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Die lithographische Steingravur

Wolfgang Walenski am Juli 14, 2010

Die Steingravur ist die edelste und schwierigste manuelle lithographische Steindruck- technik, die heute aber kaum noch ausgeübt wird. Dafür gab es früher eine besondere Berufssparte, den Gravurlithograph. Die richtige Ausübung der Steingravur verlangt höchstes handwerkliches Können und künstlerische Fähigkeit. Für die Steingravur wird ein fehlerfreier Lithographiestein von bester blau-grauer Qualität an der Oberfläche zunächst kratzerfrei geschliffen, geätzt und dann mit einer Lösung aus Gummiarabikum und Kleesalz poliert.

Dazu wird ein Filztampon verwendet. Danach wird der Stein sauber mit Wasser abgewaschen, getrocknet und an der Oberfläche mit Kienruß (Ruß von verbranntem harzreichen Holz) geschwärzt. Dann pauste der Gravurlithograph die Zeichnung durch und übertrug sie mit Rötelpapier auf den Stein, wonach er mit der Gravur beginnen kann. Die Zeichnung wird mit Graviernadeln, Schabern oder Diamantnadeln in den Stein eingeritzt (graviert). Das muss sehr sorgfältig ausgeführt werden, da jeder Strich genau sitzen soll. Denn es besteht keine Möglichkeit einer Korrektur. Deshalb müssen die Arbeitswerkzeuge wie Nadeln und Schaber immer scharf sein. Geschliffen werden sie auf einem Ölstein in verschiedenen Formen und Breiten. Die fertige Gravur (Zeichnung) wird zunächst mit Öl eingerieben und von einem Steindrucker von Hand mit einem Farbtampon eingeschwärzt. Es wird also nicht mit einer Handwalze eingewalzt, da das Zeichnungsbild tiefer liegt. Nach dem Einfärben kann von der Steingravur auf einer lithographischen Rakel-Handpresse ein Abzug gemacht werden. Dabei ist zu beachten, dass der Lithographiestein vor dem Einfärben natürlich leicht mit etwas saurem Wasser sehr knapp aber gleichmäßig gefeuchtet werden muss. Denn es ist ein Flachdruckverfahren.

Später wurden auch einfache manuell zu bedienende Graviermaschinen eingesetzt.

Die Steingravur fand vorwiegend Anwendung zur Herstellung von Briefköpfen, Rechnungen, Aktien und Scheckformularen.


Das Luxuspapier

Wolfgang Walenski am Mai 20, 2010

Das aus dem heutigen Sprachgebrauch verschwundene Wort „Luxuspapier“ entstand um 1860 und hatte Bestand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Es handelte sich dabei aber nicht um eine besondere farbige oder hochglänzende Papierqualität, sondern vielmehr um spezielle Produkte die aus Papier, Pappe oder Karton durch Stanzen, Kleben, Prägen, Kleben oder Ausschneiden entstanden.

Sie wurden oft von ganzen Familien in Handarbeit in meist unterbezahlter Heimarbeit hergestellt Gedruckt wurden sie auch in kleinen Betrieben im damals stark verbreiteten Steindruck (Chromolithographie), aber auch mit der Hand bemalt oder mit Gold- oder Glimmerpuder bestäubt. Es waren Lampenschirme, Sammelbilder,Topfmanschetten, Oblaten (Esspapier), Bild- und Glückwunschpostkarten, Knallbonbons vielerlei Karnevallsartikel, sogar Papiergardinen und Querbehänge für Türen und Fenster. Zu den Luxuspapieren gehörten ferner Apfelsinenpapier, Papierfächer, Lesezeichen, Kranzschleifen, Ausschneidebogen, Spitzenbordüren, Lampions, Luftschlangen, Laternen, Girlanden, Genrekarten, Zigarrenringe und Lebkuchenbilder.

Im Vordergrund standen dabei einseitig gestrichene Papiere die als Chromopapier bezeichnet wurden. Aber es gab auch schon sogenannte, meist einseitige, Buntpapiere die aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage schließlich zur Entstehung einer regelrechten Buntpapierindustrie führten die vielerlei Farben und die verschiedensten Prägungen einführten. Verarbeitet wurde auch Eispapier, dünnes Serviettenpapier, Krepppapier, Metallpapier, Mikadopapier, Schneeimatationen, Staniolpapier und sogenanntes Metapapier für die Herstellung von Abziehbilder. Es entstanden Maschinenfabriken für die Herstellung von Vergolde- und Prägepressen sowie Rill-,Ritz- und Nutmaschinen.
In Berlin zum Beispiel bestanden 1898 nicht weniger als 150 Luxuspapier- und Kartonagenfabriken, von denen 20 sogar mit 100 bis 500 Beschäftigten arbeiteten.

