Lithografie – die Geschichte des Steindrucks

Marc-Michael Schoberer am September 18, 2014

Einführung zur Lithografie

Als in Frankreich um das Jahr 1803 zunehmend die Drucktechnik eingesetzt und weiterentwickelt wurde, suchte der Jurastudent Alois Senefelder (1771 – 1834) nach Wegen, seine eigenen Theaterstücke qualitativ hochwertig und gleichzeitig preiswert zu vervielfältigen. Zu dieser Zeit waren Druckkosten immens hoch, also suchte er nach einer günstigen Alternative. Er nutzte den Effekt, dass sich Fette und Wasser abstoßen. Das Druckbild brachte er spiegelverkehrt auf eine völlig flache Steinplatte auf und bestrich diese mit fetthaltiger Tusche oder Kreide. Danach wurde der Stein mit Wasser und fetthaltiger Farbe behandelt. Die Farbe haftete nur auf den fettigen Partien von den wässrigen wurde sie abgestoßen. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich der Begriff Lithografie hieraus, welcher aus dem Griechischen so viel wie „Stein“ bedeutet. Lithografie ist somit ein Steindruckverfahren auch als Flachdruckverfahren bekannt. Vor allem im 19. Jahrhundert fand dieses Druckverfahren seine Anwendung im Druck farbiger Druck-Erzeugnisse.

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Gutenberg ist der Erfinder der beweglichen Lettern und damit des Buchdrucks – so haben wir es wohl alle in der Schule gelernt. Und keine Angst, falsch ist das nicht. Zumindest, wenn wir unser Geschichtsverständnis auf den europäischen Kontinent beschränken. Richtet sich unser Blick jedoch weiter gen Osten, genauer in den fernen Osten wird die Sache schon ein kleines bisschen verzwickter. Natürlich müssen wir zunächst einmal und nur kurz die Chinesen erwähnen, die bereits 581 n. Chr. den Holztafeldruck erfanden. Da der Holztafeldruck aber nicht unbedingt unserem Verständnis von moderner Buchdruckgeschichte entspricht, wenden wir uns gleich einem anderen Land zu, dass wohl bereits am Ende des 11. Jahrhunderts begann, mit beweglichen Lettern zu experimentieren: Korea.

Quelle: http://bangnangja.files.wordpress.com/2011/10/jikji1.jpg

Ist Korea der wahre Begründer der modernen Druckgeschichte?

Die Halbinsel Korea, heute in zwei nahezu unversöhnliche Länder und Weltanschauungen zerrissen, erlebte ihren ersten kulturellen und machtpolitischen Aufschwung mit der Machtübernahme der Goryeo- Dynastie zu Beginn des 10. Jahrhunderts. Diesem Herrschaftsclan gelang es durch kluge Politik, ein durchdachtes und kontrollierbares Staatssystem und einem guten Gespür für den Fortschritt, ein derart stabiles Reich zu errichten, dass das Land im gesamten Mittelalter nach ihrer Dynastie Goryeo benannt wurde und sich später daraus der Landesname Korea entwickelte. Ab dem 11. oder 12. Jahrhundert soll sich hier der Buchdruck mit metallenen Lettern entwickelt haben. Gut, ganz einig ist sich die Wissenschaft hier nicht. Eindeutig belegt ist aber, dass im Jahr 1239 ein koreanischer Autor, ironischerweise, in einem mittels Holztafeldruck verlegten Buch, von einem Werk berichtet, dass 1232 mit metallenen Lettern gedruckt wurde. Um ein Einzelstück oder ein Werk von extremem Seltenheitswert kann es sich nicht gehandelt haben, denn genau 160 Jahre später überstellte der damalige König Gongyang die Verantwortung für Schriften, die mit Hilfe metallener Lettern entstanden waren, dem Buch- und Veröffentlichungszentrum seines Landes (welch modern anmutender Titel für eine Behörde). #Leider griffen im gleichen Jahr die Mongolen das Reich Goryeo an – man hatte von da an wohl wichtigere Dinge als den Buchdruck und die Bewahrung seiner Geschichte im Sinn.

