Wasserloser Offsetdruck: Es geht auch umweltfreundlich!

Warum wasserloser Offsetdruck?

Der Offsetdruck ist ein Flachdruckverfahren. Dabei befinden sich die druckenden und nichtdruckenden Partien der Druckform in einer Ebene. Die druckenden Stellen sind farbführend, während die nichtdruckenden farbabweisend sind.
Diese Wechselwirkung ist auf grenzflächenphysikalische Phänomene zurückzuführen. Die druckenden Zeichnungselemente der Flachdruckform zeigen ein hydrophobes, also ein wasserabstoßendes und damit ein oleophiles Verhalten im Gegensatz zu den nichtdruckenden Partien, die hydrophile und damit oleophobe Eigenschaften aufweisen. Der eigentliche Druckprozess vollzieht sich im Offsetdruck dadurch, dass zuerst die nichtdruckenden Stellen der Druckform mit Hilfe eines Feuchtwerkes mit einem dünnen Feuchtigkeitschleier überzogen werden. Unmittelbar danach erfolgt die Einfärbung der druckenden Stellen mit Hilfe des Farbwerkes.
Bei diesem Einfärbungsvorgang rollen die sogenannten Farbauftragswalzen auch über den Feuchtigkeitsschleier hinweg. Dass führt dazu, dass die Druckfarbe im Laufe der Zeit mehr oder weniger Feuchtmittel aufnimmt; sie emulgiert mehr oder weniger stark. Diese hier nur ganz kurz angedeuteten unkontrollierbaren physikalischen und chemischen Grenzflächenprobleme im Zusammenhang mit einem wässrigen sauren Feuchtmittel sind es aber, die dem Offsetdruck sowohl im Bogen- als auch im Rollenoffsetdruck manchmal nicht unerhebliche und auch verschiedene Schwierigkeiten bereiten.

Unter den heutigen Erkenntnissen betrachtet, stellt das Feuchtmittel auch ein ökologisches Problem dar. Denn es wird nicht mit klarem Leitungswasser gedruckt, sondern mit verschiedenen, bedenklichen chemischen Zusätzen und auch mit einem Anteil an Isopropanol.
Isopropanol ist als organische Verbindung und kann als Vorläuferschadstoff für die Entstehung von Ozon unter Einfluss von Sonnenstrahlen bezeichnet werden. In der Schweiz haben deshalb die Offsetdrucker bereits eine nicht unerhebliche Abgabe für die Verwendung von flüchtigen organischen Verbindungen zu bezahlen. In Deutschland ist langfristig nicht auszuschließen, dass gesetzliche Auflagen sogar zu einem Verbot von schnellflüchtigen Lösungsmitteln führen…

Es hat deshalb zu keiner Zeit an Versuchen gefehlt, sich aus unterschiedlichen Gründen von der „Geisel Feuchtmittel“ im Offsetdruck zu befreien, zumal es für den Drucker, im Gegensatz zur Druckfarbe, keinerlei Möglichkeit einer objektiven Kontrolle der richtigen Feuchtmittelmenge für die Einhaltung einer guten Farbe-Wasser-Balance gibt.

Schon der Mit-Erfinder des indirekten Flachdruckverfahrens und große deutsche Offsetpionier Caspar Hermann (1871-1934) hat Versuche mit wasserlosem Offsetdruck gemacht. Es wird vermutet, dass er in die Druckfarbe bestimmte Präparate „gemixt“ hat die sicherstellten, dass auch ohne Feuchtung die nichtdrucken Partien der Flachdruckplatte Farbe annehmen. Erst 1967 stellte die damalige 3MCompany auf der DRUPA erstmals eine spezielle Druckplatte vor, bei der die nichtdruckenden Partien eine Oberfläche hatte, die eine stark farbabweisende Silikonschicht hatte.

Heute stehen für den wasserlosen Offsetdruck in erster Linie Platten der Firmen Toray (Japan) und Presstek (USA) zur Verfügung. Es besteht die Möglichkeit der externen analogen und digitalen Bebilderung mit anschließender manuellen oder maschinellen analogen Entwicklung. Die interne direkte digitale Bebilderung in der Offsetmaschine (CTP = Computer to Press) in Verbindung mit dem wasserlosen Offsetdruck kann heute bereits schon an einigen Bogenoffset-Druckmaschinen praktiziert werden.

