Papier: Wegweiser durch den „Öko-Dschungel“

Wolfgang Walenski am Januar 21, 2011

Öko-Zertifikate, Labels, Blaue Engel, EU-Blumen – da kennt sich doch keiner mehr aus! Wir versuchen etwas Licht in den Öko-Dschungel zu bringen. Wir holen Sie raus – die Öko-Stars.


Blauer Engel

Nationales deutsches Umweltzeichen für Papier. Es wurde bereits 1978 ins Leben gerufen. Die mit diesem Umweltzeichen ausgestatteten Papiere sollten folgende Anforderungen erfüllen:

  • Die Papierfasern müssen zu 100 % aus Altpapier bestehen. Altpapier ist der Oberbegriff für Papiere und Pappen, die nach Gebrauch oder Verarbeitung erfassbar anfallen. Fertigungsausschuss ist kein Altpapier
  • Die Recyclingpapiere müssen mindestens 51% Altpapier der unteren, mittleren und krafthaltigen Altpapiersorte enthalten
  • Als Farbmittel dürfen keine Azofarbstoffe eingesetzt werden.
  • Es dürfen keine Farbmittel eingesetzt werden, die Quecksilber-,Blei-, Cadmium- oder Chrom VI-Verbindungen als konstitutionelle Bestandteile enthalten
  • Es dürfen keine Farbmittel, Oberflächenveredelungs- und Beschichtungsstoffe eingesetzt werden.
  • Für die Beschichtung von Durchschreibe-, Selbstdurchschreibe- und Thermopapiere dürfen nur bestimmte Stoffe verwendet werden.
  • Bei der Aufbereitung der Altpapiere muss auf optische Aufheller, Chlor, halogenierte Bleichchemikalien und Ethylendieamintetraessigsäure (EDTA) vollständig verzichtet werden.


Nordic-Umweltlabel (Nordic Swan)

Ein umfassendes, weil ganzheitliches Umweltzeichen der skandinavischen Länder. Bei der Vergabe des nordischen Swan-Zeichens werden nicht nur einzelne Produkteigenschaften beurteilt, sondern es werden für den gesamten Lebenszyklus des Papiers viele ökologische Aspekte geprüft. Die Werte des „Nordic-Swan basieren auf den Emissionen bei der Papier- und Zellstoffproduktion und wurden in 1994 neu festgelegt. Die Bewertung richtet sich folgenden Kriterien:

  • Organische Verbindungen  (AOX)
  • Chemischer Sauerstoffbedarf (COD)
  • Schwefelemissionen (S)
  • Stickstoffoxid (NOx)

Ein zusammenhängendes Punktesystem für die vier Messbereiche gibt Auskunft über die Umweltverträglichkeit der ganzheitlichen Papierherstellung. In Deutschland ist das nordische Öko-Siegel selten anzutreffen

FSC

Der Forest Stewardship Council (FSC)  ist eine internationale gemeinnützige Organisation, welche das erste System zur Forstzertifikat nachhaltiger Forstwirtschaft schuf, betreibt und weiterentwickelt. Sie wurde 1993 in Toronto(Kanada) gegründet. Sitz des FSC International ist Bonn. Papier, das das FSC-Warenzeichen trägt garantiert, dass das verwendete Holz aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern stammt bzw. dass die Wäldern nachhaltig nach ökologischen, sozialen und subnationaler Aspekten mit einer unabhängigen Zertifizierung durch Dritte nach den Vorgaben des FSC erfolgt. In Deutschland wurden bislang 200 Millionen Hektar Waldfläche zertifiziert.
Es existieren verschiedene FSC-Labels:

  • FSC Pure (100 % FSC-Holz)
  • FSC Mix (FSC-Holz, Holz aus kontrollierten Quellen oder Recyclingmaterial)
  • FSC Recycling (Produkte, bei deren Herstellung Recyclingmaterial verwendet wurde.




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PEFC

Das Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen ist die größte unabhängige Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldwirtschaft durch ein Zertifizierungssystem für Holz und Holzprodukte. PEFC Deutschland ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Stuttgart, gegründet 1989.
Die Zertifizierungsstandards basieren inhaltlich auf den Beschlüssen von 37 Nationen, verabschiedet auf den Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder. Vorrangiges Ziel von PEFC ist die Dokumentation und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische sowie soziale Standards. Ferner bietet die Forstzertifizierung ein hervorragendes Marketinginstrument für das nachwachsenden Holz.

EU-Blume

Die Eu-Blume ist seit 1992 das offizielle Umweltsiegel der EU das Produkte kennzeichnet, die von unabhängigen Stellen auf die Einhaltung ökologischer  Kriterien geprüft werden. Es ist ein freiwilliges Marketinginstrument des Herstellers und bezieht sich nicht nur auf Papier. Als Rohstoffe dürfen nur Holzfasern aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern mit Herkunftsnachweis eingesetzt werden, davon müssen mindestens  10 % Recyclingfasern oder zertifizierte Fasern nach FSC oder PEFC sein.

