Print ist tot, es lebe der Print!

Tom Schoener am Januar 20, 2010

San Francisco Panorama Magazine

Wie oft wurde in den letzten Jahren das Ende des Printjournalismus beschrien. Schuld sei die übermächtige Konkurrenz in Form der kostenlosen World-Wide-Web-Kultur. Schließlich stellt sich zugegebernermaßen nicht zu Unrecht die Frage, warum man für die tägliche Nachrichtendosis überhaupt die warme Wohnung verlassen sollte. Und dann verkündet dieses analoge Medium Informationen, die praktisch schon gar nicht mehr aktuell sind. Die heutige Gesellschaft lebt schnell, isst schnell und möchte am liebsten auch heute schon die Schlagzeilen von morgen auf´s iPhone.

„San Francisco Panorama“, das neuste Projekt des amerikanischen Autors Dave Eggers, zeigt diesem Trend die kalte Schulter. 320 Seiten, davon 112 auf hochwertigem Papier. Eine in jeder Hinsicht einmalige Ausgabe. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Dave Eggers mit diesem Projekt gewissermaßen auf die Potenziale und die Vorzüge einer Zeitung hinweisen will. Wenn man so will ist er der Kontrapunkt zum Internet.

„San Francisco Panorama“ glänzt da, wo andere Zeitungen am kräftigsten sparen. Angefangen von Lokalgeschichten geht es in die weite Welt hinaus. Und so findet hier man mit ausführlichen Reportagen, Hintergrundberichte und Kurzgeschichten einen investigativen Journalismus wieder. Kunst-Journalismus wie er in der heutigen Medienlandschaft praktisch so gut wie gar nicht mehr anzutreffen ist. Was einen weiteren signifikanten Unterschied zu Mitbewerbern ist, ist u.a. ein intensiver Fokus auf das Feuilleton. Allein die Book-Review umfasst etwa hundert Seiten und beinhaltet neben den erwartbaren Kritiken, Interviews, frisch erdachte Erzählungen und Essays. Darüber hinaus gibt einen üppigen Comicteil, für den u.a. Comic-Legende Art Spiegelmann gewonnen werden konnte. Ohnehin glänzt die Zeitung mit reichlich prominenter Autorenschaft. So finden sich unter den Journalisten Pulitzerpreisträger sowie klangvolle Schriftstellernamen wie Nicholson Baker, William T. Vollmann oder Stephen King, der z. B. für den Sportteil geschrieben hat.

„San Francisco Panorama“ erfreut sich noch immer größter Beliebtheit und das trotz der 16 Dollar, die das Magazin mittlerweile kostet. Und die Leser finden sich innerhalb der Zielgruppe, die man doch eigentlich im Internet beheimatet glaubt – die unter Dreißgjährigen, die Kreativen, die Ex-Generation-Golf-Herrschaften. Dave Eggers wollte ein Ausrufezeichen setzen. Print lebt und ist noch ange nicht ein verstaubtes Relikt vergangener Tage. Print kann mit der Geschwindigkeit des Nachrichtentransfers im Internet nicht mithalten. Aber es kann da punkten, wo das Internet auf die Grenzen der eigenen Schnelllebigkeit stößt – Reportagen, ausführliche Hintergrundberichte, ein opulentes Layout und Essays. Für den Erhalt des Prints müssen sich die Verleger also auf die Anfänge dessen besinnen, was Zeitung einmal war.
Es lebe der Print!

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