 

Ein letzter Zeitzeuge der Geschichte des koreanischen Buchdrucks

Durch die weiteren Jahrhunderte bewegter Geschichte gingen vielen koreanische Werke verloren, dem traurigen Höhepunkt kommt hier wohl dem Koreakrieg zu. Doch nicht jeder konnte und wollte dies hinnehmen, vor allem nicht Byeongsen Park. Die mutige Frau hatte nach dem Koreakrieg ihre Heimat schweren Herzens verlassen und war nach Frankreich gekommen. Als Historikerin hatte sie schon immer Bücher geliebt, besonders die, die durch den Krieg offiziell als verschollen galten. Da kam ihr 1967 ein Stellenangebot der Französischen Nationalbibliothek ganz besonders Recht, wusste sie doch, dass sich hier ganze Schätze an zusammengetragener, aber vergessener Bücher verbargen. Schließlich hatte auch Frankreich in Korea gekämpft und es war bekannt, dass einige bedeutende Bücher als Kriegsbeute das Land verlassen hatten. Byeongsen Park träumte davon, diese Bücher wiederzufinden und so begann sie die gesamte Bibliothek nach den Werken zu durchstöbern. Es dauerte eine ganze Weile, doch schließlich sollte sie ein Werk finden, dessen Entdeckung einer Sensation gleichkam. Doch wie bei fast jeder echten Sensation wollte zunächst niemand, weder die Franzosen noch die Koreaner, von diesem Stück Druckgeschichte Notiz nehmen.

Jikji – Die Druckgeschichte und Frau Byeongsen Park

Byeongsen Park hatte den 2. Band des Jikjisim Gyeong (Die ausgewählten Predigten buddhistischer Weisen und Seon-Meister) gefunden. 1377 im Heungdeoska-Tempel in Cheongju erschienen und mit metallenen Lettern gedruckt. Damit ist das in Kurzform genannte Jikji ganze 78 Jahre älter als die 42-Zeilen Bibel von Gutenberg und das älteste erhaltene Werk seiner Art. Nachdem die Franzosen den Wert des Buches, dass neben den wichtigsten Botschaften Buddhas auch wichtige Interpretationen des Zen enthält, erkannt hatten, taten sie alles, um das Werk zu schützen. Aber niemand dachte daran, dass man es dem Ursprungsland wieder zurückgeben könnte. Auch die koreanische Regierung blieb erstaunlich untätig, zutiefst frustrierend für Frau Park. Jahrzehntelang kämpfte sie erfolglos für die Wiedergabe des Werkes.

Die UNESCO würdigt Koreas Druckgeschichte

Doch schließlich, nachdem Park schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, sollte ihr Engagement endlich gewürdigt werden – 2001 nahm die UNESCO Jikji zeitgleich mit Gutenbergs noch immer sehr viel bekannteren 42-Zeilen Bibel in ihr Register Weltdokumentenerbe „Memory of the World“ auf. Wieder keimte die Hoffnung, dass Jikji könnte zurück in die Heimat gelangen. Dieser Wunsch erfüllte sich bis heute nicht. Trotz lauterer Forderungen durch die Bevölkerung wie etwa auf einigen englischsprachigen Blogs zu erfahren und ein paar wohlgemeinter Worte des Ex-US-Vizes Al Gores hat sich bis heute in dieser Hinsicht nicht viel getan. Schade eigentlich, mag das doch ein Grund sein, warum dieses einmalige Kunstwerk der Druckgeschichte bis heute nicht die allgemeine Bekanntheit im deutschsprachigen Raum gefunden hat, die es doch eigentlich verdient hätte.

Denn sollten wir nicht spätestens seit Bekanntwerden des Jikji in der Schule lernen: In Europa gab es Gutenberg und in Asien die Goryeo-Dynastie?
Quellen: http://korea.prkorea.com/wordpress/

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Buchdrucks#Korea

Bilder: http://bangnangja.files.wordpress.com/2011/10/jikji1.jpg

Von: Anna Kratzert


Die Geschichte der Visitenkarte

Marc-Michael Schoberer am Juli 20, 2013

Was heute neben geschäftlichen auch private Personen immer häufiger verwenden, um ihre Kontaktdaten anschaulich und kompakt anderen zu überreichen, blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Die Geschichte der Visitenkarte.

