Lithografie – die Geschichte des Steindrucks

Marc-Michael Schoberer am September 18, 2014

Einführung zur Lithografie

Als in Frankreich um das Jahr 1803 zunehmend die Drucktechnik eingesetzt und weiterentwickelt wurde, suchte der Jurastudent Alois Senefelder (1771 – 1834) nach Wegen, seine eigenen Theaterstücke qualitativ hochwertig und gleichzeitig preiswert zu vervielfältigen. Zu dieser Zeit waren Druckkosten immens hoch, also suchte er nach einer günstigen Alternative. Er nutzte den Effekt, dass sich Fette und Wasser abstoßen. Das Druckbild brachte er spiegelverkehrt auf eine völlig flache Steinplatte auf und bestrich diese mit fetthaltiger Tusche oder Kreide. Danach wurde der Stein mit Wasser und fetthaltiger Farbe behandelt. Die Farbe haftete nur auf den fettigen Partien von den wässrigen wurde sie abgestoßen. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich der Begriff Lithografie hieraus, welcher aus dem Griechischen so viel wie „Stein“ bedeutet. Lithografie ist somit ein Steindruckverfahren auch als Flachdruckverfahren bekannt. Vor allem im 19. Jahrhundert fand dieses Druckverfahren seine Anwendung im Druck farbiger Druck-Erzeugnisse.

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Man verwendete sie vor allem für Gebrauchsgrafiken, zum Beispiel für Noten, Texte, Schriften, aber auch Landkarten wurden auf diese Weise hergestellt. Druckereien für Lithografien entstanden überall, denn die Lithografie war eine lukrative Möglichkeit, hohe Auflagen in kurzer Zeit herzustellen. Die Lithografie beschreibt allgemein auf dreierlei Weise den Steindruck:

  1. Die Vervielfältigung eines Manuskriptes mittels einer Farbübertragung – hierzu wurde Farbe von einem Stein in der Steindruckpresse auf dazu passendes Papier übertragen.
  2. Das Steindruckverfahren im Allgemeinen, welches von Hand oder auf maschinellem Wege durchgeführt wurde.
  3. Den Stein, welcher für das Druckverfahren genutzt wird. Er ist die Druckvorlage für das spätere Druckerzeugnis.

Lithografie für Kunstdrucke

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Schon bald wurde das Druckverfahren auch für Bilder und bildhafte Darstellungen entdeckt. So erkannte der Musikverleger Johann Anton André aus Offenbach als Erster das künstlerische Potenzial dieses Druckverfahrens. Schon bald darauf nutze man die Lithografie auch, um Bilder und Darstellungen anzufertigen.

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Die Lithografie machte es möglich auch Kunstdrucke in hohen Auflagen herzustellen und außerdem entdeckte man die Wirtschaftlichkeit dieses Druckverfahrens. Die Lithografie etablierte sich als Massendruckverfahren. Künstlern eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten, Zeichnungen in ihrem derzeitigen Zustand festzuhalten, zu verbreiten und für längere Zeit zu konservieren.

Lang vor der Zeit, als die Fotografie Einzug hielt, war die Lithografie für die damalige Bevölkerung ein sehr wichtiger Informationsträger.

Meinungsäußerung in Form von Bildern

 

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Auch die Presse erkannte bald die neuen Möglichkeiten. Man griff dankbar und schnell diese neue Möglichkeit auf, aktuelle Ereignisse zu illustrieren. Damit war es möglich, wichtige Ereignisse zu verdeutlichen und sie einem breiteren Publikum zugänglicher machen. So geschah es, dass auch Honoré Daumier die Lithografie nutzte um gesellschaftskritische Karikaturen in der Zeitschrift „Le Charivari“ zu veröffentlichen. Insgesamt um die 4000 an der Zahl, welche noch heute im inzwischen digitalisierten Daumier-Register betrachtet werden können. Die politische Situation im Lande hatte es ihm angetan und so schilderte er diese zwischen 1830 – 1872 auf seine Weise in Bildform. Er legte seinen Schwerpunkt auf die Darstellung der Missstände in Gesellschaft und Politik.

Man erreichte fortan viel mehr Menschen mit der Lithografie, weil diese Technik ebenso massentauglich war und die Verbreitung von Bildern und Schriften erschwinglich machte.

Einer der es ebenso kritisch meinte, war Andreas Paul Weber aus Thüringen, er schuf vor allem gesellschaftskritische Lithografien und wurde wegen eben diesen auch verhaftet. Er schuf vor allem vor und nach dem Krieg (1931- 1941 und nach 1945) Lithografien, welche die Missstände in der Gesellschaft, Politik, Kirche, Justiz und Wirtschaft darstellten. Noch zu seinen Lebzeiten wurde ihm zu Ehren 1973 im Kreis Herzogtum Lauenburg ein Museum eingerichtet und eröffnet, das seine Vielzahl von Werken, Skizzen und Ölbildern beherbergt. In 23 Räumen sind ca. 300 Ausstellungsstücke aus seiner Schaffenszeit ausgestellt.

Zeitzeugen – Bilderbogen

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Der Druck von sogenannten Bilderbogen wurde zur damaligen Zeit als eine Art Chronik verwendet. Man hielt wichtige Ereignisse in Bildform fest. Bekanntes Beispiel sind die Neuruppiner Bilderbogen, welche die Zeit von 1810 bis 1937 widerspiegeln. Mit insgesamt 20.000 Motiven eine echte Leistung für die kleine Stadt, nahe Berlin gelegen. Der Schöpfer dieser Bogen war der Drucker Johann Bernhard Kühn, dessen Sohn die Druckerei seines Vaters später erfolgreich weiterführte. Nach ihm folgten weitere Bilderbogen-Drucker, jedoch findet sich noch heute eine der größten Bilderbogen-Sammlungen Europas in der Stadt Neuruppin im dortigen Museum.

Nach 1920 wurde der Steindruck von anderen Techniken so gut wie abgelöst. Es gab nur noch vereinzelte Bereiche, die für die Lithografie interessant blieben. Blechdruck, Abziehbilder, Erdvermessungskarten und künstlerische Drucke blieben die Arbeitsgebiete für Lithografen.

Bis zum Jahr 1956 war Steindrucker und Lithograf ein Lehrberuf. Dann wurde dieser Ausbildungsgang aus den Lehrlingsrollen der Industrie- und Handelskammern entfernt.

Für Interessierte ist es heutzutage noch möglich die Grundkenntnisse der Lithografie an Fachhochschulen oder innerhalb eines Kunststudiums zu kennenzulernen.

 

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