Papyrus – oder wie ein tropisches Pflänzchen das Altertum eroberte
Stefanie Schaetzler am März 22, 2010
Papyrus, der erste beschreibbare Stoff, war bereits zu antiken Zeiten bei den Ägyptern, den Römern und den Griechen bekannt. Man geht davon aus, dass es die alten Ägypter waren, welche die Herstellung des papierähnlichen Gewebes erfanden und dies auch anwandten. Seit etwa 2800 v.Chr. ist Papyrus in Ägypten nachweislich in Verwendung gewesen. Die Griechen kannten und nutzen Papyrus wahrscheinlich seit ca. 600 v. Chr. Als ältestes, noch erhaltenes, griechisches Dokument, welches auf Papyrus zu finden ist, gilt das Werk „Persai“ von Timotheos aus Milet. In diesem Gedicht beschreibt er die Schlacht von Salamis – 250 Verse davon sind auf diesem Schriftstück aus Papyrus erhalten geblieben.
Sowohl Griechen wie auch Römer nutzten diese Gewebe noch bis ca. 400 n.Chr. Ungefähr zu dieser Zeit wurde der Stoff durch Pergament abgelöst. Dennoch verschwand dieser Schreibstoff nicht von der Bildfläche. Bis ins 9.Jahrhunder nach Christus wurde Papyrus vor allem für private Dokumente und offizielle Briefe genutzt.
Die Herstellung dieses Geflechts ist zeitaufwendig und von Handarbeit bestimmt. Ausgangspunkt ist die Papyrusstaude, auch Cyperus papyrus genannt. Dieses grasartige Gewächs kam ursprünglich aus den tropischen Gefilden rund um Zentralafrika. Doch sie wurde schon recht bald auch in anderen Gegenden als Zier- und Nutzpflanze eingeführt. Unter anderem benutzte man sie zur Herstellung eben jenes Naturproduktes. Zuerst musste dafür der Stängel der Staude auf die Länge gekürzt, welche das spätere Blatt haben sollte. Die Außenhaut wurde entfernt und das innere Mark für 14 Tage gewässert und eingeweicht. Anschließend wurden die Markteilchen plattiert und dünn ausgerollt. Danach wurden die gewalzten Stängel schachbrettartig übereinandergelegt und fest ineinander gepresst. Nachdem die so bearbeiteten Seiten getrocknet waren, konnten sie beschriftet oder bemalt werden.
Als größte Widersacher dieses mitunter feinen Gewebes gelten Wurmfraß, Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung. Wie auch beim heutigen Papier zu finden gab es bei der Herstellung von Papyrus ebenfalls verschiedenen Qualitätsstufen. Die edelsten Blätter blieben wichtigen Dokumenten vorbehalten.
Heute sind Papyrusrollen, wenn sie denn noch gut erhalten sind, ein wichtiger Zeitzeuge und ein Bindeglied zu unserer Geschichte. In Museen und Ausstellungen kann man sich immer wieder von der Faszination Papyrus berauschen lassen.









Die Papayruspflanze war in Agypten ausgestorben, da große Sumpfgebiete (Papyrus ist eine Sumpfpflanze) kultiviert wurden.
Erst Herrn Dr.Hassan Ragap (14.05.1911-11.01-2004) ist zu verdanken, dass diese Pflanze wieder in bescheidenem Umfang in Ägypten angepflanzt werden konnte. Nach Dr.Ragan ist deshalb auch ein kleines Papyrus-Museum in Kairo benannt, das täglich von 9-21 Uhr geöffnet ist. Dort besteht die Möglichkeit, auch die Herstellung
von Papyrus authentisch zu beobachten und auch künstlerisch manuell bemalte Papyrusblätter
zu kaufen. Vorsicht vor billigen Imitaten, die in Kairo von Straßenhändlern an Touristen
verkauft werden!!