Es gibt Meinungen darüber, dass es bereits im alten Ägypten eine Form der Visitenkarte gegeben haben soll und auch im China des 15. Jahrhunderts. Hierfür gibt es jedoch bis heute keine wirklich handfesten Beweise. → diesen Artikel weiterlesen!


Wohin fahren, wenn der Frühling kommt und neue Wege erkundet werden wollen? Leipzig mit seinem Museum für Druckkunst lockt ab dem 10. März mit einer Ausstellung, die ganz vorzüglich klingt. „Schrift im 21. Jahrhundert“ lautet der Titel, Einblicke in die zeitgenössische Schriftgestaltung werden versprochen. Dann mal fix die Bahn-Tickets sichern.

Jonathan Barnbrook_Hopeless Diamond (c) Künstler

Eine kaum überschaubare Menge an neuen Schriften ist seit den Anfangstagen der digitalen Medienwelt entstanden, auch in der Typografie verläuft der Wandel mit einem unheimlichen Tempo. In Leipzig wird mit „Schrift im 21. Jahrhundert“ eine zweiteilige Ausstellung präsentiert, die Schriftdesigns aus vielen Ländern vereint.

Part 1:  Die von Will Hill (Anglia-Ruskin-Universität, Cambridge, UK) kuratierte Ausstellung „Types for the New Century – An Exhibition of Contemporary Type Design“. Nach Stationen in London, Bristol, Birmingham und Newcastle präsentiert die Ausstellung 90 Schriftdesigns von renommierten Gestaltern wie Matthew Carter, Gerard Unger, Jonathan Barnbrook und Martin Majoor, dazu auch Font-Beispiele bisher weniger bekannter Gestalter. Die Ausstellung blickt auf die erste Dekade unseres Jahrtausends und stellt aktuelle Tendenzen in der internationalen Typografieszenevor.

Part 2:  Im Blickpunkt steht das Schriftschaffen in Mitteldeutschland mit Arbeiten von Studenten und Absolventen der Kunsthochschulen Burg Giebichenstein Halle/Saale (Sachsen-Anhalt), Bauhaus-Universität Weimar (Thüringen) sowie Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Sachsen). Fonts von 15 Schriftgestaltern werden vorgestellt und durch Anwendungsbeispiele aus der Praxis von Schrift ergänzt.

Friedrich Althausen_Vollkorn (c) Künstler

Parallel läuft im Museum für Druckkunst vom 10. März bis 30. Juni 2013 die Ausstellung „Mario Derra. Holzschnittzyklus ‘Peter Schöffer und die Entfaltung der beweglichen Letter’“. Der Gernsheimer Künstler und Drucker Mario Derra hat von 2003 bis 2010 einen umfassenden Holzschnittzyklus geschaffen, der sich der Geschichte der Drucktechnik widmet. Einen besonderen Fokus legt Derra dabei auf das Leben und Wirken Peter Schöffers, der wie er aus Gernsheim (Hessen) stammte und Drucker war.

Das Thema der Ausstellung „Schrift im 21. Jahrhundert“ wird im Rahmen der 19. Leipziger Typotage am 27. April 2013 in Vorträgen aufgegriffen. Acht Referenten, darunter Tim Ahrens (Berlin), Friedrich Forssmann (Kassel) und Henning Skibbe (Hamburg), diskutieren im Museum für Druckkunst Leipzig über Gegenwart und Zukunft von Schrift und Typografie.

Weitere Infos: www.typotage.de 

Öffnungszeiten des Museums:

Mo-Fr 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr, samstags geschlossen.

Geöffnet am Ostermontag (01.04.) 11-17 Uhr. Schließtage: 29.03., 31.03., 01.05.