Der wasserlose Offsetdruck ist also nicht einfach nur eine „Umsteigertechnik“ von nass auf trocken, sondern es ist die modernste „Einsteigertechnik“ in den Offset-Digitaldruck. Die Platten bieten ideale Voraussetzung für die thermische, integrierte Bildaufzeichnung in der Offsetmaschine. In allen Fällen erfolgt bei der Bildaufzeichnung die Entfernung der auf der Oberfläche liegen den farbabstoßenden Silikonschicht und damit ein Freilegen der farbführenden Photopolymerschicht. Die druckenden Elemente liegen damit um etwa 2 my vertieft. Das führt zu der Möglichkeit, mehr Farbe als bei den konventionellen Nassoffset-Platten auf das Papier zu übertragen. Die Druckqualität ist „knackiger“ kontrastreicher und leuchtender. In Verbindung mit unseren matten und glänzenden ikono-Qualitäten, aber auch den spiegelglänzenden Oberflächen von Chromlux läßt sich ohne Übertreibung sagen, dass mit Hilfe der wasserlosen Offsettechnik eine fotografische Qualität erreicht wird. Das Auflösungsvermögen liegt bei bis zu 4000 dpi. damit sind auch beste Voraussetzungen gegeben für die Verwendung eines frequenzmodulierten Rasters. Im übrigen haben Farb-Dichtemessungen auch ergeben, dass mit wasserlosen Platten mit einer geringeren Tonwertzunahme gerechnet werden kann.

Welche Papiere für den wasserlosen Offsetdruck?



Der wasserlose Offsetdruck braucht keine Spezialpapiere, wie es noch vor 20 Jahre der Fall war. Denn die heute zur Anwendung kommenden Druckfarben haben sich der wasserlosen Technik angepasst und die Druckmaschinen sind weitgehend auch so ausgerüstet, dass eine relativ gute und konstante Temperierung der Farbwerke möglich ist.

Wer die Vorteile des ökologischen wasserlosen Offsetdrucks voll ausgeschöpfen möchte und gleichzeitig dabei hohe Druckqualität erzielen möchte, sollte auch gute Papiere eingesetzen. Dabei kann es sich um matt und glänzend gestrichenen Qualitäten handeln, aber auch um die vielen Naturpapiere mit ihren aufeinander abgestimmten Farben und unverwechselbaren Oberflächenstrukturen.

Der wasserlose Offsetdruck kann seine Stärken aber auch voll beweisen, wenn es um das Bedrucken von feuchtigkeitsempfindlichem Transparentpapiere geht. Bei diesen nichtsaugenden Materialien wird durch die Abwesenheit von jeglichem Feuchtmittel, der oxidative Trocknungsprozess der Druckfarben wesentlich verbessert, ja fast garantiert Es tritt also keine Trocknungsverzögerung oder gar -Verhinderung auf wie es im Naßoffsetdruck beobachtet wird, wenn mit zu viel saurem Feuchtmittel gedruckt wird, oder bei wenig Zeichnungsbild der Farbverbrauch zu gering ist und dadurch die Druckfarbe zu viel Wasser aufnimmt, d.h. stark emulgiert.

Wasserloser Offsetdruck heißt also schnelle sichere Trocknung der Druckfarbe in Verbindung mit einer optimalen Haftung mit der Oberfläche des Papiers. Im übrigen ist der wasserlose Offsetdruck auch eine ideale Technik für das Drucken von Gold- Silber- und Iriodin-Druckfarben, weil diese Metallicfarben unter dem Einfluss des meist sauren Feuchtmittels möchte, sollte auch gute Papiere eingesetzen. Dabei kann es sich um matt und besonders „leiden“ können und ihren schönen metallischen Charakter und ihre Brillanz einbüßen.

Der wasserlose Offsetdruck hat sich im Laufe der Zeit, fast heimlich still und leise aber auch stetig, zu einem Verfahren entwickelt das einen sehr rentablen und stabilen Nischenmarkt für Spezialprodukte und für Druckerzeugnisse höchster Qualität bedient. Durch die moderne Technik der integrierten digitalen Druckformbebilderung in der Offsetmaschine (CtP / DI), durch die zunehmende Präsenz von Offsetmaschinen mit DI-Technik und mit der Weiterentwicklung von Offsetmaschinen mit Kurzfarbwerken – auch für den Zeitungsdruck- hat sich wasserlose Offsetdruck aus der Nische heraus für die Zukunft als ein ausgesprochen interessanter Wachstummarkt entwickelt. Welch hohe Druckqualität der Zeitungsdruck z.B. erreicht hat, kann man sich tagtäglich beim Kölner Stadt-Anzeigen ansehen. Dort wird hervorragend farbig gedruckt. Die Bilder haben auf dem rauhen Zeitungsdruckpapier fast fotografische Qualität.

