Druckgeschichte: Von Druckerballen und Lederwalzen

Wolfgang Walenski am Dezember 9, 2012

Eine kurze Betrachtung zum historischen Einfärben der Druckform

Drucken heißt: „Vervielfältigen durch Übertragung von Druckfarbe oder von färbenden Substanzen auf einen Bedruckstoff mit Hilfe einer Druckform oder eines Druckbildspeichers auch ohne Druckform.“

Um aber die Druckfarbe auf einen Bedruckstoff  übertragen zu können, muss sie erst auf die Druckform gebracht werden. Dieser wichtige Vorgang wird bei den traditionellen analogen Druckverfahren  als Einfärben oder als Einwalzen bezeichnet. Dabei muss eine weiche,  pastöse  Druckfarbe für jeden zu druckenden Bogen sehr gleichmäßig auf die Oberfläche der Druckform aufgetragen werden, bevor sie von dort direkt oder indirekt durch Druckkraft auf das Papier übertragen wird.

Jahrhunderte lang diente zunächst der typische pilzförmige Druckerballen zum Einfärben einer Hochdruckform. Ballen- oder Pressmeister wurde früher der Drucker genannt, der  an der Handpresse die Aufgabe hatte, vor dem Abdruck mit einem Ballen die Hochdruckform einzufärben, oder zu Tamponieren. Mechanische Farbwerke mit Farbwalzen gab es noch lange nicht.

Es war beim Einfärben darauf zu achten, mit möglichst wenig Druckfarbe eine gute und auf der ganzen Druckform für den Abzug auch sehr gleichmäßige Einfärbung mit einer guten Farbannahme und geschlossener Deckung zu erzielen.

Herstellung der Druckerballen

Das eigentliche Ballenleder für den traditionellen Druckerballen im alten Buchdruck wurde aus speziell und aufwendig behandelten ungegerbten und durch Einweichen in Wasser geschmeidig gemachten Schaffellen, Hundsleder oder Kalbsleder hergestellt. Wenn es sich um Felle handelte, wurden solche mit einer starken Narbung bevorzugt und das vorhandene Fett musste gut herausgepresst werden. Auch für die Verarbeitung von Leder wurde solches mit starker und dichter Narbung verwendet. Das Fell oder Leder wurden vom Drucker selber zunächst mit Hilfe eines runden Brettes im Durchmesser von ca.24 cm zugeschnitten und auf den sogenannten Ballenstock im Durchmesser von ca. 15 cm aufgezogen. Dabei wurde das überstehende Leder oder Fell wurde umgeschlagen und  mit Hilfe von Ballennägeln auf dem Brett  befestigt.

Von großer Bedeutung war auch  die eigentliche Füllung des Druckerballens. Sie bestand aus aufgelockerten Rosshaaren oder zerzauster Wolle. Dabei durfte nicht zu viel und auch nicht zu wenig Füllung in den Ballen gegeben werden  und sie musste stets gleichmäßig verteilt sein. Die Ballen waren gut gemacht, wenn die Wolle oder die Rosshaare überall gleichmäßig verteilt waren und sich  keine Erhöhungen oder Vertiefungen zeigten. Die manuelle Herstellung der Ballen erforderte viel Erfahrung, denn die Qualität war entscheidend für den späteren Vorgang des Einfärbens der Druckform. So konnte das Leder  hart werden, die  Füllung sich schnell zusammendrücken oder verrutschen, das Fell Falten schlagen oder schnell schlaff werden. Die Ballen sollten auch nicht zu dick und unförmig sein.

Ein besonderes Problem war bei den Ballen die eigentliche Farbannahme nach der Herstellung. Das war durchaus nicht  selbstverständlich. Nahm das Leder keine Farbe an, so war es vom Einweichen entweder noch zu nass oder es war zu fettig. Deshalb wurden die Druckerballen noch in Lauge getaucht, mit einem Ballenmesser dann mehrmals abgeschabt oder bei zu feuchtem Leder über einer kleinen Feuerstelle sehr sorgfältig und vorsichtig getrocknet.

Empfohlen wurde auch, den Ballen mit Maschinenfett oder Salatöl mehrmals kräftig einzureiben und dann wieder mit dem sogenannten Ballenmesser sorgfältig abzuschaben. Auf diese Art  und Weise nahm der Ballen schließlich mehr und mehr willig die Druckfarbe an und wurde „farbfreudig“.

Behandlung der Druckerballen

Da der pilzförmige Druckerballen  nicht die optimale Möglichkeit war die Druckform einzufärben, hat es im Laufe der Entwicklungsgeschichte nicht an Versuchen gefehlt, zu besseren Methoden zu kommen. Denn die Herstellung, Behandlung und Pflege der Ballen  war zeitaufwendig und mühsam und sie verbreiteten übrigens auch einen widrigen Geruch. So kam man auf die Idee, eine bestimmte Masse aus speziellem Leim und Zuckersirup zu entwickeln.

