschaftskrise zu erklären? Kann die steigende Nachfrage nach Druckmaschinen aus China eine Atempause verschaffen? Wie lange wird es dauern, bis die Chinesen Maschinen ähnlicher Qualität bauen können?
Viele Fragezeichen, einen echten Ausweg sieht der Fachverband erstmal nicht. Der Aufruf zu energieeffizienter Bauweise allein, ist aus ökologischer Sicht sicherlich ein guter Ansatz, ökonomisch ist es Augenwischerei.









Ökonomische Augenwischerei war es schon, als Heidelberg seine Digitaldruck-Zukunft an Kodak verscherbelte. Mit den lumpigen 150 Mio. Erlös konnte man vielleicht zwei Quartalsergebnisse hinbiegen. Mehr aber auch nicht.
Nun reift auch am Neckar die Erkenntnis, dass eine Digitaldruckmaschine während ihres Lebenszyklus das Fünffache des Kaufpreises an Klickkosten einspielt. Plötzlich sucht man händeringend einen Hauptaktionär aus eben diesem Bereich. Denn im personalisierten Digitaldruck steckt noch Wachstumspotenzial. Nicht im Tiefdruck, nicht im Offset – und sei er noch so energieeffizient.
Die Wirtschaftskrise beschleunigt nur eine Entwicklung, die unausweichlich ist: One-Way-Kanäle wie Print + TV gehen zurück. Interaktive Medien wie Online + Mobile wachsen. iPad + Kindle werden unsere Lesegewohnheiten weiter ändern.
Der Weltpapierverbrauch geht zurück. Nur noch Verpackungen verbuchen Zuwächse. Dafür braucht man aber immer seltener die superperfekten Werbedruckmaschinen. Für White-Label Massenprodukte bei Penny + Aldi reicht ein Zweifarben-Druck, den auch die einfachsten China-Maschinen beherrschen.
Bäume wird man immer seltener für die Wegwerf-Medien der Werbung fällen, die bisher 60% des Druckvolumens ausmachten. Zellstoff wird nur noch für hochwertige, langlebige Werke wie Bücher, Fotoalben, Kalender und Dokumente benötigt. Und diese werden in kleinen Auflagen digital gedruckt. Das Printvolumen wird selbst in den Schwellenländern nicht mehr signifikant steigen. Gerade in den BRIC-Ländern und auch in Osteuropa setzt die junge, kaufkraftstarke Mittelschicht auf die interaktiven Medien.
Bernhard Schreier weiß das. Würde er sonst dem Handelsblatt offenbaren, dass er künftig 30% seines Umsatzes mit der Sparte “Service” erwirtschaften will? Nur werden es nicht mehr 30% aus dem Umsatzniveau von 2007 sein, sondern aus dem kargen Rest des Jahres 2017. Frank Romero prophezeit, dass im Jahr 2020 keine einzige Offsetmaschine mehr installiert werden wird.
Dann werden die Heidelberger stolz verkünden: “Unser Bereich Service hat den höchstmöglichen Anteil am Umsatz: Satte 100%!”