Der lithographische Klatschdruck

Wolfgang Walenski am April 26, 2010

Klatschdrucke, auch Abklatschdrucke genannt, hatten für den Lithographen zur Anfertigung einer mehrfarbigen Lithographie (Chromolithographien) auf Stein, oder von Zink- und Aluminiumplatten nach vorhandenen Vorlagen eine wichtige Funktion. In unserer heutigen Fachsprache würde man sagen, dass Klatschdrucke die Voraussetzung waren für die Herstellung und für den Flachdruck von manuell hergestellten lithographischen Farbauszügen.

Denn sie gaben dem Lithographen für eine möglichst orginalgetreue drucktechnische Wiedergabe der mehrfarbigen Original-Bildvorlage, in Feder-, Pinsel-, Punktier-, Spritz- oder Kreidenmanier oder auch als Federzeichnung, genaue Anhaltspunkte für die vielen Einzelheiten, Konturen, Farbbegrenzungen und Umrisse, über die verschiedenen Farben, deren Farbnuancierungen, Tonwerte, Verläufe, Schattierungen und sonstige Details der Vorlage. Ergänzt wurden diese Einzelheiten dann auch noch durch mehrere Passerkreuze und durch einen Farbbalken.

Die Anfertigung von Klatschdrucken setzte voraus, dass sich der Lithograph von der zu lithographierenden Vorlage zunächst eine genaue Konturenzeichnung anfertigte. Das erfolgte nach verschiedenen Techniken mit Bleistift oder lithographischer Tusche unter bevorzugter Verwendung eines Transparentpapiers oder eines durchsichtig gemachten Papiers. Bei besonderen Arbeiten wurde manchmal auch eine Gelatinepause auf einem speziellen Gelatinepapier mit einer Graviernadel angefertigt. Danach erfolgte die Übertragung dieser Konturenzeichnung auf Stein, Aluminium oder Zink und man bekam die Konturenpaltte, die auch als Hauptplatte bezeichnet wurden. Davon wurden Abzüge auf einen so genannten Konturenkarton gemacht. Es war ein „undehnbarer“ standfester Kartonbogen der zusätzlich auch noch mit Zaponlack eingestrichen oder auf beiden Seiten vollflächig auf einer Steindruckmaschine mit Deckweiss bedruckt wurde, damit eine gute Standfestigkeit und Registergenauigkeit gegeben war. Denn es musste eine sehr gute Passergenauigkeit bei mehrfarbigen Arbeiten gewährleistet sein.

Nach dem Abdruck von der Konturen- oder Hauptplatte auf den Konturenkarton, der mit knapper Farbgebung vorgenommen werden musste, erfolgte mit schwingenden Bewegungen des Bogens das manuelle Einpudern mit feinst-gepulvertem Rötel (man findet deshalb in der Literatur auch die Bezeichnung „Rötelpause“) Berliner Blau oder Terra di Siena. Der Überschuss wurde durch Klopfen auf der Rückseite des Bogens entfernt. Danach wurden die eingepuderten Bogen zur Übertragung standgerecht auf die Oberfläche eines vorbereiteten Lithographiesteins einer Zink- oder Aluminiumplatte gelegt und unter Druck auf einer Steindruckpresse abgezogen.

Damit bekam der Lithograph durch die nichtdruckenden Puderkonturen genaue Anhaltspunkte und Vorgaben für das Lithographieren. Das Puder wurde nach Abschluss der Arbeiten durch das sich anschließende Ätzen und Gummieren entfernt. Die Anzahl solcher Klatschdrucke richtete sich nach der Anzahl der zu druckenden Farben.

