Was ist Web-to-Print?

Ira Melaschuk am September 4, 2013

Web-to-Print-Systeme werden immer häufiger eingesetzt – einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der digitalen Wirtschaft e. V. (BVDW) und des Rhein-Ruhr-Instituts (RIAS) zufolge beträgt das Wachstum von Web-to-Print jährlich ca. 17 Prozent. Druckereien und Mediendienstleister bieten Drucksachenproduktion und Online-Services in offenen Webshops oder für Geschäftskunden in geschlossenen Portalen an. Offene Webshops sind für jeden im Internet zugänglich, in geschlossenen Shops dürfen nur definierte Benutzer auf das System zugreifen.

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Web-to-Print gehen die Vorstellungen darüber, was nun Web-to-Print eigentlich ist, weit auseinander. Der folgende Überblick zu Produktionswegen und Einsatzschwerpunkten resultiert aus der Kenntnis von ca. 70 Web-to-Print-Systemen und zahlreichen Beratungsprojekten. In diesem Artikel werden mit dem Begriff „Unternehmen“ Industrie- und Handelsunternehmen, Organisationen oder öffentliche Einrichtungen bezeichnet, in Abgrenzung zu Mediendienstleistern und Druckereien.

Druckdatei-Upload
Für den Druckdatei-Upload werden druckfähige PDF-Dateien außerhalb eines Webportals fertig erstellt, z. B. in Agenturen, Druckvorstufenbetrieben oder Unternehmen. Im offenen Webshop eines Druckdienstleisters kann die gewünschte Drucksache dann kalkuliert, bestellt und die Datei auf einen Webserver hochgeladen werden. Beispiele: flyerpilot.de, druckkaufhaus24.de

Vorlagen-Individualisierung
Die Vorlagen-Individualisierung ist eine der Funktionen, die am häufigsten mit Web-to-Print in Verbindung gebracht wird. Vorlagen (engl. Templates) für die verschiedensten Werbemittel, z. B. Visitenkarten, Briefbogen oder Flyer werden auf einem Webserver bereitgestellt. Diese Vorlagen enthalten statische, unveränderbare Elemente und Bereiche, die mit den individuellen Inhalten des Benutzers gefüllt werden können; sowohl Texte als auch Bilder. Die individualisierten Dokumente werden in einem Webportal bestellt und das Web-to-Print-System erstellt automatisch eine druckfähige PDF-Datei, die von einem Druckdienstleister weiterverarbeitet werden kann. Die Vorlagen-Individualisierung findet man in offenen Drucksachenshops und in geschlossenen Werbemittel-Portalen für Unternehmen. Beispiele: foto-suessigkeiten.de, easyordner.de.

Druckdateien auf Abruf
Druckdateien auf Abruf, auch „Drucken bei Bedarf“ genannt (engl. Print on Demand), sind meist in geschlossenen Webportalen zu finden. Mitarbeiter können Drucksachen, die druckfertig auf einem Webserver gespeichert sind, herunterladen und in der benötigten Menge selbst ausdrucken oder bei einem Druckdienstleister bestellen. Einsatzbereiche in der Praxis sind Bedienungsanleitungen und Handbücher für technische Geräte, Formulare für Versicherungen oder Standarddrucksachen. Beispiel für einen offenen Shop mit Standard-Bierdeckeln: printshop24.de

Kooperative Publikationserstellung
Bei diesem Produktionsweg werden umfangreichere Publikationen, wie z. B. Magazine oder Broschüren, zentral auf einem Webserver gespeichert und von mehreren Benutzern ergänzt und bearbeitet. Diese Lösungen findet man in der Regel in geschlossenen Unternehmensportalen. Auch Dokumente in mehreren Sprachversionen können auf diese Weise von Übersetzern in aller Welt per Webbrowser übersetzt werden. Beispiele: Verkaufsliteratur der Automobilhersteller, Reisekataloge der Schweizer Bundesbahnen (SBB).

Automatische datenbankbasierte Publikationserstellung
Diese Produktionsweise in Unternehmen wird auch mit dem englischen Begriff Database Publishing bezeichnet. Produktdaten, Texte und Bilder umfangreicher Kataloge und Preislisten sind zentral in einer Datenbank gespeichert. Parallel dazu wird eine Layoutdatei mit Verknüpfungen zu diesen Daten erstellt. Ein spezielles Programm oder eine Programmierschnittstelle sorgt dafür, dass die Datenbank-Daten an der gewünschten Stelle im Layout platziert und eine druckfähige Datei erstellt wird. Im Web-to-Print-System wird diese Datei zentral gespeichert und kann nachbearbeitet werden. Beispiel: Kataloge von Langenscheidt.

Ein Beitrag von Ira Melaschuk, http://www.melaschuk-medien.de

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