10 Gedanken zu „Wasserloser Offsetdruck: Es geht auch umweltfreundlich!“

  1. Pingback: Klimaschutz in den eigenen vier Wänden. | Wasserloser Offsetdruck
  2. Sie können im UV-Trockenoffset die außergewöhnlichsten Bedruckstoffe verwenden. PVC, PET oder PP in der Kunststoffriege, ebenso lässt sich Echtholz, Leder, Stoff oder auch Metall bedrucken. Je nach eingesetzter Druckmaschine mit bis zu 1mm Stärke. Die angesprochenen Veredelungsmöglichkeiten sind nur durch die eigene Kreativität begrenzt. Nicht vergessen darf man das Electronic Printing, sprich elektrisch leitfähige Farbe für die Anwendung von RFID Print´s. Zu den DPI möchte ich anmerken; wir haben ohne FM- oder AM-Raster einzusetzen echte 250er Raster auf Toray gedruckt. Hier sind noch höhere Werte möglich. In der Kombination mit solch hohen DPI – Werten erhalten Sie auch beste Ergebnisse im Lentikulardruck. Aber wir wissen ja:
    „Was macht der Drucker ohne Alkohol?“ – „Feierabend..!“

  3. Die UV-Trocknung im Trockenoffset setzt im Druckprozess mehr Ozon frei als als konventioneller Offsetdruck. Ebenso ist die Druckfarbe als krebserregend einzustufen und darf im frischen Zustand nicht die Haut berühren (bizzelt). Ein UV-Trockenoffsetdrucker soll laut Tarif aus diesen Gründen (süßer Gestank nach Ozon trotz Absauganlage) zwei Euro mehr pro Std. verdienen. Arbeitskleidung ist gesondert von normaler Kleidung zu reinigen. Auch sonst sind dem Author mehrere fachliche Fehler und Halbwahrheiten nachzuweisen.

  4. Sehr geehrter Herr Meyer,
    vielen Dank für ihren Kommentar. Ich hege durchaus eine gewisse Sympathie für
    ihre Gedankengänge was die UV-Trocknung anbetrifft.Aber welche Alternativen bieten
    Sie an ? Wollen Sie in Verbindung mit dem Energieverbrauch auch die Heatset-Trocknung im Rollenoffsetdruck oder den Tiefdruck abschaffen wo dünne Farbschichten mit riesigem Aufwand getrocknet werden? Es gäbe diesbezüglich noch viele andere Beispiele die dann aber in das Gebiet
    der Philosophie führen würden. Ich glaube ohnehin, dass die fast schon hysterisch geführten Diskussionen über die Klimaveränderungen zu kurz gegriffen sind. Vielmehr ist der
    Planet Erde den kosmischen Einflüssen unterworfen die sich bemerkbar machen durch große Erdbeben die den Erdumlauf beeinflussen sowie durch riesige Vulkanausbrüche
    die sogar den Flugverkehr zeitweise verhindern.Auch Papier ließe sich mit der Hand
    schöpfen und Gutenberg hängte die Druckbogen einzeln mit der Hand aus. Was sollen wir machen?

  5. nicht soviel Müll drucken, den eh keiner liest. Unsere große Mülltonne im Dreiparteienhaus ist ständig zu dreivierteln gefüllt mit Werbung, es ist halt pervers das das mal Urwaldbäume in Brasilien, Indonesien oder sonstwo waren. Meinen Job kostet das nicht, wenn das verboten würde, da ich eigentlich nur sinnvolle Sachen drucke, die gebraucht werden.

  6. Mir geht es mit der Papiertonne nicht anders. Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl bei der Entsorgung, weil zur Zeit die Altpapiereinsatzquote stolze 71% beträgt !! Dagegen ärgert mich die subventionierte thermische Nutzung von Holz in Form von Kaminholz und
    vor allen Dingen durch mehr und mehr Heizungen mit Holz-Pellets. Auch die ungezügelte
    Förderung von Biomasse-Anlagen in denen bis zu 85% Holz zu Strom verarbeitet wird ist Raubbau am heimischen Rohstoff Holz. Übrigens: Das Papier vom Kölner Stadt-Anzeiger,
    der ökologisch im wasserlosen Offsetdruck gedruckt wird, besteht zu fast 100% aus
    Sekundärfasern d.h. aus Receycling-Papier.

