Die Wahl der Schrift

Typographie ist keine Wissenschaft. Typographie ist eine Kunst. Es gibt diejenigen, die daraus eine Wissenschaft machen; diejenigen, die denken, dass eine immense Auswahl an Schriftarten schon irgendwie ein gute Typographie hervrbringt. Typographie und die Auswahl von Schriftarten sind keine Wissenschaft bestimmt von Axiomen und Regeln.

Bevor wir uns dem Wesentlichen im Bezug auf die Auswahl von Schriften widmen, sollten wir kurz über Verantwortung sprechen. Im Grunde ist die Verantwortung die wir tragen zweiseitig: zuerst einmal sind wir es dem Leser schuldig ihn nicht am Lesegenuss zu hindern, sondern ihn in diesem zu unterstützen; zweitens haben wir eine Verantwortung gegenüber den Schriften die wir benutzen. Gute Schriftarten werden für gute Zwecke gestaltet, aber selbst die Besten eignen sich nicht für jeden Zweck.

Was folgt ist keine Auflistung von Regeln, sondern vielmehr eine Sammlung von Prinzipien.

Sans oder serif?
Meiner Meinung nach wird viel zu viel Zeit damit verschwendet sich darüber zu streiten was nun besser für erweiterten Text ist. Am besten ist es sich dieser Diskussion abzuwenden und für sich selbst zu entscheiden.

 

Anzumerken ist, dass wir das am einfachsten lesen können, was wir gewohnt sind.

Richtlinie #1: Respektieren sie den Inhalt.

Das sollte das Mantra jedes Typographen sein. Tatsache ist, dass gute Typographen höchstwahrscheinlich nicht einmal daran denken müssen, sie tun es instinktiv, denn sie wissen dass sie einem Handwerk nachgehen, durch das die Bedeutung von Text geklärt, geehrt und mit anderen geteilt wird.

Richtlinie #2: Lesen sie den Text.

Nein, das ist nicht scherzhaft gemeint. Wenn sie Text setzen, sei es für eine Novelle über den Deutsch-Französischen Krieg oder für eine Ein-Wort-Überschrift, lesen sie sie. Lesen sie sie wirklich. Das Lesen eines Textes liefert entscheidende Hinweise, nicht nur für die Wahl der richtigen Schrift, sondern hilft auch dabei das Design der ganzen Seite zu bestimmen. Ein Beispiel: Sie setzen den Text für ein Essay über „Blackletter“; Also benutzen sie die Schrift „Blackletter“, richtig?

 

Wahrscheinlich nicht. Es gibt einen Platz um historischen Kontext zu berücksichtigen, es wäre jedoch falsch sich strikt an diese Methode für die Auswahl zu halten.
Zusätzlich zum Lesen des Textes, sollten sie versuchen ihn zu verstehen. Das ist jedoch leider nicht immer möglich. Wenn sie z.B. Text für einen Artikel über Quantenphysik setzen, steht komplettes Verständnis der Materie außer Frage. Nichtsdestotrotz sollte man versuchen die Hauptrichtung oder das Thema des Textes zu verstehen.

Richtlinie #3: Zielgruppe und -medium.

Wer wird ihren wunderschönen Text lesen? Wissenschaftler, Anwälte, Ingenieure, Kinder? Wenn es nicht klar aus dem Text zu erschließen ist, finden sie es heraus. Kinder werden Probleme haben sich mit historischen Ligaturen anzufreunden.

 

Berücksichtigen sie außerdem das Zielmedium, die Seite. Vielleicht setzen sie den Text innerhalb einer festen Vorlage und sie haben keine Kontrolle über Abstände oder die Seitengröße. Eine überfüllte Seite mit kleinen Abständen könnte von leichten Schriften profitieren, wohingegen große Abstände eine schwärzere Schrift verdient haben.

Richtlinie #4: Sieht es richtig aus?

Wenn die Bestimmung ihres Textes Papier ist, dann drucken sie ihn und sehen sie ihn sich an. Ihre Schrift mag auf dem Bildschirm perfekt aussehen, auf dem Papier hingegen könnte es passieren, dass sie nicht mehr zumutbar ist. Es gibt keinen Ersatz für das Drucken. Wenn ihr Text für den Bildschirm bestimmt ist, betrachten sie ihn auf dem PC und dem Mac in verschiedenen Auflösungen.

Schlusswort

Erinnern sie sich immer selbst daran, dass Typographie wirklich Kunst ist und, dass viele der Entscheidungen die sie treffen, die Schriftwahl eingeschlossen, subjektiv sind. Wenn sie unsicher sind, tauschen sie sich mit Kollegen und auch Anderen aus und suchen sie nach Beispielen großartiger Typografie.