2009 – ein Jahr der Printkrise?
Marc-Michael Schoberer am Januar 19, 2010
Gerade im Januar geben sich noch zahlreiche Jahresrückblicke die Klinke in die Hand. Die einen sind gut, die anderen konstruieren sich – ganz im berger-luckmannschen Sinne – medial eine ganz eigene Wirklichkeit. Schließlich zählen gerade im TV in erster Linie eindrucksvolle Bilder und große Storys.
Einen ganz interessanten Rück- und zugleich Ausblick auf die Print-Branche hat W&V auf seinem Onlineportal veröffentlicht, der den allerdings ein wenig reißerisch anmutenden Titel „Die Opfer der Printkrise“ trägt.
Ich finde, man nimmt ein so großes Wort wie „Krise“ doch arg schnell in den Mund. Bestes Beispiel ist unsere ach so große Wirtschaftskrise. Na klar sind 2009 zahlreiche Unternehmen insolvent gegangen, und Milliarden Euros, Dollars, Pfunds, Rubels und Yens verloren. Aber das gab es auch schon die Jahre zuvor. In der Relation zur großen Weltwirtschaftskrise beginnend im Jahre 1929 sind diese Erscheinungen der Krise aber wirklich lächerlich. Weder ist eine Inflation zu verzeichnen, die zur Folge hat, dass die Bevölkerung aufgrund der unbezahlbar gewordenen Lebensmittel und Mieten hungern und auf der Straße sitzen muss. Noch hat man das Gefühl, dass ein ganzes Wirtschaftssystem zusammengebrochen sei. Natürlich hat auch 2009 Opfer gekostet, so auch im Printmarkt. Darunter sind namhafte Magazine wie „Tomorrow“, „Vanity Fair“, das Wirtschaftsmagazin „Geldidee“, „Maxim“ oder „Amica“, aber für viele der Titel zeichnete sich das Aus ja bereits 2008 ab und kam folglich nicht überraschend. Soviel zum Thema Krise.
Tatsächlich wird Print längst von vielen als aussterbendes Medium abgestempelt. Doch trotz dessen, dass immer wieder diverse, zum Teil auch namhafte, Titel eingestampft werden, bringen die Verlage auch immer wieder neue Magazine auf den Markt – nicht zuletzt deshalb, weil sich im Print auch heute noch mehr Geld verdienen lässt als mit Online-Ausgaben. Im Rückblick auf 2009 verweist der Beitrag in der W&V daher auf die Statistik des Presse-Grosso. Diese besagt, dass in diesem Jahr 1.461 neue Titel auf den Markt gekommen sind. Im Vorjahr waren es gerade einmal 80 Titel mehr. Soviel zum Thema Krise.
Was ist also das Fazit der W&V-Redakteure? Print ist auch im Jahr 2009 nicht tot. Print lebt! Nur werden die Verlage mit ihren Launches deutlich vorsichtiger. Ein neues Magazin wird künftig nicht mehr sofort monatlich, wenn nicht sogar wöchentlich, veröffentlicht. Vielmehr unternimmt der Verlag erst einmal eine Testphase. Als Beispiele hierfür wären unter anderem die Gruner + Jahr-Launches „Nido“ sowie „Beef“, „Gala Men“ und „Business Punk“ zu nennen, die Mitte Oktober 2009 herauskamen. Erst wenn die Resonanz als ausreichend bewertet wird, werden weitere Ausgaben veröffentlicht.
Für 2010 wird diese Launchpolitik wohl fortgeführt werden. Das es auch anders geht, beweist das neue Klambt-Peoplemagazin „Look“, das am 11. Februar mit einer Druckauflage von einer halben Million Exemplaren an den Start gehen wird. Ziel des Klambt-Verlages ist es, wöchentlich etwa 200.000 Leser zu erreichen. Ob dieses optimistische Ziel tatsächlich realisiert werden kann, wird sich dann spätestens im Jahresrückblick für 2010 zeigen.