EMAS

Das Eco-Management and Audit Scheme wurde von der EU entwickelt und ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Organisationen, die an EMAS teilnehmen, erstellen für die Öffentlichkeit regelmäßig eine Umwelterklärung.



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EUGROPA  APPROVED

Dieses Umweltzeichen kennzeichnet Papiere, die mindestens 50 % Altpapier enthalten, gewonnen aus gebrauchtem Papier und Remittentenware. Fabrikabfälle sind nicht eingeschlossen. Ein Mischungsverhältnis mit leicht erhöhtem Frischfaseranteil (pro consumer waste) paart verantwortliche Umweltorientierung mit anspruchsvollsten Qualitätsanforderungen an das Papier.

TCF / TEF

TCF steht für:Totally Chlorine Free. Diese Bezeichnung erhalten Papiere, die gänzlich ohne Chlor oder Chlorverbindungen gebleicht wurden. Hier kam nur Sauerstoff (O2), Peroxid (H2O2) oder Ozon (O3) zum Einsatz.
TEF steht für: Totally Effluent Free. Es ist die Bezeichnung für Zellstoff aus Fabriken mit einem geschlossenen Wasserkreislauf, d.h. ohne Abwasser, ohne Entsorgung durch Verdampfen des Abwassers.

ECF

Die Bezeichnung (ECF= elementar chlorfrei) wurde in den 90er-Jahren eingeführt und bedeutet, dass bei der Zellstoffherstellung nicht mit Chlorgas, aber mit Chlorverbindungen und Natriumhypochlorid (NaOCI) gebleicht wird. Die ECF-Technologie reduziert zwar die Bildung der umweltschädlichen chlororganischen Verbindungen, ist aber trotzdem nicht völlig frei von Chlorgas.

ÖKOPA / ÖKOPA plus

Vergabe Institution: Venceremos (ökologischer Lernmittelhersteller)
Kriterien: Ökopa: u.a.100 % Altpapier, kleine Bleiche, keine Färbung; Ökopa plus: u.a. 100 % Altpapier, geweißt mit Kaolin und Kreide
Modus: firmeneigen, privat

AP / VUP (Verbund selbst verwalteter Betriebe für Umweltschutz Papier)

Original Umweltschutzpapier. Dies übertrifft noch die Umweltverträglichkeit des blauen Engel. Rohstoff ist auch hier 100% Altpapiers, das zudem weder entfärbt noch gebleicht wird.

Das Gmund ECO-Umwelt Zertifikats Logo

Es wird für  Kunden der Papierfabrik Gmund zur Verwendung auf Gmund-Papieren angeboten als Hinweis darauf, dass  ein umweltfreundliches Papierprodukt verwendet wurde. Innerhalb einer sehr umfangreichen Papierkollektion von Gmund gibt es die Feinpapierkollektion „Gmund-Act-Green“ mit einem Umweltzertifikat. In puncto CO2-Ausgleich wird die bei der Herstellung dieser Kollektion erzeugten CO2-Emissionen ausgeglichen, indem die Papierfabrik ein umweltschonendes Wasserkraftprojekt in Mittelamerika unterstützt.

DIN/ISO 9706

Diese internationale Norm zielt darauf ab, Papiere und Pappen auszuzeichnen, die für die Aufbewahrung unbegrenzter Zeitdauer am besten geeignet sind. Folgende Kriterien sind – neben bestimmten Festigkeitswerte – für die Alterungsbeständigkeit von besonderer Bedeutung:

  • Herstellung des Papiers im neutralen bzw. alkalischen Bereich
  • Der damit verbundene vollständige Verzicht auf Alaun und andere Substanzen,
  • Der nur bei dieser Fahrweise mögliche Einsatz einer milden alkalischen Puffersubstanz (Calciumcarbonat) als Füllstoff,
  • Verzicht auf verholzte Fasern (Lignin)

DIN 6738

Stuft die Alterungsbeständigkeit der Papiere und Pappen nach den Lebensdauerklassen (LDK) von mindestens 50, bis über 100 Jahren, sowie mehreren 100 Jahren ein- unabhängig ob holzfreies, holzhaltiges oder Recyclingpapier. Diese deutsche Norm zielt vor allem auf Papiere und Kartone, die als Informationsträger nach längerer Zeit in Archiven noch benutzbar sein müssen. Auf die Festlegung der Stoffzusammensetzung wurde bewusst verzichtet. Die Alterungsbeständigkeit ist nach Lebensdauerklassen (LDK) wie folgt gestaffelt:

  • LDK 24-85

Papiere dieser LDK dürfen alterungsbeständig genannt werden, da sie nach dem heutigen Erkenntnistand bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer haben, an die höchste Anforderungen gestellt werden können.

  • LDK12-80

Papiere dieser  LDK werden nach heutigem Erkenntnisstand bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer von einigen 100 Jahren haben

  • LDK 6-70

Papiere dieser LDK werden nach heutigem Erkenntnisstand bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren haben.

  • LDK 6-40

Papiere dieser LDK werden nach heutigem Erkenntnisstand bei schonender Behandlung und Lagerung voraussichtlich eine Lebensdauer von Mindestens 50 Jahre haben

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