 


Druckgeschichte: Von Druckerballen und Lederwalzen

Wolfgang Walenski am Dezember 9, 2012

Eine kurze Betrachtung zum historischen Einfärben der Druckform

Drucken heißt: „Vervielfältigen durch Übertragung von Druckfarbe oder von färbenden Substanzen auf einen Bedruckstoff mit Hilfe einer Druckform oder eines Druckbildspeichers auch ohne Druckform.“

Um aber die Druckfarbe auf einen Bedruckstoff  übertragen zu können, muss sie erst auf die Druckform gebracht werden. Dieser wichtige Vorgang wird bei den traditionellen analogen Druckverfahren  als Einfärben oder als Einwalzen bezeichnet. Dabei muss eine weiche,  pastöse  Druckfarbe für jeden zu druckenden Bogen sehr gleichmäßig auf die Oberfläche der Druckform aufgetragen werden, bevor sie von dort direkt oder indirekt durch Druckkraft auf das Papier übertragen wird.

Jahrhunderte lang diente zunächst der typische pilzförmige Druckerballen zum Einfärben einer Hochdruckform. Ballen- oder Pressmeister wurde früher der Drucker genannt, der  an der Handpresse die Aufgabe hatte, vor dem Abdruck mit einem Ballen die Hochdruckform einzufärben, oder zu Tamponieren. Mechanische Farbwerke mit Farbwalzen gab es noch lange nicht. → diesen Artikel weiterlesen!


Gautschfest in Kulmbach

Marc-Michael Schoberer am Juli 7, 2012

Zum ersten Mal seit 5 Jahren fand im fränkischen Kulmbach wieder ein Gautschfest statt. Natürlich konnte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und war mit von der Partie.

Zumal mein Schwiegervater als “Degenschwinger” aktiv war und den angehenden Druckern den Hintern versohlen durfte. Was die Gautschlingen bei der Wassertaufe alles über sich ergehen lassen müssen, könnt ihr in unserem Artikel “Das Gautschen” nachlesen. Deshalb möchte ich euch in diesem Artikel einfach einmal mit Impressionen verwöhnen! Viel Spaß!

 

 

 

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Die Geschichte von Gutenberg

Marc-Michael Schoberer am Mai 14, 2012

Auf den Spuren von Gutenbergs Werk

In Zeiten in denen man vorrangig mit E-Readern, Tablet-PCs und Smartphones zu tun hat, gibt es jedoch Momente in denen man lieber ein „richtiges“ Buch in den Händen halten möchte, anstatt auf ein Display zu schauen. Doch lieber den Geruch von Druckerschwärze wahrnimmt. Eine Wand voller Bücher übt auch im noch so technischen Zeitalter eine gewisse Faszination aus und hat etwas Vertrautes an sich.

Copyright: Dieter Schütz, pixelio.de

Johannes Gensfleisch, so hieß Gutenberg mit bürgerlichem Namen, wurde als Sohn einer Krämerstochter und eines wohlhabenden Kaufmanns in Mainz geboren. Damals hatten nur wenige das Privileg lesen und schreiben erlernen zu dürfen. Als Sohn des Kaufmanns Gensfleisch war ihm dieses Privileg gegeben. Sein Elternhaus, der Hof zum Gutenberg, wurde der spätere Namensgeber Johannes‘. Ebenso wie das Privileg lesen und schreiben zu lernen, lernte Gutenberg auch die lateinische Sprache – die Sprache der Gebildeten. → diesen Artikel weiterlesen!


Die Erfolgsgeschichte des Offsetdrucks ist auch eine Geschichte seiner Druckformherstellung. Sie war zunächst geprägt durch einige wenige manuelle Techniken die vom Steindruck übernommen wurden, dann aber durch eine Vielzahl verschiedener fotomechanische Übertragungsverfahren, für die sich in der Fachsprache der Obergriff „Offsetkopie“ etablierte. Dabei wurden zunächst Zinkplatten, dann aber in erster Linie Aluminiumplatten verwendet.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es 6 Firmen die für die Offsetkopie konfektionierte Kopierlösungen anboten die meistens gebrauchsfertig waren oder vor Verwendung durch Zugabe einer Chromierung, wie z.B. Ammonium-Bichromat, lichtempfindlich gemacht werden musste. Die Platten wurden nach der Beschichtung und der sich anschließenden Belichtung entweder mit Säure oder mit Wasser entwickelt.

