Druckgeschichte: Die Eiweiskopie (Negativkopie)

Wolfgang Walenski am Februar 2, 2010

Das älteste photomechanische Verfahren zur Übertragung von Text- oder Bildinformationen für den Offsetdruck auf Zink- oder Aluminiumdruckplatten war die einfache selbst angesetzte Chrom-Eiweiskopie. Es war ein Negativkopierverfahren für kleine Auflagen, das auch für die Kopie auf Stein eingesetzt werden konnte.

Eine Chromeiweißlösung war eine Lösung von Albumin (Hühnereiweiß) in Wasser und einer Lösung von Ammoniumbichromat in Wasser. Dabei dient die Albuminlösung als Trägerschicht, während durch das Bichromat die Schicht lichtempfindlich gemacht wurde. Bei der Belichtung unter einem Negativ verliert die vom Licht getroffenen Schicht ihre Löslichkeit, sie wird gehärtet. Nach dem Auftragen einer dünnen schwarzen fetten Druckfarbe (Schutzfarbe) erfolgte dann die Entwicklung unter einer Wasserbrause mit einem Wattebausch. Dabei entstand ein positives Druckbild. Die gehärtete Kopierschicht bildete praktisch den Träger der Druckfarbe. Zum Schluß wurde die Platte mit Gummiarabicum oder einer Ätzgummierung gummiert Es gab Negativkopien als Einschicht- und als Zweischichtenverfahren.

Hier ein Rezept zum Selbstansatz einer Negativ-Kopierschicht:

Lösung A: 1.000 cm3 Wasser
150 g Eiweiß, das gut aufgelöst werden muß
Lösung B: 1.000 cm3 Wasser
40 g Ammoniumbichromat, chemisch rein

Die gebrauchsfertige Kopierlösung besteht aus einem teil Lösung A und einem teil Lösung B. Dieser Lösung werden noch 3 % Ammoniak zugesetzt. Dann muss sie gut filtriert werden. Der Aufbewahrungsort sollte dunkel und kühl sein.
Die Kopierschicht wird in einer Horizontal- oder Vertikalschleuder mit ca. 80-90 Touren aufgetragen und dabei nicht zu heiß getrocknet.
Die Belichtungszeit unter einem Negativfilm betrug ca. 4 Minuten unter einer 3-Phasen-Kohlebogenlampe mit 60 Am. bei einem Abstand von 170 cm.

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