Alte Patente für die Herstellung von Klatschdrucken:
DRP Nr. 47 939 ab 3.Juni 1888 von R.&E. Arnold, Leipzig
DRP Nr. 130 685 ab 20.Juni 1901 von H. u.R.Wilke, Berlin
DRP Nr. 299 993 ab 18. November 1916 von R.Fiedler, Chemnitz
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Literatur:
Hanns Eggen/Heinz Kraus: „Einführung in die Lithographie“, Eggen Fachbuchreihe, Hannover, 5.Auflage 1968
Friedrich Hesse:“Die Chromolithgraphie“ Wilhelm Knapp Verlag ,Halle (Saale). 1906
Prof.Karl Albert: „Lexikon der graphischen Techniken“ Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale) 1927


Der Lichtdruck

Wolfgang Walenski am April 20, 2010

Der Lichtdruck ist ein rasterloses Flachdruckverfahren (aber ein sehr edles) für hochwertige ein- und mehrfarbige Druckarbeiten. Gedruckt wird in der Regel auf einen geklebten Spezialkarton mit guter Lackierfähigkeit und vor allen Dingen guter Dimensionstabilität (für Passergenauigkeit).

Wenn es sich um einen gestrichenen Karton handelt, so wird außerdem wegen der sehr zügigen Druckfarben, eine sehr gute Rupffestigeit und auch Wasserfestigkeit verlangt. Bereits 1856 wurden die ersten Bilder nach dem Lichtdruckprinzip gedruckt und 1875 die ersten farbigen Arbeiten. Der Lichtdruck beruht auf der Beobachtung, dass Gelatine, mit bestimmten Salzen der Chromsäure – wie Ammoniumbichromat oder Kaliumbichromat- sensibilisiert, ihre Quellfähigkeit nach Belichten unter kurzwelligem Licht verliert. Wenn die Chromgelatine unter einem Halbtonnegativ belichtet wird, dann härten sich die verschiedenen mehr oder weniger stark entsprechend der Lichtdurchlässigkeit der Grauabstufungen des Halbtonnegativs.

Die Entwicklung der belichteten Platte ( mattierte Glasplatte von etwa 10mm) erfolgt unter Wasser. Diejenigen Stellen der Kopierschicht, die durch das Licht stark gehärtet wurden, schrumpfen ein und quellen unter Wasser nicht mehr auf. Sie nehmen beim Druck willig und viel Druckfarbe auf. Partien, die kein oder nur wenig Licht bekommen haben, quellen dagegen mehr oder weniger auf und nehmen Wasser beim Befeuchten der Druckform auf. Dadurch stoßen sie Druckfarbe an. Die Quellung und Trocknung der Gelatine führt zu dem für den Lichtdruck charakteristischen und sehr feinen Rinzelkorn. Dieses Runzelkorn ist so fein, dass man es nur unter einer Lupe oder einem Fadenzähler erkennen kann. Gedruckt wird auf einer Lichtdruckpresse, die einer Flachdruckpresse (Steindruckmaschine) sehr ähnlich ist. Gefeuchtet wird mit einer wässrigen Glycerinlösung.

Die Druckleistung liegt je nach Art der Arbeit lediglich bei 300-900 Drucken pro Tag. (!) Der Lichtdruck gehörte wegen des sehr feinen und nicht sichtbaren Runzelkorns und den dadurch auch bedingten feinen und sehr zahlreichen Tonwertabstufungen lange Zeit zu einem viel beachteten Verfahren für hochwertige Kunstdrucke. Er wird heute in Europa nur noch von sehr sehr wenigen Spezialbetrieben praktiziert, da nur in kleinen Auflagen und langsam gedruckt werden kann. Es gibt aber vom Lichtdruck-Kunst Leipzig e.V., der 1995 gegründet wurde, noch eine Lichtdruckwerkstatt. Seit einiger zeit wird in der Werkstatt wieder an verschiedenen Aufträgen gearbeitet, die das Weiterleben dieser Handwerkskunst hoffentlich ermöglicht.


