Wahlplakate – oder die Aufforderung zum Protest

Der März war wohl der spannendste Monat im Superwahljahr 2011. In Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wurden neue Länderparlamente gewählt. Um die Wähler von ihren Stimmen zu überzeugen, pflastern die Parteien die Landschaft regelrecht mit Wahlplakaten. Doch sind die überhaupt wirksam oder nur ein gefundener Anlass für Schmierereien und Vandalismus?

Noch nie wurden so viele Wahlplakate beschädigt, wie in letzter Zeit in Sachsen-Anhalt und den anderen Bundesländern. Sie werden nicht nur abgerissen, sondern häufig auch mit Schmierereien verschönert. Aus Sicht von Experten sind an diesem Vandalismus die Parteien nicht unbeteiligt. Sinnentleerte Worthülsen, schlechte Fotos oder mieses Design sind die Mängel der Wahlplakate. Auf N24 sagte Experte Prof. Reiner Haseloff von Hochschule Magdeburg-Stendal dazu: „Im Idealfall rufen die Plakate dem Wähler ins Bewusstsein, wen er wählen soll“. Doch von diesem Ideal sind die meisten Plakate entfernt, ein nur ein Bild mit Namen und Parteilogo reicht nicht aus. Für Haseloff sind die Probleme manchmal sehr einfach: „Wenn man lacht, als habe man schon gewonnen oder zu griesgrämig guckt, funktioniert das nicht. Oft sind die Plakate auch noch schlecht gestaltet, sodass man einzelne Elemente gar nicht mehr erkennen kann“. Klare Struktur, eindeutige Bildsprache und eine griffe Botschaft, klingt eigentlich nach keiner unlösbaren Aufgabe. Doch lohnt sich die Mühe überhaupt?

Motivieren und ins Gedächtnis rufen

Eigentlich schon, denn für den Bürger signalisiert das Auftauchen der Wahlkampfwerbung im Straßenbild die heiße Phase vor den Wahlen. Außerdem präsentieren die Plakate die Köpfe der Wahl und grob auch die wichtigen Parteithemen. Allerdings haben die Plakate Studien zufolge kaum Auswirkungen auf die eigentlich Wahlentscheidung, sondern motivieren eher die eigene Anhängerschaft zum Mitmachen. Denn ohne Wahlplakate würde schnell der Eindruck bei den Bürgern aufkommen, die Partei wäre gar nicht präsent. Auch wenn natürlich die Bedeutung der Plakate für die Wahlkampfwerbung gesunken ist, geht es also scheinbar nicht ohne. Und außerdem wem sollte man dann einen lustigen Bart malen?

Irgendwo zwischen Kunst und Vandalismus
Naturgemäß sind die Wahlplakate nämlich ein beliebtes Ziel für den politischen Unmut der Bürger. In Baden-Württemberg kleben zum Beispiel unzählige Anti-Stuttgart21-Aufkleber auf den Plakaten, beliebt sind auch Schnurrbärte, Clownsnasen oder die Abwandlung der Slogans. Auch wenn solche „Verschönerungen“ durchaus als eine Straftaten zu sehen sind, hat der Vandalismus auch eine künstlerische Seite. 2009 gab es im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sogar eine Ausstellung mit dem Titel „Die kleine Rache des Souveräns“. Gezeigt wurde dabei die Geschichte der Verschönerung von Wahlplakaten. Nicht nur die Werke von Künstlern und Komikern kamen dabei in die Ausstellung, sondern auch die Arbeit von „normalen“ Bürgern.

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