Was ist Web-to-Print?

Web-to-Print-Systeme werden immer häufiger eingesetzt – einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der digitalen Wirtschaft e. V. (BVDW) und des Rhein-Ruhr-Instituts (RIAS) zufolge beträgt das Wachstum von Web-to-Print jährlich ca. 17 Prozent. Druckereien und Mediendienstleister bieten Drucksachenproduktion und Online-Services in offenen Webshops oder für Geschäftskunden in geschlossenen Portalen an. Offene Webshops sind für jeden im Internet zugänglich, in geschlossenen Shops dürfen nur definierte Benutzer auf das System zugreifen.

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Web-to-Print gehen die Vorstellungen darüber, was nun Web-to-Print eigentlich ist, weit auseinander. Der folgende Überblick zu Produktionswegen und Einsatzschwerpunkten resultiert aus der Kenntnis von ca. 70 Web-to-Print-Systemen und zahlreichen Beratungsprojekten. In diesem Artikel werden mit dem Begriff „Unternehmen“ Industrie- und Handelsunternehmen, Organisationen oder öffentliche Einrichtungen bezeichnet, in Abgrenzung zu Mediendienstleistern und Druckereien.

Druckdatei-Upload
Für den Druckdatei-Upload werden druckfähige PDF-Dateien außerhalb eines Webportals fertig erstellt, z. B. in Agenturen, Druckvorstufenbetrieben oder Unternehmen. Im offenen Webshop eines Druckdienstleisters kann die gewünschte Drucksache dann kalkuliert, bestellt und die Datei auf einen Webserver hochgeladen werden. Beispiele: flyerpilot.de, druckerei.de

Vorlagen-Individualisierung
Die Vorlagen-Individualisierung ist eine der Funktionen, die am häufigsten mit Web-to-Print in Verbindung gebracht wird. Vorlagen (engl. Templates) für die verschiedensten Werbemittel, z. B. Visitenkarten, Briefbogen oder Flyer werden auf einem Webserver bereitgestellt. Diese Vorlagen enthalten statische, unveränderbare Elemente und Bereiche, die mit den individuellen Inhalten des Benutzers gefüllt werden können; sowohl Texte als auch Bilder. Die individualisierten Dokumente werden in einem Webportal bestellt und das Web-to-Print-System erstellt automatisch eine druckfähige PDF-Datei, die von einem Druckdienstleister weiterverarbeitet werden kann. Die Vorlagen-Individualisierung findet man in offenen Drucksachenshops und in geschlossenen Werbemittel-Portalen für Unternehmen. Beispiele: foto-suessigkeiten.de, easyordner.de.

Druckdateien auf Abruf
Druckdateien auf Abruf, auch „Drucken bei Bedarf“ genannt (engl. Print on Demand), sind meist in geschlossenen Webportalen zu finden. Mitarbeiter können Drucksachen, die druckfertig auf einem Webserver gespeichert sind, herunterladen und in der benötigten Menge selbst ausdrucken oder bei einem Druckdienstleister bestellen. Einsatzbereiche in der Praxis sind Bedienungsanleitungen und Handbücher für technische Geräte, Formulare für Versicherungen oder Standarddrucksachen. Beispiel für einen offenen Shop mit Standard-Bierdeckeln: printshop24.de

Kooperative Publikationserstellung
Bei diesem Produktionsweg werden umfangreichere Publikationen, wie z. B. Magazine oder Broschüren, zentral auf einem Webserver gespeichert und von mehreren Benutzern ergänzt und bearbeitet. Diese Lösungen findet man in der Regel in geschlossenen Unternehmensportalen. Auch Dokumente in mehreren Sprachversionen können auf diese Weise von Übersetzern in aller Welt per Webbrowser übersetzt werden. Beispiele: Verkaufsliteratur der Automobilhersteller, Reisekataloge der Schweizer Bundesbahnen (SBB).

