Wasserloser Offsetdruck: Es geht auch umweltfreundlich!

Wolfgang Walenski am Dezember 8, 2010

Warum wasserloser Offsetdruck?

Der Offsetdruck ist ein Flachdruckverfahren. Dabei befinden sich die druckenden und nichtdruckenden Partien der Druckform in einer Ebene. Die druckenden Stellen sind farbführend, während die nichtdruckenden farbabweisend sind.
Diese Wechselwirkung ist auf grenzflächenphysikalische Phänomene zurückzuführen. Die druckenden Zeichnungselemente der Flachdruckform zeigen ein hydrophobes, also ein wasserabstoßendes und damit ein oleophiles Verhalten im Gegensatz zu den nichtdruckenden Partien, die hydrophile und damit oleophobe Eigenschaften aufweisen. Der eigentliche Druckprozess vollzieht sich im Offsetdruck dadurch, dass zuerst die nichtdruckenden Stellen der Druckform mit Hilfe eines Feuchtwerkes mit einem dünnen Feuchtigkeitschleier überzogen werden. Unmittelbar danach erfolgt die Einfärbung der druckenden Stellen mit Hilfe des Farbwerkes.
Bei diesem Einfärbungsvorgang rollen die sogenannten Farbauftragswalzen auch über den Feuchtigkeitsschleier hinweg. Dass führt dazu, dass die Druckfarbe im Laufe der Zeit mehr oder weniger Feuchtmittel aufnimmt; sie emulgiert mehr oder weniger stark. Diese hier nur ganz kurz angedeuteten unkontrollierbaren physikalischen und chemischen Grenzflächenprobleme im Zusammenhang mit einem wässrigen sauren Feuchtmittel sind es aber, die dem Offsetdruck sowohl im Bogen- als auch im Rollenoffsetdruck manchmal nicht unerhebliche und auch verschiedene Schwierigkeiten bereiten.

Unter den heutigen Erkenntnissen betrachtet, stellt das Feuchtmittel auch ein ökologisches Problem dar. Denn es wird nicht mit klarem Leitungswasser gedruckt, sondern mit verschiedenen, bedenklichen chemischen Zusätzen und auch mit einem Anteil an Isopropanol.
Isopropanol ist als organische Verbindung und kann als Vorläuferschadstoff für die Entstehung von Ozon unter Einfluss von Sonnenstrahlen bezeichnet werden. In der Schweiz haben deshalb die Offsetdrucker bereits eine nicht unerhebliche Abgabe für die Verwendung von flüchtigen organischen Verbindungen zu bezahlen. In Deutschland ist langfristig nicht auszuschließen, dass gesetzliche Auflagen sogar zu einem Verbot von schnellflüchtigen Lösungsmitteln führen…

Es hat deshalb zu keiner Zeit an Versuchen gefehlt, sich aus unterschiedlichen Gründen von der „Geisel Feuchtmittel“ im Offsetdruck zu befreien, zumal es für den Drucker, im Gegensatz zur Druckfarbe, keinerlei Möglichkeit einer objektiven Kontrolle der richtigen Feuchtmittelmenge für die Einhaltung einer guten Farbe-Wasser-Balance gibt.

Schon der Mit-Erfinder des indirekten Flachdruckverfahrens und große deutsche Offsetpionier Caspar Hermann (1871-1934) hat Versuche mit wasserlosem Offsetdruck gemacht. Es wird vermutet, dass er in die Druckfarbe bestimmte Präparate „gemixt“ hat die sicherstellten, dass auch ohne Feuchtung die nichtdrucken Partien der Flachdruckplatte Farbe annehmen. Erst 1967 stellte die damalige 3MCompany auf der DRUPA erstmals eine spezielle Druckplatte vor, bei der die nichtdruckenden Partien eine Oberfläche hatte, die eine stark farbabweisende Silikonschicht hatte.

Heute stehen für den wasserlosen Offsetdruck in erster Linie Platten der Firmen Toray (Japan) und Presstek (USA) zur Verfügung. Es besteht die Möglichkeit der externen analogen und digitalen Bebilderung mit anschließender manuellen oder maschinellen analogen Entwicklung. Die interne direkte digitale Bebilderung in der Offsetmaschine (CTP = Computer to Press) in Verbindung mit dem wasserlosen Offsetdruck kann heute bereits schon an einigen Bogenoffset-Druckmaschinen praktiziert werden.