Der Renckdruck

Wolfgang Walenski am April 8, 2010

Beim Renckdruck handelt sich um eine Erfindung von Heinrich Renck, Hamburg, aus dem Jahre 1930. Er entwickelte ein Verfahren, um von einer speziellen Flachdruckplatte ohne Feuchtung drucken zu können. Es war praktisch ein wasserloser Flachdruck. Er dachte dabei aber nicht generell an die Ausschaltung des Feuchtmittels um damit die stets verbundenen drucktechnischen Probleme des Flach- und Offsetdrucks in der Wechselwirkung mit der Druckfarbe zu vermeiden. Sein Ziel war vielmehr die Vereinfachung und Abkürzung der zeitaufwendigen Zeitungsstereotypie, also des Abformens (Herstellung einer Mater) und danach des Gießens und Bearbeitens eines Rundstereos für den Zeitungs-Hochdruck aus einer Blei-, Antimon-, Zinnlegierung.

Das Renck-Verfahren wurde in der Weise praktiziert, dass auf einer von Koenig & Bauer speziell für den Renckdruck konstruierten Presse zunächst ein Umdruck erfolgte. Dabei wurde zunächst die auf einem Fundament gebettete und geschlossene Hochdruck-Zeitungsform von einem Farbwerk eingefärbt. Danach erfolgte die Übertragung der Druckfarbe auf einen Gummizylinder und von diesem dann auf einen sogenannten Plattenzylinder auf dem die Spezialplatte des Renckverfahrens befestigt war. Es war eine blanke glatte Messingplatte die mit einem Nickelniederschlag versehen war. Auch die Rückseite der Platte war glatt. In der Praxis mußte auf eine einwandfreie Übertragung der Schrift und auch der gerasterten Klischees (Strichätzungen, Autotypien) geachtet werden. Gute Übertragung hieß gute Farbdeckung, kein Quetschen oder Schieben.

Nach dem Umdruck, also nach der Übertragung der Druckfarbe von der Zeitungs-Form über das Gummituch auf die Oberfläche der Renckplatte (nach dem Offsetprinzip) wurde das Druckbild mit Asphaltpuder eingestaubt, talkumiert und unter hohen Temperaturen eingebrannt, d.h. der Asphalt wurde angeschmolzen und bildete dadurch eine widerstandsfähige Schicht. Bei dem sich anschließenden Entwickeln wurde der Nickelniederschlag an Stellen ohne Druckbild (Asphalt) entfernt. Schließlich wurde die Platte abschließend mit Wasser abgespült und in ein Amalgambad ( Legierung aus Quecksilber, Silber,Kupfer,Zinn und Zink) getaucht. Die mit diesem Amalgamniederschlag versehenen Stellen wurden farbabstoßend ohne das es notwendig gewesen wäre, die Flachdruckplatte vor jedem Einfärben mit einem Feuchtigkeitsschleier zu versehen.

Verwendet wurden diese Platten für den direkten Flachdruck im Zeitungsrotationsdruck, also für den Druck nicht vom Stereo sondern direkt von der wasserlosen Flachdruckplatte auf die Oberfläche des Papiers. Voraussetzung für ein gutes Ausdrucken, auch von feinen Rasterpartien, war ein sehr weicher, elastischer Aufzug (Gegendruck) damit sich die relativ rauhen Zeitungs-Rotationspapiere gut an die starre und unflexible Flachdruckplatte zur Übertragung der Druckfarbe anschmiegen konnten (Diese Technik wurde später bei Verwendung von gekörnten Zinkdruckplatten auch als Zinkdruck oder Di-Litho bei Verwendung von Alumniumplatten als Algraphie, Aluminiumdruck oder auch Algraphischer Druck bezeichnet, dann allerdings mit Feuchtung,) 

Da der Amalgamniederschlag auf der Messingplatte des Renckverfahrens nicht sehr stabil und auflagenbeständig war, wurde empfohlen, auch der Druckfarbe Amalgamsalz zuzugeben oder sogar eine stark verdünnte Lösung während des Auflagendrucks auf die Farbwalzen zu spritzen.