Ein sehr wichtiger Arbeitsgang der Offsetkopie war in der Vergangenheit das Beschichten der Platten. Das erfolgte in einer Horizontal- oder Vertikal- Schleuder in der Weise, dass auf die Mitte der mehr oder weniger schnell rotierenden Platte die Kopierlösung in gleichmäßigem Fluss aufgegossen wurde. Von dort aus verteilte sich die Schicht durch die Zentrifugalkraft fast gleichmäßig auf die ganze Platte. Das Aufgießen wurde unterbrochen, wenn die sich kreisförmig ausbreitende Schicht zwei Ränder der Platte erreicht hatte. Das Aufgießen der Schicht erfolgte entweder mit einem Porzellantopf, mit einer Glasmensur und später dann auch mit einem Beschichtungsautomaten bei dem die erforderliche Schichtmenge voreingestellt werden konnte. Man rechnete für 1 m2 Platte ca. 150-200 ccm Kopierlösung. Eingesetzt wurden sowohl Horizontal- als auch Vertikalschleudern. Dabei war die Trocknung der Schicht von besonderer Bedeutung. Nach etwa 10 Minuten sollte die Platte bei ca. 35 °C gleichmäßig getrocknet sein.

Die Selbstbeschichtung wurde allmählich durch vorbeschichtete Platten abgelöst und damit die Automatisierung der Offsetkopie eingeleitet. Die erste vorbeschichtete Platte kam am 21.Mai 1949 durch die damalige Firma Kalle & Co, Wiesbaden heraus. Es war die „Ozasol Druckforlie MA-Positiv. 1950 folgte die „Ozasol Druckfolie MD-Positiv“, 1951 die „Ozasol-Druckfolie M-Negativ“, 1956 die „Ozasol N1“ . Der weitere Siegeszug ließ sich nicht mehr aufhalten.


Es gibt eine Vielzahl hochwertiger Naturpapiere sehr unterschiedlicher Beschaffenheit und Eigenschaften. Es sind Papiere mit verschiedenen markanten und sehr charakteristischen Oberflächenstrukturen. Sie wenden sich einerseits mit ihren unterschiedlichen Färbungen, zarten Tönungen und mit und ohne Wasserzeichen an das Auge und andererseits kann man die Verschiedenartigkeit der Oberflächen auch spüren und betasten. So sind sie natürlich glatt und eben, manchmal rauh oder genarbt, geprägt, dünn oder dick.
Es gibt aber auch Druckarbeiten, bei denen man das Druckbild spüren und fühlen kann weil es ein Relief bildet und ein Relief ist ein aus einer Fläche erhaben herausgearbeitetes Bildwerk. Gemeint sind hier Stahlstichprägedrucke und Thermodrucke.

In beiden Drucktechniken liegt das Druckbild, im Gegensatz zu normalen Akzidenzdrucken im Offset- oder Tiefdruck, als ein erhabenes und fühlbares Relief auf der Oberfläche des Papiers. Dadurch ergeben sich, besonders in Verbindung mit unseren hochwertigen Naturpapieren aus unserer Design Collection ganz besonders auffällige, wertvolle und plastische Druckergebnisse, die gerne für herausragende Briefbogen, Gruß- und Visitenkarten oder Einladungen praktiziert werden. → diesen Artikel weiterlesen!


Der lithographische Klatschdruck

Wolfgang Walenski am April 26, 2010

Klatschdrucke, auch Abklatschdrucke genannt, hatten für den Lithographen zur Anfertigung einer mehrfarbigen Lithographie (Chromolithographien) auf Stein, oder von Zink- und Aluminiumplatten nach vorhandenen Vorlagen eine wichtige Funktion. In unserer heutigen Fachsprache würde man sagen, dass Klatschdrucke die Voraussetzung waren für die Herstellung und für den Flachdruck von manuell hergestellten lithographischen Farbauszügen.