Die in einem Leimkessel gekochte und flüssige Masse wurde dann in speziell entwickelten Zylinder aus Erlenholz zu Walzen gegossen oder sie wurde in einer entsprechend runden, mit Leinwand ausgeschlagenen Vertiefung gegossen zur Verwendung als Ballen. Sie wurden als sogenannte „Compositionsballen“ bezeichnet. Durch den Zylinder ging der Länge nach ein eiserner Stab an dem ein eiserner Bügel zur Befestigung von zwei hölzernen Griffen geschraubt wurden.

Lederne Handwalzen im Steindruck

Auch Alois Senefelder (1771-1834), der 1796 die Lithographie und den Steindruck erfand  verwendete wie die Buchdrucker  mit Rosshaar ausgestopfte Ballen und mit Kalbsleder bezogene Handwalzen, die auch als „Schwärzwalzen“ bezeichnet wurden. Sie hatten eine durchgehende hölzerne Achse, bei denen der Steindrucker an den herausragenden Enden sogenannte lederne Kapsel verwendete, damit sich die Walze beim manuellen Einwalzen der Druckform frei bewegen und abrollen konnte.

Es gab aber auch Handwalzen mit nur einem Handgriff der mit einem Winkeleisen an der Achse befestigt wurde. Für das Einfärben der sehr unterschiedlichen lithographischen Techniken wurden aber auch Tampons, Schwärzbretter und Ballen in Form eines Hammers verwendet. Da auch bei den ledernen Walzen das Problem der Naht bestand, gab es sogar auch Versuche, nahlose Walzen durch spiralförmiges Aufwickeln von Lederriemen aus Kalbfell auf einen hölzernen Zylinder herzustellen.

Erfindung von Farbwerken durch Friedrich Koenig

Erst mit den genialen Konstruktionen von Friedrich Koenig (14.April 1774 – 17.Januar 1833) und seiner ersten Druckmaschine der Welt begann mit der Mechanisierung des Buchdruckverfahrens auch das automatische Einfärben der Druckform. Seine „Suhler-Presse“ hatte ein Farbwerk, bestehend aus vier lederbezogenen vertikal angeordneten Walzen mit unterschiedlichem Durchmesser. Über der oberen Walze befand sich ein hölzerner, hermetisch abzuschließender Farbkasten mit Schlitz aus dem durch manuelles Drehen eines Handrades der Farbnachschub erfolgte. Im ersten Patent von F.Koenig vom 29.März 1810 für eine Methode mittels Maschinen zu drucken wird auch das mechanische Einfärben der Druckform miteinbezogen:“ 

Die Geschichte der Druckverfahren und der Druckmaschinen war stets eng verbunden mit der Geschichte der manuellen und auch mechanischen Technik der Einfärbung der Druckform. Hier konnte nur ein ganz kleiner Einblick in dieses historisch interessante Thema gegeben werden und vielleicht aber auch die Anregung, sich anhand der weiterführenden Fachliteratur intensiver mit der spannenden Historie des Druckens zu beschäftigen. Denn mehr und mehr werden jetzt relativ schnell die traditionellen klassischen analogen Techniken durch verschiedene, variable, digitale Verfahren  abgelöst.  Dabei werden dann aber nicht mehr traditionelle pastöse  Druckfarben verwendet, sondern verschiedene Trocken- und Flüssigtoner oder flüssige Tinten (Ink-jet) eingesetzt,  deren Übertragung auf Papier oder Karton durch Spritzen oder Magnetismus (Magnetografie) erfolgt. Auch eine analoge Druckform ist nicht mehr vorhanden, sondern lediglich ein Druckbildspeicher mit den entsprechenden digitalen Daten und Funktionen.

Weiterführende Fachliteratur:

J.Bass: „Das Buchdruckerbuch“, Stuttgart 1930

G.Engelmann: „Das Gesamtgebiet der Lithographie“ Chemnitz, 1840

B.Krebs: Handbuch der Buchdruckerkunst“, Frankfurt am Main 1827

T.C.Hansard: „The Art of Printing“, London 1825

W.Hasper: „Handbuch der Buchdruckerkunst“, Carlsruhe und Baden 1835

Heinrich Weishaupt:„Das Gesamtgebiet des Steindrucks und der Lithographie“, Weimar, 1865

Chr.Täubel: „Wörterbuch der Buchdruckerkunst“, Wien 1805

C.W.Gerhard: Geschichte der Druckverfahren Band II: „Der Buchdruck“, Stuttgart 1975

C.H.Bloy „A History of Printig Ink“, London 1967

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