Mehrere 1-farbig schwarz gedruckte Original-Druckmuster mit Text und Raster-Autotypien auf einem einfachen holzhaltigen Papier befinden sich im Klimschs Jahrbuch von 1930. Man kann diese Muster sicherlich auch als eine “Inkunabel” des wasserlosen Flachdrucks bezeichnen.

Anmerkung:
Es sei vermerkt, dass Quecksilber, wie es für den beschriebenen Renckdruck verwendet wurde, ein stark toxisches Material ist. Deshalb ist aus Gründen des gegenwärtigen Arbeits- und Umweltschutzes das Inverkehrbringen und Verwenden von organischen und anorganischen Quecksilberverbindungen in vielen Bereichen heute verboten .

Literaturhinweise:
1) Ernst Herbst: “Der Flachdruck ohne Feuchtung” in Klimschs Jahrbuch 1932; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1932
2.)Prof. Franz Bauer : “ Ein neues Druckverfahren”,in : Klimschs Jahrbuch 1930; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1930
3.) Prof. Karl Albert: “Lexikon der Graphischen Techniken”; Verlag von Wilhelm Knapp, Halle (Saale) 1927


Bleisatz und Buchdruck

Marc-Michael Schoberer am April 6, 2010

Papyrus, der erste beschreibbare Stoff, war bereits zu antiken Zeiten bei den Ägyptern, den Römern und den Griechen bekannt. Man geht davon aus, dass es die alten Ägypter waren, welche die Herstellung des papierähnlichen Gewebes erfanden und dies auch anwandten. Seit etwa 2800 v.Chr. ist Papyrus in Ägypten nachweislich in Verwendung gewesen. Die Griechen kannten und nutzen Papyrus wahrscheinlich seit ca. 600 v. Chr. Als ältestes, noch erhaltenes, griechisches Dokument, welches auf Papyrus zu finden ist, gilt das Werk „Persai“ von Timotheos aus Milet. In diesem Gedicht beschreibt er die Schlacht von Salamis – 250 Verse davon sind auf diesem Schriftstück aus Papyrus erhalten geblieben.

Sowohl Griechen wie auch Römer nutzten diese Gewebe noch bis ca. 400 n.Chr. Ungefähr zu dieser Zeit wurde der Stoff durch Pergament abgelöst. Dennoch verschwand dieser Schreibstoff nicht von der Bildfläche. Bis ins 9.Jahrhunder nach Christus wurde Papyrus vor allem für private Dokumente und offizielle Briefe genutzt.

Die Herstellung dieses Geflechts ist zeitaufwendig und von Handarbeit bestimmt. Ausgangspunkt ist die Papyrusstaude, auch Cyperus papyrus genannt. Dieses grasartige Gewächs kam ursprünglich aus den tropischen Gefilden rund um Zentralafrika. Doch sie wurde schon recht bald auch in anderen Gegenden als Zier- und Nutzpflanze eingeführt. Unter anderem benutzte man sie zur Herstellung eben jenes Naturproduktes. Zuerst musste dafür der Stängel der Staude auf die Länge gekürzt, welche das spätere Blatt haben sollte. Die Außenhaut wurde entfernt und das innere Mark für 14 Tage gewässert und eingeweicht. Anschließend wurden die Markteilchen plattiert und dünn ausgerollt. Danach wurden die gewalzten Stängel schachbrettartig übereinandergelegt und fest ineinander gepresst. Nachdem die so bearbeiteten Seiten getrocknet waren, konnten sie beschriftet oder bemalt werden.

Als größte Widersacher dieses mitunter feinen Gewebes gelten Wurmfraß, Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung. Wie auch beim heutigen Papier zu finden gab es bei der Herstellung von Papyrus ebenfalls verschiedenen Qualitätsstufen. Die edelsten Blätter blieben wichtigen Dokumenten vorbehalten.

Heute sind Papyrusrollen, wenn sie denn noch gut erhalten sind, ein wichtiger Zeitzeuge und ein Bindeglied zu unserer Geschichte. In Museen und Ausstellungen kann man sich immer wieder von der Faszination Papyrus berauschen lassen.


