Kaltfolienveredelung als Alternative zur Heißfolienprägung

Marc-Michael Schoberer am Juni 10, 2014

Entweder „Manche mögen’s heiß“ oder „Die Folie, die aus der Kälte kam“?

Drucksachen transportieren Informationen, formen Images und sollen, damit sie wahrgenommen werden, Aufmerksamkeit wecken. Auf der visuellen Ebene ist das Mittel, dies zu erreichen, ein besonderes Design. Oft trägt die drucktechnische Veredelung aber fast genauso dazu bei, dass man ein Magazin oder ein Mailing im ersten Impuls in die Hand nimmt und ansieht. Und unter den zahlreichen Veredelungstechniken ragen jene noch etwas hervor, die mit Glanz oder Leuchteffekten arbeiten, weil sie im Erstkontakt der deutlichste Hingucker sind. Die Kaltfolienveredelung hat gerade im Verhältnis zur traditionsreichen Heißfolienprägung in den letzten Jahren deutlich aufgeholt und führt verschiedene innovative Technologien zusammen. Warum fasziniert sie und wo liegt ihr Vorteil, obwohl Folienveredelung doch schon seit Langem ein Standard ist?

Oben: Eine diffraktive Folie des Herstellers Kurz mit einer hochbrechenden Schicht, die die holografische Struktur für Heißpräge- und Kaltfolienverfahren erzeugt. 

Alles so schön bunt hier: Durch Veredelung jenseits der üblichen Farbwirkung

Designer und Drucker sind daran gewöhnt, mit standardisierten Farbräumen zu arbeiten. Im Offsetdruck werden aus vier Grundfarben gemessen an der menschlichen Wahrnehmung unendlich viele Farbtöne erzeugt, wobei die flächige Farbwirkung durch den Zusammendruck der Rasterpunkte intensiver sein könnte. Um mehr Farbintensität zu erreichen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Sonderfarben: Wer mehr Intensität will, nutzt Sonderfarben von HKS oder Pantone, die satte Farbflächen ergeben.
  • Leuchtfarben:Pantone bietet eine inzwischen ausdifferenzierte Palette auch an Metallicfarben oder Signalfarben das heißt fluoreszierenden oder leuchtenden Farben an, deren Wirkung aber stark vom Papier anhängig ist und jeweils nach Farbe auch noch einmal unterschiedlich ausfällt.
  • Papierwahl: Wer den Farbeindruck noch steigern möchte, macht sich Gedanken über Papier. Zum Beispiel steht eine farbig gedruckte Vollfläche allein auch ohne weitere Lackierung schön glänzend auf einem matten Bilderdruckpapier oder Kunstdruckpapier.
  • Lackveredelung: Wer noch mehr Intensität wünscht, verwendet Drucklacke oder UV-Lack, der hochglänzend ist und einen Fotopapierlook bringt.
  • Kaschierung: Steigern lässt sich der Eindruck, indem man Schutzfolienkaschierungen verwendet – hochglänzend, matt oder strukturiert – oder indem man die Techniken kombiniert und z.B. auf eine matte Folienkaschierung einen UV-Lack aufbringt oder einen Lack im Siebdruck appliziert, sodass er als erhabene Schicht auf der Kaschierung steht.
  • Metallicpapier: Eine andere Möglichkeit ist es, ein Foto vierfarbig auf ein Metallicpapier zu drucken. Mit etwas Wissen um die Farbwirkung auf Metallickarton lässt sich die übliche Wirkung „metallisieren“, das heißt, die Farben wirken intensiver und ausdruckstärker. Sehr schön zu sehen, ist das bei der aktuellen (zweiten posthum veröffentlichten) CD von Michael Jackson

