Logodesign Basics: Teil 3
Manuel Kniepe am Februar 27, 2010
Teil 3: Visuelle Wahrnehmung und Wirkung eines Logos
Hallo Leser und Leserinnen!
Nachdem wir uns beim letzten Mal um den technischen Hintergrund eines Logos gekümmert haben, wollen wir uns in dieser dritten Stufe nun der Wahrnehmung des Logos widmen. Dabei spielen nicht nur offensichtliche Elemente des Logos eine Rolle, sondern auch die Aspekte, die eher unbewusst wahrgenommen werden bzw. die Assoziationen, die eine Gestaltung beim Rezepienten auslöst.
Das Logo ist das Gesicht und Aushängeschild einer Firma. Als solches muss man natürlich besonders darauf achten, dass die gewünschte Zielgruppe adressiert ist und dass die richtigen Assoziationen geweckt werden. Wenn ein Logo keine oder nur geringe Emotionen und Assoziationen schaffen kann, ist das allerdings noch immer nicht so schlimm, als würde das Logo falsche und unerwünschte Verbindungen schaffen. Daher kommen wir gleich am Ende des Artikels auch noch zu ein paar kleinen Tips, wie man Logos im Feldversuch an Publikum testen kann.
Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass ein Logo sich auch unabhängig von der eigentlichen Form und Aussage am Markt und in den Köpfen der Gesellschaft verändern kann, wenn diese nicht mehr das Logo an sich, sondern die damit verbundenen Erwartungen und Erfahrungen in den Vordergrund rücken. Ein gutes Beispiel dafür ist „Apple“: Sieht man mal von der Namensfindung des Unternehmens und des Redesigns ab, hat das heutige Logo des angebissenen Apfels eigentlich nichts mit der Herstellung und Vermarktung von Computern zu tun. Wohl eher könnte man an einen Obsthändler oder einen Apfelverkäufer denken. Wir, die wir aber Erfahrungen mit diesem Logo haben, wissen und erwarten dadurch, dass es um Computer, Technik und Design geht, wenn wir das Apfellogo wahrnehmen. Es ist durch die Etablierung am Markt und schlussendlich in den Köpfen der Menschen ein Selbstläufer geworden. Ein Logo das nun keinerlei Hilfsobjekte mehr benötigt (Firmenname, Claim, weitere Bildelemente, etc.) sondern vollkommen eigenständig wirkt und die gesamte Marke „Apple“ in einem einzigen Bildelement transportiert.
Wie teste ich aber nun eigentlich die Eigenschaften eines Logos? Dazu hier ein einziger aber wundervoller Tip:
Familie, Freunde, Bekannte und Leute auf der Straße fragen! Zeigt man diesen Personen das Logo und stellt dazu die richtigen Fragen, kann man sehr erfolgreich herausfinden ob und wie das Logo wirkt.
Fragen wären zum Beispiel: Welche Branche / Dienstleistung wird mit dem Logo verbunden? Wird das Logo als „schön“ empfunden? Weckt es positive oder negative Assoziationen? Passt das Logo zur erwähnten Firma? Kann das Logo nach einer Sekunde Betrachtung schon gedanklich und visuell rekapituliert werden? Würde man dem Logo vertrauen?
Im Teil 4 werden wir tiefer auf die jeweiligen gestalterischen Ansprüche des Logos eingehen und ähnlich wie im Teil 2 eine Art Checkliste abhandeln, an der man sich beim Logodesign orientieren kann.












Wie teste ich aber nun eigentlich die Eigenschaften eines Logos? Dazu hier ein einziger aber wundervoller Tip:
Familie, Freunde, Bekannte und Leute auf der Straße fragen!
Familie, Freunde und Bekannte zu fragen ist nun wirklich nicht ratsam. Die meisten Menschen verfügen nicht über das nötige Know-How ein Logo richtig beurteilten zu können. Am allerwenigsten Liselotte Müller und Co. Nebenbei gilt: frag 10 Leute und Du erhälst 10 Meinungen. Und da Logogestaltung keine geschmäcklerische Einscheidung ist, sondern einer fundierten Vorgehensweise folgen sollte, hier eine Liste anhand man die Kritieren abklopfen kann.