  7. Zu dem was Bernhard Clüsserath geschrieben hat, dem ich nur zustimmen kann, sollte noch bedacht werden mit welch hohem Energieaufwand die Trockenoffset-Druckplatten/-folien hergestellt werden und welche Entsorgungskosten entstehen. Anders als bei Aluminium-Druckplatten können diese nicht direkt recycelt werden.

    Im übrigen kann ich darauf geschriebene Antwort von Benny Meyer nur als überzogen und unsachlich werten.
    Mann muss, wenn man etwas gegen UV-Trocknung und -farben etc. hat nicht automatisch etwas gegen Heatset haben – was in diesem Zusammenhang auch keine Rolle spielt.
    Warum nicht einfach die Farbe, so wie bisher, einfach durch Oxydation trocknen lassen?

    Aber auch der darüber stehende Kommentar mit dem Hinweis auf „echte 250er Raster“ ist absoluter Blödsinn. Keine Torrayplatte kann mit einem solchen Raster bebildert werden. Eine Technische Unmöglichkeit – Physik lässt sich nicht einfach so aushebeln. Auch gibt es keine verbindlichen Standards für ein solches Raster und bei welchen Bedruckstoffen ist der Einsatz sinnvoll…

    Auch in der „Großindustrie“, in unserem Fall der Rheinischen Post, ist auf Trockenoffset umgestellt worden. Was jeder Fachmann aber feststellen kann ist das die Druckqualität schlechter geworden ist. Dies zeigt nicht das Trockenoffset nichts taugt sondern das es gründlich und richtig gemacht werden muss.

    Im übrigen halte ich das Argument der Umweltfreundlichkeit das nur der Trockenoffset für sich beansprucht für vorgeschoben. Wir, die wir im traditionellen Offsetdruck hervorragende Ergebnisse erzielen, benutzen z.B. einen Zusatz von 0,5% IPA im Feuchtwasser. Andernfalls, also um auf IPA zu verzichten, müssten wir Chemie einsetzen deren Gefahrenpotenzial deutlich höher ist.

    Wie sieht denn die Umwelt-Bilanzsumme bei einer Trockenoffsetmaschine aus?

  8. Sehr geehrter Herr Meyer,
    Sie sollten sich einmal wirklich mit der Technik auseinandersetzen, bevor solche Kommentare kommen. Logischerweise entsteht nur bei der UV Härtung Ozon und zwar nur durch die Lampen. In einer richtigen Anlage wird dies abgesaugt, so daß kein Ozon austreten kann. Ausserdem zerfällt Ozon durch die hohe Wärme bereits nach ca. 4 m. Solche Anlagen werden problemlos von der BG EGETEM (ehemals Druck & Papier) abgenommen. Oft entsteht der Geruch durch den Wärmeeinfluss auf den Strich.
    Und nun zu den Farben. Alle UV Farben müssen da diese Acrylate enthalten Xi reizend gekennzeichnet sein (ebenso wie Ihre Spülmaschinentabs oder Weichspüler). Dies bedeutet aber nicht, daß diese damit krebserregend sind. Das Problem bzw der Vorteil der UV Farbe ist, daß diese nur unter Licht härtet, also an der Hand an der Kleidung nass bleibt. Die Drucker sollten sauberer arbeiten, was aber nichts schadet.
    Wenn Sie auf die Homepage der BG ETEM gehen, werden Sie feststellen, daß dort sowohl der wasserlose Offset als auch der UV Druck als sicheres umweltfreundliches Verfahren genannt wird. Es gibt ein BG Cert für den wasserlosen Offset (emmissionsreduziertes Drucken), zich Maschinenabnahmen und eine Europäische Initiative (UV Protokoll). Man könnte noch viel mehr schreiben.

  9. Ökologie beim Drucken…!
    Du stehst an der Druckmaschine, produzierst 100000 Flyer oder mehr und schaust nach der Verteilung in die Mülltonnen und wunderst dich nur. Ökologie vom Feinsten..! Die angesprochenen 71 % Rückgewinnung sagen doch alles. Hier gilt das Motto: Weniger ist mehr. Aber erklär das mal dem möglichen Kunden. Jeder Druckmaschinenhersteller offeriert und/oder baut mittlerweile in seine Maschinen ökologiekonforme Technik ein. Und viele Drucker nutzen und setzen den Umweltgedanken um, aber….ökologischer Druck kostet auch mehr. Das nächste Erklärungsproblem! Die Ökobilanz kann nur durch ein generelles Umdenken erfolgen, unabhängig vom Einsatz der Drucktechnik.

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