Die Erfolgsgeschichte des Offsetdrucks ist auch eine Geschichte seiner Druckformherstellung. Sie war zunächst geprägt durch einige wenige manuelle Techniken die vom Steindruck übernommen wurden, dann aber durch eine Vielzahl verschiedener fotomechanische Übertragungsverfahren, für die sich in der Fachsprache der Obergriff „Offsetkopie“ etablierte. Dabei wurden zunächst Zinkplatten, dann aber in erster Linie Aluminiumplatten verwendet.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es 6 Firmen die für die Offsetkopie konfektionierte Kopierlösungen anboten die meistens gebrauchsfertig waren oder vor Verwendung durch Zugabe einer Chromierung, wie z.B. Ammonium-Bichromat, lichtempfindlich gemacht werden musste. Die Platten wurden nach der Beschichtung und der sich anschließenden Belichtung entweder mit Säure oder mit Wasser entwickelt.

Ein sehr wichtiger Arbeitsgang der Offsetkopie war in der Vergangenheit das Beschichten der Platten. Das erfolgte in einer Horizontal- oder Vertikal- Schleuder in der Weise, dass auf die Mitte der mehr oder weniger schnell rotierenden Platte die Kopierlösung in gleichmäßigem Fluss aufgegossen wurde. Von dort aus verteilte sich die Schicht durch die Zentrifugalkraft fast gleichmäßig auf die ganze Platte. Das Aufgießen wurde unterbrochen, wenn die sich kreisförmig ausbreitende Schicht zwei Ränder der Platte erreicht hatte. Das Aufgießen der Schicht erfolgte entweder mit einem Porzellantopf, mit einer Glasmensur und später dann auch mit einem Beschichtungsautomaten bei dem die erforderliche Schichtmenge voreingestellt werden konnte. Man rechnete für 1 m2 Platte ca. 150-200 ccm Kopierlösung. Eingesetzt wurden sowohl Horizontal- als auch Vertikalschleudern. Dabei war die Trocknung der Schicht von besonderer Bedeutung. Nach etwa 10 Minuten sollte die Platte bei ca. 35 °C gleichmäßig getrocknet sein.

Die Selbstbeschichtung wurde allmählich durch vorbeschichtete Platten abgelöst und damit die Automatisierung der Offsetkopie eingeleitet. Die erste vorbeschichtete Platte kam am 21.Mai 1949 durch die damalige Firma Kalle & Co, Wiesbaden heraus. Es war die „Ozasol Druckforlie MA-Positiv. 1950 folgte die „Ozasol Druckfolie MD-Positiv“, 1951 die „Ozasol-Druckfolie M-Negativ“, 1956 die „Ozasol N1“ . Der weitere Siegeszug ließ sich nicht mehr aufhalten.


Das Handwerkszeug eins Schiftsetzers für den Handsatz

Wolfgang Walenski am März 9, 2010

Im alten, historischen Buchdruck war der Handsetzer (Typograph, Schriftsetzer) derjenige, der aus bleiernen Einzelbuchstaben den Text nach einem vorgegebenen Manuskript oder auch nach einem eigenen Entwurf , aus einzelnen Buchstaben Zeile für Zeile mit Hilfe eines Winkelhakens zusammensetzte. Ein geübter Schriftsetzer setzte bei gutem Manuskript mit glattem Satz (sogenannter Werksatz) eine Leistung von 1.400-1.500 Buchstaben. Erschwerungen waren u.a. Tabellen, Ziffern, Abkürzungen und auch ein schlecht geschriebenes Manuskript. Die einzelnen Bleibuchstaben (Schrift) befanden sich nach einer bestimmten Ordnung in unterschiedlichen Schriftgraden und Schriftarten in einem Setzkasten. Die gesetzten Zeilen wurden dann zu einer Spalte oder Kolumne (Satzspiegel) beliebiger Zeilenzahl zusammengesetzt. Dabei erfolgte meistens das Zusammenhalten einer Kolumne mit Hilfe einer Kolumnenschnur. Der Text wurde bei bestimmten Arbeiten oft auch ergänzt durch Numerierwerke, Messing- oder Perforierlinien.
Der Raum zwischen des Buchstaben und Zeilen wurde ergänzt durch nicht schrifthohes (nicht mitdruckendes) Blindmaterial wie Füllstücke, Stege, Quadraten und Regletten und dann zu einer druckfertigen Form für die Buchdruckmaschine in einen Rahmen geschlossen.