Ein Logo sollte folgendes…
• Aufmerksamkeit erlangen
• eine klare Aussage haben
• Verständlich sein
• Einfach erinnerbar sein
• Originell sein
• Am Kunden orientiert sein
• Eine klare Form haben
• Reproduzierbar sein
• Zeitlos sein
Fragen, die man vorher abklopfen sollte:
Ist das Logo auch noch sehr klein (2cm) gut lesbar?
Ist das Logo bei starker Vergrößerung noch optisch gleich als klein?
Kann das Logo auch in Schwarz/Weiss verwendet werden?
Kann das Logo dreidimensional dargestellt werden?`
Kann das Logo invertiert werden? (Was oft zusätzliche Möglichkeiten eröffnet)
Ist das Logo in möglichst wenig Farben erstellt worden? (Kostenfrage)
Kann man sich das Logo auch bei kurzer Betrachtung gut merken?
Passt die Schrift, wenn vorhanden, zu der in der Branche verwendeten Schriften?
Kann man die Farben des Logos für das komplette Corporate Design verwenden?
Ist das Logo auch aus geringer Entfernung gut erkennbar?
Ist das Logo leicht erkennbar, zuordenbar und merkfähig??
Kann das Logo in allen Bereichen der Werbung eingesetzt werden?
Kann das Logo auf den verschiedensten Werbemitteln eingesetzt werden?
Hebt sich das Logo vom Wettbewerb ab?
Kann man aus dem Logo auch die Leistung erkennen?
Wenn Bild und Textteil: Ist der Bildteil alleine auch verwendbar?
Kann das Logo variiert werden? (für andere Geschäftsbereiche)
Das Logo ist keiner gerade modischen Erscheinung zuordenbar und langfristig einsetzbar?
Sagt man mit dem Logo aus, was in dem vom Kunden definierten Corporate Image ausgesagt werden soll?
Kann das Logo in allen Druckarten reproduziert werden?
Können bei starker Verkleinerung drucktechnische Probleme auftreten? Wenn ja, gibt es eine zweite Version des Logos für solche Einsatzgebiete?
Hallo Bernd
und vielen Dank für deinen Kommentar.
Natürlich ist die technische und wahrnehmungsspezifische Seite eines Logos sehr, sehr wichtig. Bitte lies dazu doch die Logodesign Basics 02 und die hoffentlich bald online gehenden Basics 04, in denen es nämlich genau um diese beiden wichtigen Punkte geht. Hier ist es natürlich Aufgabe des Gestalters, diese beiden Aspekte zu perfektionieren.
Dennoch ist es natürlich wichtig auch mal die Leute auf der Straße zu fragen, wie sie ein Logo wahrnehmen. Denn bitte habe immer im Hinterkopf, dass wir ja nicht für den Kunden oder für uns, sondern für die Zielgruppe ein Logo entwerfen und da ist es schon wichtig, auch mal zu schauen, was die so zu sagen hat.
Aber gerade die sind es ja, die man mit einem Logo erreichen will.
Wenn ich durch die Einkaufspassagen in Köln laufe, sehe ich ja auch nicht nur Medien- und Kommunikationsdesigner vor den Läden, die sich über die Logos unterhalten
Es kommt – auch mir – des öfteren vor, dass man sich irgendwann in einen Entwurf „verliebt“ und sich bei diesem dann so in der Detailarbeit verliert, dass man das Ganze gar nicht mehr als Ganzes wahrnimmt. Wenn man dann jemanden fragt, der das Logo vorher noch nicht gesehen hat und einen ganz anderen visuellen Erfahrungsschatz besitzt, kann seine Meinung einem noch mal die Augen öffnen und den Horizont erweitern. Dabei will man ja auch gar nicht die technische oder gestalterische Qualität ermitteln, sondern einfach nur ein Feedback von einem potentiellen Adressaten haben.
Die Fragen die oben aufgeführt sind, die man den Leuten dann stellen soll, sind ja auch absichtlich sehr emotional subjektiv. Man möchte ja einfach wissen, was die Personen dabei denken
Glaub mir, es hilft!
Viele Grüße
Manuel Kniepe