Oben: Links die Michael-Jackson-CD „Xscape“ herkömmlich gedruckt im Jewel-Case, rechts der Pappschuber der Deluxe-Edition, der auf Silber-Karton gedruckt wurde. Durch geschickte Farbwahl wirkt der vierfarbig gedruckte Hintergrund golden. Während das Gesicht des Musikers links herkömmlich gedruckt auf weißem Papier steht, schimmert beim Schuber das Silber durch und bringt mehr Brillanz. Flächig kommt das Silber des Bedruckstoffes aber nur partiell in dem Metallring, der das Gesicht Jacksons teilt, hervor. Nur dort bleibt er partiell unbedruckt. Die visuelle Wirkung des Schubers, der golden und silbern schimmert, ist kontrastreicher, farbintensiver und dadurch ein Hingucker.

Heißfolienprägung kontra Kaltfolienveredelung

Schnell gehen die Überlegungen eines Gestalters oder Produktioners, die Farbwirkung über das übliche Maß des unveredelten Vierfarbdruckes oder Sonderfarbendruckes hinausgehen zu lassen, weiter. Es gibt noch Techniken, um zum Beispiel dicke Farbschichten aufzubringen, die durch ihre Dreidimensionalität ein anderes visuelles Ergebnis bringen. Eine hohe Kunst dabei ist, verschiedene Veredelungen miteinander zu kombinieren, ähnlich wie es bei Kaschierung/UV-Lack geschildert wurde, um das Optimum visueller Wirkung aus dem Design herauszuholen. Doch letztlich landet man irgendwann bei seinen Überlegungen gedanklich bei der Heißfolienprägung, die als alte Technik Besonderes bietet, und dann bei der Kaltfolienveredelung, die fälschlicherweise manchmal „Kaltfolienprägung“ genannt wird, obwohl bei ihr nicht geprägt wird. Der Begriff der „Heißfolienprägung“ andererseits ist auch unpräzise, weil nicht immer, wenn eine Heißfolie aufgebracht wird, auch erhaben geprägt werden muss. Die Kaltfolienveredelung kann zum einen als technologischer Nachfolger der Heißfolienprägung gelten, andererseits bietet sie nicht ganz das, was die Heißfolienprägung kann. Umgekehrt hat aber auch die Heißfolienprägung Nachteile gegenüber der Kaltfolienveredelung. Haben dennoch beide ihre Daseinsberechtigung? Wo liegen Vorteile und Nachteile der Technologien?

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird – bei der Heißfolie aber doch

Die Heißfolienprägung stammt aus der Zeit des Buchdrucks, bei dem letztlich im Hochdruckverfahren (als Vorläufer des Offsetdrucks als Flachdruckverfahren) mit den Bleilettern der Hochdruckform direkt auf das Papier gedruckt wurde. Auch Fotos waren in dieser Zeit gerasterte Metallklischees, die mit Druck auf das Papier gebracht wurden und dadurch den Farbauftrag erzielten. Heute haben manche Druckereien neben ihren modernen Druckmaschinen noch alte mechanisch funktionierende sogenannte Tiegel im Maschinenpark, mit denen man stanzen, rillen und prägen kann. Die Heißfolienprägung bringt durch die Kombination von Druck uns Hitze – zwischen 80-220°C, je nach Material und Maschine – meist Metallfolien auf. Ansich liegt die Folie dann wie eine Farbschicht auf, man kann sie aber auch zusätzlich prägen, sodass die Folie erhaben oder tiefer liegend wirkt. Das Verfahren fand vor allem bei der Buchdeckenproduktion seit jeher Anwendung aber bei Visitenkarten, bei Zeitschriftentiteln oder in der Werbung. Einen besonderen Stellenwert hat sie wie viele andere Veredelungstechniken bei der Verpackungsproduktion zum Beispiel für Parfüms. Neben dem Folienprägen gibt es auch das sogenannte Blindprägen, bei dem keine Folie aufgebracht wird, sondern es nur um die Dreidimensionalität z.B. eines Schriftzuges oft in Kombination mit einer Druckfarbe geht.

