Der Stahlstichprägedruck
Wolfgang Walenski am Februar 9, 2010
Der Stahlstichprägedruck ist ein Tiefdruckverfahren, der sich entwickelt hat aus der viel älteren Technik des Kupferstichs, als es dem nach England übergesiedelten Amerikaner Jacob Perkins (1766 – 1849) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang, Stahlplatten gravierfähig zu machen und nach dem Gravieren wieder auf Stahlhärte zu bringen.
Das entsprechende englische Patent AD 1819 Nr. 4400 wurde am 10. April 1820 erteilt. In einer neuen Fachterminologie wird der Stahlstichprägedruck auch als Linien-Prägedruck bezeichnet, um damit noch eine klarere Abgrenzung zum Stahlstichdruck für die Reproduktion von zweidimensionalen Bildern zu schaffen. Beim Stahlstich-Prägedruck-Verfahren haben wir es dagegen mit einem dreidimensionalen Druckergebnis zu tun, nämlich mit einem Farbdruck und einer gleichzeitigen Hochprägung. Dabei wird das gewünschte Druckbild, bestehend aus Schrift oder/und Zeichnung, am besten in kunstvoller Handarbeit mit Hilfe verschiedener Stichel von einem Graveur seitenverkehrt in die polierte Metallplatte eingetieft, graviert.
In manchen Fällen wird das Druckbild aber auch nur mit Hilfe einer lichtempfindliche Schicht übertragen oder vorgraviert und dann anschließend geätzt. Beim Druckvorgang auf speziellen Stahlstichprägepressen erfolgt eine vollständige Einfärbung der Form mit einer Lackfarbe. Alle gravierten Vertiefungen füllen sich vollständig mit Farbe, während sie von der Oberfläche rückstandsfrei abgewischt und abgerakelt wird. Unter sehr hohem Anpress-Druck erfolgt ein Eindrücken des zu bedruckenden Papiers in die mit Druckfarbe gefüllten Vertiefungen. Dabei erfolgt die Übertragung der Druckfarbe und gleichzeitig eine reliefbildende Prägung.
Zu diesem Zweck wird von der eigentlichen Druckform (Patrize) vor dem Druck auch noch eine entsprechende Gegenform oder Gegenzurichtung (Matrize) genau entsprechend der Gravur erstellt. Es entsteht ein wirklich gestochen scharfes, glänzendes und erhabenes farbiges Druckergebnis welches mit keinem anderen Druckverfahren erreicht werden kann. Charakteristisches Qualitäts-Merkmal eines echten Stahlstich-Prägedrucks ist auch eine ganz leichte Eintiefung des Papiers auf der Rückseite des Druckbogens. Sollen Stahlstich-Prägedrucke laserfest sein, müssen spezielle Druckfarben eingesetzt werden, die allerdings nicht ganz so glänzend sind. Auch auf die Laufrichtung muß geachtet werden. Bei einem DIN A4-Bogen z.B. muss in Breitbahn gedruckt werden.










Vielen Dank für diesen guten, fachlich fundierten Artikel!
Hinsichtlich der Laserfestigkeit habe ich eine Anmerkung:
Die “nicht so glänzenden Farben” sind Farben auf Wasserbasis und sind im Ergebnis gänzlich matt. Beinahe ausschließlich mit Wasserfarben wird in den USA gearbeitet. Die Hintergründe sind auf der einen Seite Umweltauflagen und auf der anderen Seite die Wünsche der Kunden bzgl. einer klaren Abgrenzung zum hochglänzenden Thermoreliefdruck. Hierzulande bzw. in Europa ist noch immer die Verwendung von Stahlstichfarbe auf Lösemittel- / Lackbasis vorherrschend – der glänzende Stahlstich eben. Auch diese Farben können entsprechend ausgerüstet werden, dass eine Eignung für die Verarbeitung auf Laserdruckern erklärt werden kann. Die Farbenhersteller sprechen diese Eignung jedoch erst bei vollständiger Trocknung aus, welche aufgrund der hohen Farbmenge auf dem Bedruckstoff tatsächlich erst nach mehreren Wochen erfolgt ist. In der Praxis jedoch ist die Trocknung von mehreren Tagen i. d. R. ausreichend. Lediglich bei sehr alten oder Hochgeschwindigkeitslaserdruckern, die mit sehr hohen Fixiertemperaturen arbeiten, kann eine längere Trocknungszeit notwendig sein.
Hallo Marco!
Vielen Dank für das wirklich sehr interessante Kommentar.
Würden gerne mehr von dir lesen…
Liebe Grüße,
Marc
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Nicole Kreye, gutenbergblog.de, gutenbergblog.de, Spiegelei, Bartels Druck und anderen erwähnt. Bartels Druck sagte: Gute, fachliche Zusammenfassung! RT @gutenbergblogde: Der Stahlstichprägedruck http://bit.ly/agcqZ9 #Drucktechnik #Druck #Praegung [...]
[...] kompletten Beitrag gibt es bei den Kollegen des Gutenbergblogs. (Wolfgang Walenski für Gutenbergblog) Tags: gutenbergblog, Stahlstichprägedruck Sie können [...]
Sehr guter Bericht, nur denke ich das du Patritze und Matritze verwechselt hast. Im Stahlstichreliefdruck ist der Stempel vertieft (Mutter) und das Gegenstück erhaben (Vater).
Wer stellt den noch solche Farben und Lacke her?
Hallo, echt guter Bericht. Solche Lacke stellt z.B.noch Hostmann Steinberg Holland her(haben nichts mit Hostmann und Steinberg Deutschlan zu tun). Siehe hier http://www.drukinkt.nl/