Der wasserlose Offsetdruck ist also nicht einfach nur eine „Umsteigertechnik“ von nass auf trocken, sondern es ist die modernste „Einsteigertechnik“ in den Offset-Digitaldruck. Die Platten bieten ideale Voraussetzung für die thermische, integrierte Bildaufzeichnung in der Offsetmaschine. In allen Fällen erfolgt bei der Bildaufzeichnung die Entfernung der auf der Oberfläche liegen den farbabstoßenden Silikonschicht und damit ein Freilegen der farbführenden Photopolymerschicht. Die druckenden Elemente liegen damit um etwa 2 my vertieft. Das führt zu der Möglichkeit, mehr Farbe als bei den konventionellen Nassoffset-Platten auf das Papier zu übertragen. Die Druckqualität ist „knackiger“ kontrastreicher und leuchtender. In Verbindung mit unseren matten und glänzenden ikono-Qualitäten, aber auch den spiegelglänzenden Oberflächen von Chromlux läßt sich ohne Übertreibung sagen, dass mit Hilfe der wasserlosen Offsettechnik eine fotografische Qualität erreicht wird. Das Auflösungsvermögen liegt bei bis zu 4000 dpi. damit sind auch beste Voraussetzungen gegeben für die Verwendung eines frequenzmodulierten Rasters. Im übrigen haben Farb-Dichtemessungen auch ergeben, dass mit wasserlosen Platten mit einer geringeren Tonwertzunahme gerechnet werden kann.

Welche Papiere für den wasserlosen Offsetdruck?



Der wasserlose Offsetdruck braucht keine Spezialpapiere, wie es noch vor 20 Jahre der Fall war. Denn die heute zur Anwendung kommenden Druckfarben haben sich der wasserlosen Technik angepasst und die Druckmaschinen sind weitgehend auch so ausgerüstet, dass eine relativ gute und konstante Temperierung der Farbwerke möglich ist.

Wer die Vorteile des ökologischen wasserlosen Offsetdrucks voll ausgeschöpfen möchte und gleichzeitig dabei hohe Druckqualität erzielen möchte, sollte auch gute Papiere eingesetzen. Dabei kann es sich um matt und glänzend gestrichenen Qualitäten handeln, aber auch um die vielen Naturpapiere mit ihren aufeinander abgestimmten Farben und unverwechselbaren Oberflächenstrukturen.

Der wasserlose Offsetdruck kann seine Stärken aber auch voll beweisen, wenn es um das Bedrucken von feuchtigkeitsempfindlichem Transparentpapiere geht. Bei diesen nichtsaugenden Materialien wird durch die Abwesenheit von jeglichem Feuchtmittel, der oxidative Trocknungsprozess der Druckfarben wesentlich verbessert, ja fast garantiert Es tritt also keine Trocknungsverzögerung oder gar -Verhinderung auf wie es im Naßoffsetdruck beobachtet wird, wenn mit zu viel saurem Feuchtmittel gedruckt wird, oder bei wenig Zeichnungsbild der Farbverbrauch zu gering ist und dadurch die Druckfarbe zu viel Wasser aufnimmt, d.h. stark emulgiert.

Wasserloser Offsetdruck heißt also schnelle sichere Trocknung der Druckfarbe in Verbindung mit einer optimalen Haftung mit der Oberfläche des Papiers. Im übrigen ist der wasserlose Offsetdruck auch eine ideale Technik für das Drucken von Gold- Silber- und Iriodin-Druckfarben, weil diese Metallicfarben unter dem Einfluss des meist sauren Feuchtmittels möchte, sollte auch gute Papiere eingesetzen. Dabei kann es sich um matt und besonders „leiden“ können und ihren schönen metallischen Charakter und ihre Brillanz einbüßen.

Der wasserlose Offsetdruck hat sich im Laufe der Zeit, fast heimlich still und leise aber auch stetig, zu einem Verfahren entwickelt das einen sehr rentablen und stabilen Nischenmarkt für Spezialprodukte und für Druckerzeugnisse höchster Qualität bedient. Durch die moderne Technik der integrierten digitalen Druckformbebilderung in der Offsetmaschine (CtP / DI), durch die zunehmende Präsenz von Offsetmaschinen mit DI-Technik und mit der Weiterentwicklung von Offsetmaschinen mit Kurzfarbwerken – auch für den Zeitungsdruck- hat sich wasserlose Offsetdruck aus der Nische heraus für die Zukunft als ein ausgesprochen interessanter Wachstummarkt entwickelt. Welch hohe Druckqualität der Zeitungsdruck z.B. erreicht hat, kann man sich tagtäglich beim Kölner Stadt-Anzeigen ansehen. Dort wird hervorragend farbig gedruckt. Die Bilder haben auf dem rauhen Zeitungsdruckpapier fast fotografische Qualität.

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