Oben: Der Folienhersteller Kurz aus Fürth gibt jährlich die Edition „Kunst aus der Schachtel“ heraus. Aus der 2013er-Edition stammt dieses Exemplar, bei dem Heißfolienprägung zum Einsatz kam.

Vorteile und Nachteile der Heißfolienprägung

Die Nachteile der Heißfolienprägung hängen zum einen mit der Temperaturempfindlichkeit des zu prägenden Materials zusammen bzw. seiner Verformbarkeit und Elastizität. Nicht jeder Karton oder jedes Papier sind dafür geeignet. Zudem lassen sich Heißfolien nicht bedrucken und je nach Verfahren ist die Passgenauigkeit ein Thema. Wie bei jedem Prägeverfahren muss ein Prägewerkzeug angefertigt werden, was je nach Ausführung zeitaufwendig ist und in jedem Fall natürlich zusätzliche Kosten verursacht, gerade wenn es um große Prägestempel geht. Ein besonderes Thema ist, dass man sich als Kunde unter Umständen für Nachauflagen an eine Druckerei bindet, wenn die das Prägewerkzeug behält. Insgesamt ist die Heißfolienprägung ein zusätzlicher arbeitsintensiver analoger Schritt, der in jedem Fall einen besonderen Aufwand bedeutet. Das visuelle Ergebnis ist aber beeindruckend, weil metallisierte geprägte Folien der Farbwirkung der Drucksache eine weitere Dimension hinzufügen. Das Heißfolienpräge-Verfahren ist aus seiner Tradition heraus also ein mechanisch-analoges. Passt das in die digitale Welt?

Die Kaltfolienveredelung kombiniert zeitgemäße Technologien

Die Frage ist rhetorisch gestellt. Denn es gibt analoge Verfahren, die Mehrwert bringen und immer noch eine Alleinstellung haben aber sie passen meist nicht in die Rasanz zeitgemäßer Workflows, kosten also Zeit oder sind verhältnismäßig teuer, weil sie digitaler Standardisierung trotzen. Prägen ist Handwerk geblieben. Die Kaltfolienveredelung ist dem gegenüber noch recht neu und jung. Bei ihr wird nicht geprägt, sondern die Folie plan auf den Bedruckstoff aufgebracht. Der Vorteil der Kaltfolienveredelung liegt darin, dass sie nahtlos in den digitalen Workflow integriert werden kann, weil sie in modernen Druckmaschinen über zwei zusätzliche Druckwerke aufgebracht wird. Sie vereinigt dabei weitere Technologien bzw. nutzt deren Vorteile:

  • Durch die Integration in den Digitalworkflow können Passgenauigkeiten und Präzision bei der Wiedergabe feiner Elemente erreicht werden, die der Heißfolienprägung überlegen sind. Die Folien können dabei so exakt bei feiner Schrift oder dünnen Linien aufgebracht werden wie eine Druckfarbe, also mit nur sehr geringen Toleranzen.
  • Genutzt werden können auch Hologrammfolien oder es können auf einem Blatt verschiedene Folien verwendet und aufgebracht werden. Hologrammfolien lassen sich aber auch per Heißfolienprägung verarbeiten.
  • Kaltfolien lassen sich mit Hybridfarben und UV-Farben bedrucken. Dadurch werden auf eine neue Weise Folien und Farben kombiniert.
  • Ist die Heißfolienprägung bezüglich Aufwand, Zeit und Kosten ein eher schwerfälliges Verfahren, so glänzt die Kaltfolienveredelung durch kurze Rüstzeiten für das Ändern der Druckwerke in der Druckmaschine und einer Aufbringgeschwindigkeit als wären sie einfach nur eine zusätzliche Farbe.

Der Bedruck der Kaltfolie kann offline oder inline erfolgen. Das heißt entweder ist die Kaltfolienveredelung ein singulärer reiner Veredelungs-Vorgang und später bedruckt eine Druckerei die Folienflächen oder im Falle der Inline-Produktion werden Druck und Kaltfolienveredelung mit einer Maschine und in einem Arbeitsgang realisiert.