Denn sie gaben dem Lithographen für eine möglichst orginalgetreue drucktechnische Wiedergabe der mehrfarbigen Original-Bildvorlage, in Feder-, Pinsel-, Punktier-, Spritz- oder Kreidenmanier oder auch als Federzeichnung, genaue Anhaltspunkte für die vielen Einzelheiten, Konturen, Farbbegrenzungen und Umrisse, über die verschiedenen Farben, deren Farbnuancierungen, Tonwerte, Verläufe, Schattierungen und sonstige Details der Vorlage. Ergänzt wurden diese Einzelheiten dann auch noch durch mehrere Passerkreuze und durch einen Farbbalken.

Die Anfertigung von Klatschdrucken setzte voraus, dass sich der Lithograph von der zu lithographierenden Vorlage zunächst eine genaue Konturenzeichnung anfertigte. Das erfolgte nach verschiedenen Techniken mit Bleistift oder lithographischer Tusche unter bevorzugter Verwendung eines Transparentpapiers oder eines durchsichtig gemachten Papiers. Bei besonderen Arbeiten wurde manchmal auch eine Gelatinepause auf einem speziellen Gelatinepapier mit einer Graviernadel angefertigt. Danach erfolgte die Übertragung dieser Konturenzeichnung auf Stein, Aluminium oder Zink und man bekam die Konturenpaltte, die auch als Hauptplatte bezeichnet wurden. Davon wurden Abzüge auf einen so genannten Konturenkarton gemacht. Es war ein „undehnbarer“ standfester Kartonbogen der zusätzlich auch noch mit Zaponlack eingestrichen oder auf beiden Seiten vollflächig auf einer Steindruckmaschine mit Deckweiss bedruckt wurde, damit eine gute Standfestigkeit und Registergenauigkeit gegeben war. Denn es musste eine sehr gute Passergenauigkeit bei mehrfarbigen Arbeiten gewährleistet sein.

Nach dem Abdruck von der Konturen- oder Hauptplatte auf den Konturenkarton, der mit knapper Farbgebung vorgenommen werden musste, erfolgte mit schwingenden Bewegungen des Bogens das manuelle Einpudern mit feinst-gepulvertem Rötel (man findet deshalb in der Literatur auch die Bezeichnung „Rötelpause“) Berliner Blau oder Terra di Siena. Der Überschuss wurde durch Klopfen auf der Rückseite des Bogens entfernt. Danach wurden die eingepuderten Bogen zur Übertragung standgerecht auf die Oberfläche eines vorbereiteten Lithographiesteins einer Zink- oder Aluminiumplatte gelegt und unter Druck auf einer Steindruckpresse abgezogen.

Damit bekam der Lithograph durch die nichtdruckenden Puderkonturen genaue Anhaltspunkte und Vorgaben für das Lithographieren. Das Puder wurde nach Abschluss der Arbeiten durch das sich anschließende Ätzen und Gummieren entfernt. Die Anzahl solcher Klatschdrucke richtete sich nach der Anzahl der zu druckenden Farben.

Alte Patente für die Herstellung von Klatschdrucken:
DRP Nr. 47 939 ab 3.Juni 1888 von R.&E. Arnold, Leipzig
DRP Nr. 130 685 ab 20.Juni 1901 von H. u.R.Wilke, Berlin
DRP Nr. 299 993 ab 18. November 1916 von R.Fiedler, Chemnitz
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Literatur:
Hanns Eggen/Heinz Kraus: „Einführung in die Lithographie“, Eggen Fachbuchreihe, Hannover, 5.Auflage 1968
Friedrich Hesse:“Die Chromolithgraphie“ Wilhelm Knapp Verlag ,Halle (Saale). 1906
Prof.Karl Albert: „Lexikon der graphischen Techniken“ Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale) 1927


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