Druckmaschinenhersteller

Druckmaschinenhersteller – Turnaround vor dem Blackout?

Sie waren jahrelang die Prunkstücke der deutschen Maschinenindustrie. Die Vorzeigekinder. Die Paradeexemplare, stattlich, riesig, stolz: Die Druckmaschinenhersteller.

Copyright: Manroland AG

Was mit Gutenbergs Spindelpresse im Jahre 1442 begann, brachten sie zur Perfektion. Aus dem geradezu handlich anmutenden Vorreiter der heutigen Druckmaschinen kreierten sie dreißig Meter lange Kolosse mit bis zu drei Stockwerken Höhe, von oben bis unten ausgefüllt mit genauester Präzision und höchster Funktionalität. Lange Zeit beherrschten deutsche Druckmaschinen unangefochten den Weltmarkt. Heidelberger Druckmaschinen, Manroland oder Koenig & Bauer prägten das Bild nahezu jeder Druckerei, die etwas auf sich hielt.
Doch auch vor dem Prunkstück der deutschen Maschinenindustrie machten die jüngsten Wirtschaftskrisen keinen Halt und so blieb von den zuvor oftmals zweistelligen Wachstumsraten lediglich ein defizitäres Geschäft zurück. Arbeitsplätze, die einst als begehrt und sicher galten, wurden ersatzlos gestrichen, Unternehmen umstrukturiert und schließlich die Tore einiger Standorte für immer geschlossen.
Prominentestes Opfer der Krise: Der einstige Weltmarktführer im Rollenoffsetdruck Manroland. Vom gefeierten Branchenkrösus  zum kriselnden Großunternehmen, vom kriselnden Großunternehmen zum Problemkind und vom Problemkind wiederum ab zum Amtsgericht Augsburg – Insolvenz. Die Verhandlungen um die Nachfolge der Standorte erwiesen sich als eben so zäh und ernüchternd wie die letzten Jahresbilanzen, doch jetzt ist klar: rund 2200 Arbeitsplätze fallen weg. Definitiv. Ersatzlos.
Viele der Gründe für diese Entwicklung werden wohl noch länger in Kennzahlen und Bilanzen verborgen bleiben, doch der wohl wichtigste liegt auf der Hand: der Internet – Boom. Zeitungsleser wandern zunehmend ins Internet ab, Auflagen werden stetig reduziert und Maschinen weniger ausgelastet. Internet – Versandhäuser sorgen für schlechte Auftragslage bei Broschüren und Katalogen. Obendrein revolutioniert das E-Book neuerdings den Buchmarkt und selbst große Verlagshäuser drosseln spürbar den Druckmaschinenverschleiß. Die Leidtragenden: die Druckmaschinenhersteller.

Copyright: Manroland AG

Doch aus diesem Leid könnte sich jetzt eine Chance herauskristallisieren. Einer der größten Konkurrenten schließt seine Tore, das marktspezifische Überangebot könnte sein Ende finden und der Preiskrieg seine Graben etwas weiter entfernt von den Druckmaschinenherstellern aufschlagen. Die Pleite von Manroland eröffnet anderen Unternehmen die Chance, sich im Schatten des großen Blackouts neu aufzustellen und das freigewordene Marktpotenzial in Beschlag zu nehmen, die eigene Stellung auszubauen und einen ganz neuen Kundenstamm zu gewinnen, welcher vorher in weiter Ferne schien. Auch die Serviceleistungen könnten, bei entsprechender Qualifikation, ganz neuen Anlauf erfahren.
Der Aktienkurs eines anderen Druckmaschinenherstellers beispielsweise legte innerhalb von vier Wochen um 30% zu und war somit eine der Goldgruben des Januars. Experten trauen der Aktie sogar noch mehr zu, auch wenn der Verdacht auf weiteren Stellenabbau den Aufstieg der Aktie ein wenig zu lähmen scheint. Doch genau diese Aktie macht es vor, was jetzt in der Krise gefragt ist: Aktionismus. Vom stillen Zuschauen wird wohl noch viel mehr Marktpotenzial freigesetzt und das einzige, was ansteigt, der Bedarf an Insolvenzverwaltern sein. Insofern könnte auch der Februar schon zum vorentscheidenden Monat werden. Wie reagiert der Markt, wie die anderen Marktführer? Wer traut sich was, wer tut was, um dem Abwärtstrend entschieden entgegenzutreten?
Nachdem schon zahlreiche Lichter ausgingen, ist es nun an der Zeit, die Kurve zu kriegen. Vor der vollkommenen Dunkelheit. Ich hoffe.

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