Plastikkarten Druck
Marc-Michael Schoberer am Oktober 4, 2012
Für die Bedruckung von Plastikkarten gibt es verschiedene Druckverfahren. Die Wahl des richtigen Verfahrens entscheidet maßgeblich über das tatsächliche Druckergebnis.

Plastikkarten: Druck im Offsetverfahren
Für größere Produktionen mit höchsten Qualitätsansprüchen zu wirtschaftlichen Kosten empfiehlt sich das Offsetverfahren. Durch industrielle Offsetmaschinen werden die Plastikkarten in großen Druckbögen gedruckt, d.h. es wird eine größere Anzahl Karten gleichzeitig bedruckt und anschließend auf das entsprechende ISO Format ausgestanzt. Bereits ab einer vergleichsweise geringen Auflage von 200 – 500 Karten, lohnt es sich, Karten im Offsetverfahren produzieren zu lassen. Bei kleineren Stückzahlen, unter 250 Karten, sind die Einrichtungskosten der Druckmaschinen zu hoch, als dass sich eine Produktion im Offsetverfahren rentieren würde.
In der Regel besteht eine im Offsetverfahren produzierte Plastikkarte aus vier Schichten. Eine PVC-Schicht mit dem Druckbild der Vorderseite, eine PVC-Schicht mit dem Druck der Rückseite und jeweils eine Schicht Laminat auf jeder Seite. Durch diese Anordnung in vier Schichten und den Schutz durch das Laminat bleibt das Druckergebnis besonders lange brillant und ist vor Ausbleichen und Beschädigung gut geschützt.
Der Druck von Plastikkarten im Offsetverfahren beansprucht einige Tage, da gewisse Trocknungszeiten eingehalten werden müssen. Die Trocknungszeit ist zum einen abhängig vom verwendeten Druckverfahren und zum anderen von der Menge des Farbauftrages.
Neben dem Druck von Pantone-Farben ist es im Offsetverfahren ebenso möglich weitere Besonderheiten wie Siebdruck, Unterschriftenfelder oder Mattlaminierung auszuwählen. Das Siebdruckverfahren wird zum Beispiel dann eingesetzt, wenn Karten mit speziellen Metallicfarben (Gold oder Silber) bedruckt werden sollen. Da für jede Druckfarbe ein Sieb hergestellt wird, ist dieses Druckverfahren etwas kostspieliger als das Offsetverfahren.
Druck im Retransferverfahren
Dieses Druckverfahren eignet sich besonders für sämtliche Technologiekarten, wie RFID oder Chipkarten, da im Retransferverfahren Karten mit unebenen Kartenoberflächen problemlos gedruckt werden können. Beim Retransferdruck wird nicht direkt auf die Karte gedruckt, sondern zunächst spiegelverkehrt auf den Transferfilm. Dieser wird dann mittels Hitze und einer weichen Gummiwalze auf die Plastikkarte appliziert. Mit diesem Druckverfahren ist das Druckergebnis von hoher Farbbrillanz und –haltbarkeit und kleine Unebenheiten im Kartenkörper werden ausgeglichen. Ebenso ist im Retransferverfahren der randlose Plastikkartendruck möglich.
Die Möglichkeit einer Bedruckung von Pantone-Farben ist in diesem Verfahren nicht gegeben, da sich die Farben aus dem YMCK-Farbsatz zusammensetzten.
Druck im Thermosublimationsverfahren
Der Kartendruck im Thermosublimationsverfahren (Aufdampfen durch Erhitzen) ist besonders bei der kurzfristigen Bedruckung und Foto-Personalisierung kleinerer Plastikkarten-Mengen verbreitet. Dabei werden mehrzonige Farbbänder nach dem YMCK-Farbsatz verwendet. Die zu bedruckende Plastikkarte wird mehrmals zeitgleich mit der entsprechenden Farbzone am Druckkopf vorbeigeführt. Dabei werden die Farben nacheinander in Abstufungen direkt auf die Karte aufgedampft (sublimiert). Für gewöhnlich wird abschließend ein schützendes durchsichtiges Overlay eingesetzt, das den Kartendruck dauerhaft haltbar macht. Auch im Thermosublimationsverfahren ist es nicht möglich Pantone-Farben zu drucken.
Neben dem Thermosublimationsverfahren gibt es noch das monochrome Thermotransferverfahren, welches meist zur einfarbigen Personalisierung vorbedruckter Plastikkarten zum Einsatz kommt. Dabei wird die Farbe durch Hitze direkt auf die Karte “transferiert”, wodurch dieses Druckverfahren einen besonders schnellen Kartendruck ermöglicht.
Es bleibt festzuhalten, dass das Offsetverfahren brillante Qualität zu erschwinglichen Kosten liefert, die Produktionszeit durch verschiedene Prozesse jedoch bei ca. 2 Wochen liegt und es erst für Auflagen ab 250 Stück wirtschaftlich ist. Wer also schnell und flexibel Karten drucken möchte, ist sicherlich mit einem Desktopkartendrucker unter Berücksichtigung des für seine Anwendung passenden Druckverfahrens besser bedient.












Die Angabe der Lieferzeit stimmt zwar, zwei bis drei Wochen sollte man aber schon rechnen.
Allerdings ergibt sich die Lieferzeit nicht etwa aus den Trocknungszeiten für die Farben, da die meisen Hersteller mit UV-Trockung arbeiten.
Und falls man auch ein paar Extras wie z. B. Chip oder Hologramme oder Heißfolienprägung wünscht, kann schnell noch eine Woche dazukommen.
Die größte Herausforderung ist die Vielzahl der Arbeitsschritte die erforderlich ist, bis das Endprodukt fertig ist: Drucken, Zusammentragen, Laminieren, Ausstanzen, Personalisieren -> Fertig!
Ich möchte noch kurz ergänzen, dass im Offsetdruck eine Kombination aus vielen Drucken und Möglichkeiten entstehen, die Karte zu gestalten und z.B. auch durchscheinende Karten zu verwenden. So kann der Offsetdruck mit dem Siebdruck kombiniert werden und bietet so ein großes Spektrum für Kreativität. Auch können haptische Effekte mit dem Siebdruck auf eine Karte aufgedruckt werden oder z.B. Farben mit Geruchsmolekülen verwendet werden.
Was im Offset- und Siebdruck nicht geht, da es die Kosten sprengen würde, ist die Personalisierung.
Kurz anführen würde ich auch noch gerne die Möglichkeit des Thermo-Rewrite-Druckverfahrens, bei dem ohne Farbband mittels Hitze ein thermoempfindliches Feld auf einer Plastikkarte bedruckt, gelöscht und wiederbeschrieben werden kann.