E-Book – Revolution oder Blase?

E-Books werden den Buchmarkt revolutionieren. Das verkünden jedenfalls viele Leitmedien. Doch was ist wirklich dran an den digitalen Büchern und braucht man als Autor bald wirklich keine Verlage mehr?

So hoffnungsvoll die Zeitungsverlage auf iPad und Co setzen, so angstvoll blicken die Buchhändler auf die E-Books. Immerhin könnten sie direkt und digital verlegt, das Geschäftsmodell einer gesamten Branche revolutionieren. Doch wie steht es denn eigentlich um das E-Book? Immerhin versammeln sich unter diesem Begriff jede Art von digitaler Publikation, von dem schnöden PDF-Dokument bis hin zum multimedial gestalteten Buchevent. So ist die Qualität vieler E-Books auf den Marktplätzen von Amazon und Co auch eher zweifelhaft. Eine Worddatei wird lieblos umgewandelt und vielleicht noch etwas bebildert, schon ist das elektronische Buch fertig und kann für Preise von 99 cent bis 2,99 Euro verramscht werden. Wirklich gut aufbereitete multimediale Bücher sind eher die Seltenheit, auch weil sich die aufwendige Produktion mit Sprechern und Designer nicht rechnet. Doch ist der E-Bookmarkt deshalb eine Blase?

Mehr Digitales als Gedrucktes
Anfang des Jahres hat in den USA der Verkauf der elektronischen Bücher den der normalen Bücher erstmals überholt. Amazon teilte mit, dass auf 100 normale Bücher rund 105 E-Books kämen. Diese Nachricht beunruhigte vor allem die deutschen Verlage, deren Angebot an digitalen Bücher bisher sehr überschaubar ist. Und das obwohl Experten inzwischen mit stark steigenden Nachfrage auch in Europa rechnen. Zu den Fans der E-Books im Vorreiterland USA zählen dabei nicht nur die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sondern auch die zahlungskräftige Generation 55+, die sich in steigendem Maße auch mit iPads und anderen Tablets beschäftigt. Von dieser Entwicklung profitieren erstaunlicher ausnahmsweise die Autoren. Galt lange Bücherschreiben als brotlose Kunst und die Verträge mit den Verlag eher als Selbstausbeutung, gibt es heute nie dagewesene Chancen für den Selbstverlag. Früher war das ja eher die letzte Möglichkeit, wenn man für die eigenen Geschichten keinen Abnehmer fand.

Millionen mit Vampirromanen
In den Medien als Paradebeispiel für die digitale Revolution des Buchmarktes gehandelt, wird dabei Amanda Hocking. Die 26-jährige Altenpflegerin aus Austin fand für ihre seichten Vampir- und Liebesgeschichten acht Jahre lang keinen Verlag und lud sie dann eher aus Frust bei Amazon in die Kindle-Plattform hoch. Verkauf, Inkasso und Präsentation laufen über den Versandhändler und dafür kassiert er rund 30 Prozent der Umsätze. Die restlichen 70 Prozent gehen an den Autor, ein Anteil von dem selbst Bestsellerautoren wie Ken Follett oder Joy Fiedling meilenweit entfernt sind. Elf Bücher bietet Amanda Hocking inzwischen über den E-Book-Shop von Amazon an. Heute ist die Autorin mehrfache Millionärin und das mit dem Verkauf von Büchern für rund fünf Dollar. Über 900.000 Bücher verkaufte sie allein im letzten Jahr. In Deutschland sind solche Zahlen noch Zukunftsmusik, aber immerhin erklärt Sachbuchautor Markus Albers in medium Magazin, dass seine Experimente mit E-Books im Selbstvertrieb ökonomisch auf dasselbe wie bei einem normalen Verlag hinauslaufen würden. Ein gutes Zeichen!?

Ein amerikanischer Blog über den Selbstverlag und seinen wirtschaftlichen Erfolg:

Ein Gedanke zu „E-Book – Revolution oder Blase?“

  1. Dem stimme ich zu, wobei multimedial aufbereitete Bücher ja auch nur auf einem Tablet anzuschauen sind und gerade für kleine Verlage sind die Produktion und der Vertrieb von diesen Medien schlichtweg zu teuer. Ich beschäftige mich selbst mit der Produktion von E-Books. Bisher habe ich noch keine vernünftige Exportmöglichkeit für E-Books im epub- oder mobi-Format gefunden, die keiner oder wenig Nacharbeit bedarf. Und so bleibt meiner Meinung nach noch immer die reine Handarbeit. Erst wenn der komplette Workflow für Print-, digitale und Online-Medien synchronisiert worden ist, dann kann man alle Kanäle vernünftig beschicken.

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