Automatische datenbankbasierte Publikationserstellung
Diese Produktionsweise in Unternehmen wird auch mit dem englischen Begriff Database Publishing bezeichnet. Produktdaten, Texte und Bilder umfangreicher Kataloge und Preislisten sind zentral in einer Datenbank gespeichert. Parallel dazu wird eine Layoutdatei mit Verknüpfungen zu diesen Daten erstellt. Ein spezielles Programm oder eine Programmierschnittstelle sorgt dafür, dass die Datenbank-Daten an der gewünschten Stelle im Layout platziert und eine druckfähige Datei erstellt wird. Im Web-to-Print-System wird diese Datei zentral gespeichert und kann nachbearbeitet werden. Beispiel: Kataloge von Langenscheidt.

Ein Beitrag von Ira Melaschuk, http://www.melaschuk-medien.de

17 Gedanken zu „Was ist Web-to-Print?“

  1. Sehr schön und kompakt zusammengefaßt. Wichtig sind aber nicht nur das Module für die Layouterstellung, sondern vorallem die Anbindung an die Warenwirtschaft oder das ERP-System des Endkunden.

    Viele anbieter haben hier schwächen, das sollte man im Vorfeld immer sehr genau hinterfragen.

  2. Pingback: Color Alliance: Web-to-print-Lösung im Großformat | viscomblog | The visual communicator
  3. Top! Die einzelnen Themengebiete schön erläutert. 17% ist wirklich ein heftiges Wachstum und der Artikel ist schon etwas älter. Wie sieht es denn mit aktuellen Zahlen aus?

  4. Ich kann mich der Meinung in den Kommentaren hier nur anschließen. Wirklich ein sehr gelungener Artikel, der das Thema Web-To-Print einfach und vorallem verständlich übermittelt. Mich würden allerdings auch die Zahlen zur aktuellen Entwicklung interessieren, denn im Netz findet man nicht wirklich aussagekräftige Statistiken… Könnten diese falls vorhanden eventuell hier noch nachgereicht werden?
    VG

  5. Pingback: Lesetipp: Was ist Web-to-print? | viscomblog | The visual communicator
  6. Sehr schöner und ausführlicher Artikel. Eine Frage habe ich aber noch zur obigen Grafik:
    Haben die zwei Hintergrundfarben einen tieferen Sinn, oder ist das nur ein optisches Gimmik?

  7. Danke für den ausführlichehn Artikel, ist sehr schön erklärt. Ich hab das letztens erst von einem Bekannten gehört. Die UNI Freiburg bietet so einen Web-to-Print Service für Ihre Studenten an. Klingt interessant, da werden sicherlich noch einige Firmen einsteiger in der nächsten Zeit. Der Markt dafür ist ja gross..

  8. Die Antwort zur Frage von Steven (10.9.13) zu den zwei Hintergrundfarben:
    Die Farben haben tatsächlich einen Sinn, sie grenzen zwei Bereiche voneinander ab, zum einen die Werbemittel/Geschäftsausstattung und zu anderen mehrseitige, umfangreichere Publikationen. Die Produktionswege oben gehören dann auch entsprechend zu diesen Einsatzschwerpunkten.

  9. Interessanter Artikel. Besonders spannend am Thema Web-To-Print finde ich wie sich die Anpassungen/Erstellung von Druckdateien über web-/cloud-basierte Grafikprogramme in Zukunft entwickeln wird.

  10. Auch von mir ein großes Dankeschön an den Autor. Inhaltlich top! Für Studenten stelle ich mir das wirklich praktisch vor. Bin gespannt wo der Web-To-Print Service sonst noch Anwendung finden wird!

  11. Ich wünschte mir in meiner Nähe wäre das möglich. USB-Stick mitnehmen geht, aber direkt hinschicken und abholen wenns fertig ist geht nicht. Zumindest an der Uni selbst gibt es aber so ein System.

  12. Eine sehr gute Sache, die sich garantiert viele zu Nutze machen. Somit spart man sich eine Menge Zeit und kann sich anderen Aufgaben widmen. Ich kenne viele aus meinem Freundeskreis, die diesen Service oft für sich in Anspruch nehmen.

  13. Pingback: Web-To-Print im Aufwärtstrend

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