Schöner Lesen: 21. Mainzer Minipressen-Messe

„Handpressen? Die gab es damals, zu Gutenbergs Zeiten.“ In den Tagen von Digitaldruck, Offset-Maschinen und verlegerischen Konzernen liegt diese Antwort nahe. Die ganze Wahrheit trifft sie aber nicht. Das Gegenteil beweist auch 2011 die Mainzer Minipressen-Messe. 360 Aussteller aus mehr als 15 Ländern und 10.000 Besucher werden dort vom 2. bis 5. Juni am Rheinufer erwartet.


Mit der 21. Auflage der Fachmesse ist die Gutenberg-Stadt Mainz wie in jedem Jahr mit ungerader Zahl der internationale Treffpunkt für Minipressen, Kleinverlage, Handpressen, Buchkünstler und Autoren. Die Mainzer Minipressen-Messe, kurz MMPM, ist damit der größte europäische Handelsplatz für Kleinverlagsbücher und künstlerische Pressedrucke.  Ein großes Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und Poetry Slams gehört dazu.

„Für die durch Internet und neue Medien geschundenen Buchmenschen ist die Mainzer Minipressen-Messe auch wie eine Heil- und Pflegeanstalt: Sie heilt das pessimistische Denken vom Untergang der Buchkultur“, erklärte der Berliner Buchantiquar und Verleger Riewert Quedens Tode  bei der letzten MMPM im Jahr 2009 in seiner Rede zur Vergabe des 16. Victor Otto Stomps-Preises. Dieser Preis der Stadt Mainz ging damals an Hendrik Liersch vom Verlag Corvinus Presse aus  Berlin. Seit 1978 wird die Auszeichnung im Rahmen der Minipressen-Messe im Gedenken an den Verleger und Schriftsteller Victor Otto Stomps für eine kleinverlegerische Leistung verliehen. Der Preis ist heiß, die Dotierung auch: 3.500 Euro gehen an den Gewinner in der Kategorie „Verlag und Zeitschriften“, die Stadt Mainz stiftet zusätzlich noch einen Föderpreis, der mit 1500 Euro dotiert ist.

Zwei Großzelte am Rheinufer bilden ab Christi Himmelfahrt erneut einen großer Handelsplatz für Kleinverlagsbücher und künstlerische Pressedrucke. Viele Aussteller und Verlage machen sich Hoffnungen, für ihre Leistungen mit dem Branchenpreis belohnt zu werden. Zu ihnen gehört auch der Berliner SuKuLTuR-Verlag, der in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert. Mit  ihren Leseheften der Reihe „Schöner Lesen“ und „Aufklärung und Kritik“ sind Marc Degens, Torsten Franz und Frank Maleu sehr erfolgreich. Seit 2003 sind ihre kleinen gelben Hefte (Format DIN A 6) zum Preis von 1 Euro auch in Süßwarenautomaten auf S-Bahnhöfen erhältlich. Allein in Berlin konnte das Trio auf diesem Weg bis zum Sommer 2010 mehr als 50.000 (!) Lesehefte verkaufen.

Süßwarenautomaten, das ist für Kleinverlage wie SuKuLTuR ein beinahe unschlagbar guter Weg, Lesestoff in Umlauf zu bringen. Ein weiterer Kanal ist natürlich der Online-Verkauf, wie auch die Veranstalter und Organisatoren der MMPM gemerkt haben. Sie unterstützen daher die virtuelle Messe smallpress.  Kleinverlage und Selbstverleger, Autoren, Künstler, Labels und Editionen können auf diesem elektronischen Marktplatz ihre Werke anbieten. Der Besucher findet dort eine stetig wachsende Auswahl an Produkten und Informationen aus den Bereichen Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft.

2 Gedanken zu „Schöner Lesen: 21. Mainzer Minipressen-Messe“

  1. Komme gerade von der Leipziger Buchmesse. Die Halle 3 für Buchkunst war echt klasse.
    Total spannende und kreative Buchobjekte.

    Daher eine kleine Bitte an die Mainzer Minimesse: Könnte man denn nicht den ebenfalls doch recht engangierten Künstlern nicht ein besseres Ambiente, statt einem überhitzten Zelt, schalem Kaffe, drei Dixi-Klos anbieten?

    Es muss ja nicht unbedingt der Standard wie in Frankfurt oder Leipzig sein, aber sollte man nicht den Besuchern wie den Ausstellern etwas mehr Aufmerksamkeit entgegen bringen?

    Vor zwei Jahren war es jedenfalls ein Reinfall.

    Schönen Gruß aus Frankfurt, M. Hualde

  2. Hallo Manuel Hualde,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben die Veranstalter der Minipressen-Messe mit Ihrer Sichtweise konfrontiert.

    Die Veranstalter stellen fest, dass Sie selbst bei der Messe vor zwei Jahren nicht als Aussteller, also wahrscheinlich als Besucher zu Gast waren. Hier jedenfalls ein Statement von Jürgen Kipp, Gutenberg-Museum Mainz, Organisationsteam Minipressen-Messe:

    „Was zahlt der ausstellende Buchkünstler in Leipzig oder Frankfurt und was zahlt er in Mainz? Neben seinen Anreise- und Übernachtungskosten zahlt er in Mainz lediglich eine Anmeldegebühr in Höhe von 59,– Euro, sonst nichts. Das Ausstellungsmobiliar, der Platz, die Werbung und die Möglichkeit des Besuches des Rahmenprogramms wird von uns kostenlos gestellt. Wir organisieren es für ihn. Er braucht nur kommen und seine Objekte ausstellen.“

    Der Autor des Beitrages, Manuel Hualde, stellte nicht auf der letzten Minipressen-Messe aus. Er war demnach gar nicht selber „betroffen“, sondern spricht als Besucher? Man schaue sich auf unseren Facebookseiten Bilder der Minipressen-Messe an. So sieht es dort aus. Wenn ich Interesse an Büchern von kleinen und bibliophilen Verlagen oder Handpressen habe, finde ich sie in Mainz.

    Darüber hinaus ist das Zelt, direkt am Rheinufer gelegen, atmosphärisch ganz wunderbar. Der Besuch der Minipresse hat immer auch etwas von einem Kurzurlaub. Natürlich ist ein Zelt den Witterungen ganz anders ausgesetzt als eine Messehalle. Neben der Atmosphäre ist es aber auch eine Kostenfrage. Grob geschätzt nehmen 50% unserer Aussteller schon seit 20 Jahren teil, mindestens 20 % schon mehrere Male. Das muß Gründe haben. Was der Autor des Beitrages unter Reinfall versteht, läßt er leider offen. Wenn ein neuer Aussteller mit seinen Büchern beim Publikum nicht so ankommt wie erhofft, stürzt ihn die Teilnahme in Mainz aber wenigstens nicht in eine finanzielle Krise. Die Minipressen-Messe will mitnichten mit solchen Messen wie Frankfurt oder Leipzig konkurrieren. Sie ist es etwas ganz eigenes und nicht mit anderen Messen vergleichbar.

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