Ein Schriftsetzer hatte auch die Aufgabe, Korrekturfahnen auf einer einfachen Abziehpresse herzustellen.

Für die Arbeit eines traditionellen Handsetzers wurden z.B. folgende Werkzeuge benötigt:
Pinzette, Ahle, Setzschiff und Kolumnenschnur
Schließschlüssel und Formschließer
Winkelhaken mit Setzlinien, Regletten und Bleisteg
Blindmaterial und Regletten
Kleine Zeilenhandwalze zum Einfärben
Große Handwalze zum Einfärben
Eisenstege, Numerierwerk und Messinglinien
Waschbenzinkanne und Druckfarbe
Rahmen für eine Buchdruck-Tiegeldruckmaschine

Mit dem Ende des historischen Buchdrucks wird auch der Beruf des Handsetzers heute nicht mehr ausgeübt und seine Werkzeuge sind nur noch in Museen zu finden oder in besonderen Druckereien die den Buchdruck in hoher Qualität pflegen und dabei vielleicht auch noch handgeschöpfte Papiere verwenden.


Die Lithographie

Wolfgang Walenski am Februar 16, 2010

Handabzug-vom-Stein

(griech.lithos=Stein; graphein=schreiben,zeichnen).Die Lithographie ist eine ein- und mehrfarbige manuelle Technik des Schreibens und Zeichnens auf einen dafür vorbereiteten (gekörnten) und präparierten (entsäuerten) Lithographiestein (Solnhofer Kalkstein).

Mehrfarbige Arbeiten werden auch als „Chromolithographie“ bezeichnet. Gearbeitet wird mit lithographischer Kreide oder Tusche. Hauptbestandteile sind Wachs, Talg, Kernseife, Harz und Ruß. Es gibt verschiedene manuelle künstlerische Techniken sehr unterschiedlicher Ausdruckskraft:

* Federzeichnung
* Kreidezeichnung
* Tuschemanier
* Spritzmanier
* Schabmanier
* Tangiermanier

Entdeckt wurde die Lithographie 1798 von Alois Senefelder (1772 – 1834). Gedruckt wird nach dem Flachdruckprinzip (Fett + Wasser) unter Rakeldruck auf einer Steindruckmaschine oder auf einer Handpresse. Dabei wird der Stein vor dem jedem Einfärben (Einwalzen) mit einer fetthaltigen Druckfarbe mit Wasser leicht gleichmäßig befeuchtet. Mehrfarbige Lithographien werden auch als Chromolithographien bezeichnet. (Erfunden von Godefroy Engelmann 1788-1839, Patent Nr.8848 am 27.3.1838)

Vorsicht vor Fälschungen! „Original Lithographien“ lassen sich auch herstellen durch Zeichnen mit lithographischer Kreide oder Tusche auf eine gekörnte und entsäuerte Aluminium- oder Zinkplatte die dann im Offset gedruckt werden können!
Sammler druckgraphischer Arbeiten sollten auch bei lithographischen Arbeiten mit einem Fadenzähler oder mit einer Lupe die Strukturen der Abdrucke genau prüfen.