Heiß oder kalt? Welche Veredlung kann mehr?

Beide Verfahren, Heißfolienprägung und Kaltfolienveredelung, basieren auf Folien, wobei im Falle der Kaltfolie weiter geforscht wird, sodass das Verfahren bezüglich seiner Möglichkeiten erweitert werden wird. Folien haben Probleme mit zu groben bzw. strukturierten Oberflächen, eine glatte Oberfläche und gute Oberflächen-Haftfähigkeit oder sogar Lackierung ist eine Voraussetzung. Das gilt für beide Verfahren. Die Heißfolienprägung bietet durch den Prägeeffekt eine weitere Dimension, die nicht nur etwas für das Auge bietet, sondern auch für den Tastsinn. Hinzu kommt, dass neben der dreidimensionalen, erhabenen Reliefprägung und der nicht erhabenen Planprägung auch eine Strukturprägung möglich ist, bei der die heiß geprägte Folie ein strukturiertes Muster aufweist.

Beide Verfahren bieten auch eine eigene Ästhetik. Bei der visuellen Kommunikation über Drucksachen spielen das Look-and-Feel-Erlebnis als Aha-Effekt und der Effekt als Eyecatcher immer eine Rolle. Je nach der Wirkung, die man erzielen möchte, mag da das eine oder andere Verfahren besser abschneiden. Von der Kaltfolienveredelung werden Produktioner mit kurzen Lieferzeiten begeistert sein und Controller und Einkäufer, die Kosten reduzieren möchten. Die „dimensionslose“ Heißfolien-Planprägung wird sicherlich von der Kaltfolientechnik verdrängt werden. Wenn es jedoch um „Erhabenheit“ geht, hat die Heißfolie die metallisch glänzende Nase vorn. Der Designer wird davon träumen, beide Verfahren zu kombinieren. Der Forscher in der Drucktechnik wird sich Folien ausdenken, die bezüglich der Bedruckstoffe mehr Möglichkeiten bieten. Denkbar ist auch, dass irgendwann dickere Folien inline aufgebracht werden können, die dadurch den fehlenden erhabenen Eindruck der Kaltfolienveredelung bringen.

Oben: Ein weiteres Beispiel aus der oben genannten Edition Folienhersteller Kurz, bei dem Heißfolienprägung und Kaltfolienveredelung kombiniert wurden.

Fazit: Metallicfolie, Metallicfarbe, Metallicpapier – was ist am besten?

Am Beispiel der beiden Technologien sieht man beides: Dass sich Alt und Neu ergänzen und verstärken können aber auch, dass die Einsetzbarkeit eines Verfahrens heutzutage vom Grad seiner Workflowintegration abhängt – das fasziniert technologisch, gibt dem Gestalter aber manchmal auch zu denken, weil seine Ansprüche sich unter Umständen dem Digital-Diktat unterordnen müssen. Froh wird er aber sein, dass die Drucksache mittels kurzer Durchlaufzeiten pünktlich beim Kunden ist.

Bezüglich der Einschätzung beider Verfahren sollte ein Produktioner aber den Fokus weit öffnen. Neben der Folientechnologie gab es schon immer bedruckbares Metallicpapier und auch Metallic-Druckfarben. Wer gleichermaßen Erfahrung mit Metallic-Folien, Metallic-Papieren und Metallic-Farben hat, weiß, dass jedes Gebiet seine Vor- und Nachteile hat und dass die Prooffähigkeit bzw. Simulation des Druckergebnisses ein wichtiges Thema bleibt. Kaltfolien lassen sich übrigens auch proofen. Der Metallicfarbendruck kann in manchen Bereichen mit der Kaltfolienveredelung konkurrieren, ebenso der Einsatz von bedrucktem Metallickarton oder Metallicpapieren.

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