Die iPad-Debatte

Das iPad hat in den Bundestag Einzug gehalten. Bereits jeder zweite Abgeordnete besitzt so einen schicken Tablet. Wie jede Neuerung sorgt auch der angebliche Heilbringer der Medienbranche für hitzige Debatten im Bundestag.

Dieter Wiefelspütz (SPD) ist von seinem iPad begeistert. „Es erleichtert uns die Arbeit, weil wir uns schneller informieren und Emails sofort beantworten können“, schwärmte der SPD-Parlamentarier im SPIEGEL-Interview. Auch die Kanzlerin sieht man fast gar nicht mehr ohne ihren Apple. Ihr iPad war immerhin auch ein persönliches Geschenk von Arnold „Arni“ Schwarzenegger. Aber auch die restlichen Abgeordneten bekommen ihre neues Arbeitsspielzeug quasi geschenkt. Denn die Verwaltung des Bundestages ersetzt die Kosten der Anschaffung vollständig, egal ob für die Standardausführung (499 Euro) oder für die Premiumversion (knapp 800 Euro). Diese Rückerstattung sorgte in der letzten Woche für viel Wirbel und Entrüstung unter den Bürger. Egal ob seriöse Nachrichtensendung oder Nachmittagsboulevardmagazin, kaum ein Sender schickte nicht seine Reporter auf die Straße, um den Protest der Steuerzahler einzufangen.

Ablenkung gab es auch schon vorher
Der häufigste Vorwurf an die Abgeordneten war dabei die Zweckentfremdung des eigentlichen Arbeitsmittels. Twittern, Spielen, Nachrichten lesen oder einen Film schauen, die Ablenkungsmöglichkeiten in langweiligen Debatten sind mit dem iPad vielseitig. Gerade weil Notebooks in Parlamentssitzungen verboten sind, stößt der Tablet-PC bei vielen Volksvertreter auf eine nie dagewesene Technikbegeisterung. Doch es gibt natürlich auch genug kritische Stimmen. So kritisierte Wolfgang Bosbach (CDU) gegenüber dem SPIEGEL eine „fast magische Beziehung“ vieler Kollegen zu „diesem Ding“ : „Manche starren in einer Drei-Stunden-Sitzung 180 Minuten lang auf den Bildschirm. Gleichzeitig dem Redner zu folgen, ist meines Erachtens schwierig.“ Eine Kritik über die iPad-Fans nur den Kopf schütteln können. Immerhin sollten Reden von sich aus so spannend sein, dass sich keiner ablenken lassen muss. Außerdem gab es schon vor dem iPad genug Möglichkeiten sich abzulenken. Man erinnere sich nur an die Bilder von gelangweilt zeitungslesenden Parlamentariern oder der wild SMS-schreibenden Kanzlerin.

Was viele bei der Diskussion um den Sinn und Unsinn von iPads im Bundestag vergessen, eine flächendeckende Einführung könnte auch ein weiterer Schritt in Richtung des papierlosen Büros sein. Die positiven Auswirkungen für Umwelt und die Einsparungen in Materialkosten wären nicht unerheblich.

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