„Kunst vom Stein“ praktiziert z.B. noch heute z.B. die Druckerei Stecher + Stecher in Tirol. Dort kann man sehr schöne dekorative mehrfarbige Original-Steindrucke auch erwerben. Eine herrliche Fundgrube für alle Sammler von wertvoller Druckgraphik.
(Steindruckerei Stecher + Stecher, in A-6414 Wildermiening)


Druckgeschichte: Die Autographie

Wolfgang Walenski am Februar 15, 2010

Der Steindruck als Flachdruckverfahren und später auch der Offsetdruck ist nicht in erster Linie eine Geschichte der Stein- und Offsetdruckmaschinen, sondern vielmehr eine Geschichte der unendlich vielen Verfahren und Techniken der Druckformherstellung.

Eine dieser zahlreichen Varianten war die Autographie und deren viele manuellen Techniken um Bilder von einem Lithographiestein oder von einer Zink- oder Aluminumplatte drucken zu können. Es handelte sich bei der Autographie um ein damals sehr populäres Verfahren um auf einem normalen oder auch auf ein besonders präpariertes Papier seitenrichtig zu schreiben oder zu zeichnen und das dann durch Umdruck zum Drucken auf einen Lithographiestein oder eine Metallplatte zu übertragen.

Bereits Alois Senefelder hat sich mit dieser Technik beschäftigt und in seinem Lehrbuch aus dem Jahre 1808 praktische Hinweise gegeben. Im Laufe der Zeit wurden die verschiedenen Methoden verfeinert und auch einige Patente für die Herstellung von Autographietinte und Autographiepapier sowie für die Autographie mit Hilfe einer Schreibmaschine erteilt.

Weitere interessante Beiträge zum Thema Druckgeschichte:

Die Punktiermanier
Die Eiweiskopie (Negativkopie)


Druckgeschichte: Die Punktiermanier

Wolfgang Walenski am Februar 11, 2010

Die Punktiermanier ist eine alte manuelle lithographische Technik des Steindrucks. Sie wurde auch als Federpunktiermanier bezeichnet, da das Zeichnungsbild nicht mit Hilfe von Lithographiekreide auf den Stein gezeichnet wurde.

Vielmehr wurden die Tonwerte des Druckbildes erzeugt durch die „Aneinandersetzung“ von verschiedenen kleinen und großen Punkten mit Hilfe einer lithographischen Feder. Verwendet wurde dabei eine spezielle lithographische Fetttusche die in fester Form geliefert und auf einem Teller gerieben und dann unter Verwendung von Regenwasser oder destilliertem Wasser vom Lithographen selber zubereitet werden musste. Sie musste in der Feder eine gute Fließfähigkeit haben und gleichzeitig auf dem präparierten, gut geschliffenen und sauberen Stein eine sehr gute Deckung jedes einzelnen Punktes zeigen. Vor dem Punktieren erfolgte in der Regel die Übertragung einer Pause- oder einer Abklatsches damit der Lithograph genaue Anhaltspunkte hatte für Positionierung des Zeichnungsbildes. Die Punktiermanier war eine sehr zeitaufwendige und kostspielige manuelle Technik. Auch der Tonwertreichtum war nicht so groß wie bei einer lithographischen Kreidezeichnung. Dafür ließen sich die Arbeiten in Punktiermanier gut umdrucken, da alle Punkte eine stabile Deckung hatten und beim Ätzen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Das Ätzen des Lithographiesteins erfolgte mit einer Lösung aus Salpetersäure, Gummiarabicum und Wasser.
Patente zur vereinfachten Übertragung von Punktierungen mit Hilfe von Kautschukstempeln, durch Umdruck oder Tangiermanier und auch mit Hilfe einer Punktiermaschine:

DRP Nr. 83006 von F.Neuberger und DRP Nr.110 148, 1898 und Nr. 92064, von 1896, von L.Lesage
Die lithographische Punktiermanier darf nicht verwechselt werden mit der Punktiermanier des druckgraphischen Tiefdrucks. Dort wird vor dem Ätzvorgang mit einer feinen Nadel Ätzgrund durchstochen um bestimmte Tonwerte zu erlangen.
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