Euroskala war einmal…

Michael Steinbrenner am Juni 6, 2009

Der Begriff “Euroskala” ist eine alte Bezeichnung des Offset-Druckfarbensatz (C, M, Y) der die Bedingungen der inzwischen
zurückgezogenen Europskala-Norm DIN 16539:1971 erfüllte.

Diese Norm stellte nur die Farborte der Primär- und Sekundärfarben auf einem speziellen Prüfpapier fest, was in der heutigen Zeit absolut inakzeptabel ist. Genauer ist hier die ISO 12647 (ProzessStandard Offsetdruck) und der Medienstandard, denn dort sind verschiedene Papierklassen definiert um ein praxisgerechtes Ergebnis zu erreichen.

Wenn ein Betrieb „Datenanlieferung nach Euroskala“ verlangt, ist er nicht mehr up-to-date.
Mit der Aussage disqualifiziert er sich also ggf. noch vor der Datenanlieferung – ein qualitatives Druckergebnis ist wahrscheinlich nicht zu erwarten.


Wann ist ein Proof farbverbindlich?

Marc-Michael Schoberer am Juni 2, 2009

Mit Hilfe farbverbindlicher Proofs wird exakt simuliert, wie die Daten nach dem Druck aussehen.
Kommen die am Bildschirm “erstellten” Farben auch wirklich so beim druckfertigen Projekt rüber?

Denn zu viele Faktoren können die Farbwiedergabe entschieden beeinflussen.
Jeder Druckverfahren – egal ob Digital-, Bogen-, oder Offsetdruck – wirkt farbverändernd. Das eine mehr, das andere weniger.
Auch die Grammatur, die Veredelungsmöglichkeiten und die Oberflächenbeschaffenheit des Papiers nehmen direkten Einfluss auf die Farbechtheit.
Punktzuwachs, Druckfarbe und Rasterverfahren sind weitere verändernde Komponenten, die man berücksichtigen sollte.

Es gilt: Ein Proof ist erst dann farbverbindlich, wenn all diese potentiellen Einflussquellen beachtet sind und auf dem Proof auch wiedergegeben werden können.
Farbinformationen, die mittels ICC-Profil gespeichert worden sind, müssen von der RIP-Software der prooferstellenden Druckerei auch gelesen werden können.
Denn Farbechtheit können nur ICC-fähige Ausgabegeräte gewährleisten. Der Tintenstrahldrucker für 30 € wird diese Funktion wahrscheinlich nicht haben…


Auch Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher lassen heutzutage drucken. Klar, Kleinvieh macht auch Mist, aber rechtfertigt der Aufwand die Mittel? Das Hin und Her, weil die Druckdaten überhaupt nicht passen? Früher waren die Hürden enorm hoch, deshalb bestand ein Flyer im Regelfall aus kopierten DIN A4-Seiten, geviertelt oder auf DIN lang gefalzt. Das Höchste der Gefühle war farbiges Papier als Kontrastgeber. Nix Druckerei.

Heute, wo jeder im Netz jederzeit überprüfen kann, dass den Druck, den Beschnitt und das Falzen für verhältnismäßig kleines Geld eine professionelle Druckerei ausführt, gehen dort die merkwürdigsten Druckdateien ein. Die Kunden sind immer seltener Profis.

Wir müssen uns ehrlich zugestehen, dass Programm, dass die meisten Deutschen zumindest in Ansätzen beherrschen ist die Textverarbeitung. Analog zu einer Schreibmaschine kann man Botschaften eintragen, abspeichern, ausdrucken. Mit ein wenig Mühe lassen sich sogar Bilder und Diagramme integrieren, es steht eine kleine Auswahl an grafischen Effekten zur Verfügung und sogar Schriftarten lassen sich integrieren. Reicht das für einen Entwurf?

Im Grunde genommen ja. Wer bestimmt denn wie viele Ebenen eine Drucksache haben muss, ob Farbverläufe in oder out sind? Im Prinzip ist das egal. Nur leider funktioniert das Entwerfen mit Word ungefähr so gut wie das Fahren eines Porsche mit Rasenmähermotor und angezogener Handbremse. Aber wie erklärt man das jemandem der nichts anderes kennt und auch keine Alternative zur Verfügung hat?

Niemand kann verlangen, dass sich ein Normalsterblicher in die Adobe-Produktpalette einarbeitet, schon allein preislich ist das ausgeschlossen. Es gibt zahlreiche, auch kostenfreie, Alternativen, die wir hier in Bälde vorstellen sollten.

Egal ob Word oder von mir aus Paintbrush (auch sehr schön, vielleicht sollte man mal einen Wettbewerb starten?), wichtig ist eine gemeinsame Basis für die Druckdatenausgabe, dann sind Art und Weise der Gestaltung komplett nebensächlich. Schließlich kann man mit viel Geduld auch auf einem Rasenmäher durch Amerika fahren.

Die gemeinsame Basis heißt: Ausgabe der Druckdaten als PDF-Datei, denn dieses Datenformat wurde genau zu diesem Zweck entwickelt. So funktioniert der Datenaustausch reibungslos (nicht nur zwischen Agentur und Druckerei) und das hämische Grinsen über die Qualität des Werkes, das sieht der Kunde zum Glück ja nicht.

Leider hat sich das Format PDF im Laufe der Zeit stark entwickelt und wurde immer wieder modifiziert. So kann man heute nicht mehr einfach sagen, „Schicke es mir doch als PDF“, denn inzwischen gibt es mehrere Standards, hier die beiden, die in unseren Breiten am wichtigsten sind.

PDF/X-1a

Die Farbangaben sind auf CMYK und Schmuckfarben beschränkt. Alle verwendeten Schriften werden eingebettet und alle Bilddaten werden fester Bestandteil des PDF, unauflöslich verbunden. Kommentare, Formularfelder etc. sind ausgeschlossen. Daten zu Endformat und Anschnitt sind natürlich integriert.

PDF/X-3

Abgesehen von CMYK und Schmuckfarben, können weitere Farbräume (beispielsweise RGB) eingebettet werden. So lässt sich ein und dieselbe Datei für verschiedene Verwendungen (Druck oder Veröffentlichung im Netz) gebrauchen.


Cleverprinting Handbuch 2009 zum Download

Peggy Stuber am April 9, 2009

Das Cleverprinting Handbuch ist ein Buch, das Profis, aber auch Semi-Profis die Erstellung von Druckdaten erleichtert. Unkompliziert geschrieben und einfach zu verstehen.

Das Buch steht hier http://cleverprinting.de/ kostenlos zum Download zur Verfügung, man sollte sich jedoch überlegen, ob die 19,80 Euro für die Druckausgabe nicht vielleicht eine lohnenswerte Investition sind. Schon allein der einfacheren Handhabung halber, aber auch weil die Testform der Druckausgabe durch einen DIN A2 Referenzdruck komplettiert wird.

Für die tägliche Praxis geschrieben wird dieses Handbuch jedem, der es noch nicht kennt, verblüffende Erkenntnisse liefern und die Hektik in der Druckvorstufe reduzieren helfen.


Gutenberg-Blog – alles rund um Drucken und Medien ist "schlag- und rüttelfest" dank dem Caching von WP Super Cache