Viele der hier nur kurz erwähnten alten Luxuspapier-Produkte werden heute nach wie vor industriell an verschiedenen Stellen hergestellt, dann aber natürlich im Stil und Design unserer Zeit. Das reizvolle Luxuspapier damaliger Zeit findet man dagegen heute noch versteckt in kleinen und großen Pappkartons auf Antik- oder Flohmärkten. Allerdings haben sich die alten (meist kitschigen) Produkte zu einem interessanten und ernsthaften Sammelgebiet entwickelt und sind damit in den meisten Fällen keine billigen „Pfennigartikel“ mehr.

Wer sich intensiver und umfangreicher mit Luxuspapier beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch (380 Seiten): „Das ABC des Luxuspapier“ von Christa Pieske. (Antiquarisch) Es ist 1983 erschienen in Verbindung einer damaligen großen Ausstellung über Luxuspapiere im staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde Berlin.


Der lithographische Klatschdruck

Wolfgang Walenski am April 26, 2010

Klatschdrucke, auch Abklatschdrucke genannt, hatten für den Lithographen zur Anfertigung einer mehrfarbigen Lithographie (Chromolithographien) auf Stein, oder von Zink- und Aluminiumplatten nach vorhandenen Vorlagen eine wichtige Funktion. In unserer heutigen Fachsprache würde man sagen, dass Klatschdrucke die Voraussetzung waren für die Herstellung und für den Flachdruck von manuell hergestellten lithographischen Farbauszügen.

Denn sie gaben dem Lithographen für eine möglichst orginalgetreue drucktechnische Wiedergabe der mehrfarbigen Original-Bildvorlage, in Feder-, Pinsel-, Punktier-, Spritz- oder Kreidenmanier oder auch als Federzeichnung, genaue Anhaltspunkte für die vielen Einzelheiten, Konturen, Farbbegrenzungen und Umrisse, über die verschiedenen Farben, deren Farbnuancierungen, Tonwerte, Verläufe, Schattierungen und sonstige Details der Vorlage. Ergänzt wurden diese Einzelheiten dann auch noch durch mehrere Passerkreuze und durch einen Farbbalken.

Die Anfertigung von Klatschdrucken setzte voraus, dass sich der Lithograph von der zu lithographierenden Vorlage zunächst eine genaue Konturenzeichnung anfertigte. Das erfolgte nach verschiedenen Techniken mit Bleistift oder lithographischer Tusche unter bevorzugter Verwendung eines Transparentpapiers oder eines durchsichtig gemachten Papiers. Bei besonderen Arbeiten wurde manchmal auch eine Gelatinepause auf einem speziellen Gelatinepapier mit einer Graviernadel angefertigt. Danach erfolgte die Übertragung dieser Konturenzeichnung auf Stein, Aluminium oder Zink und man bekam die Konturenpaltte, die auch als Hauptplatte bezeichnet wurden. Davon wurden Abzüge auf einen so genannten Konturenkarton gemacht. Es war ein „undehnbarer“ standfester Kartonbogen der zusätzlich auch noch mit Zaponlack eingestrichen oder auf beiden Seiten vollflächig auf einer Steindruckmaschine mit Deckweiss bedruckt wurde, damit eine gute Standfestigkeit und Registergenauigkeit gegeben war. Denn es musste eine sehr gute Passergenauigkeit bei mehrfarbigen Arbeiten gewährleistet sein.

Nach dem Abdruck von der Konturen- oder Hauptplatte auf den Konturenkarton, der mit knapper Farbgebung vorgenommen werden musste, erfolgte mit schwingenden Bewegungen des Bogens das manuelle Einpudern mit feinst-gepulvertem Rötel (man findet deshalb in der Literatur auch die Bezeichnung „Rötelpause“) Berliner Blau oder Terra di Siena. Der Überschuss wurde durch Klopfen auf der Rückseite des Bogens entfernt. Danach wurden die eingepuderten Bogen zur Übertragung standgerecht auf die Oberfläche eines vorbereiteten Lithographiesteins einer Zink- oder Aluminiumplatte gelegt und unter Druck auf einer Steindruckpresse abgezogen.

Damit bekam der Lithograph durch die nichtdruckenden Puderkonturen genaue Anhaltspunkte und Vorgaben für das Lithographieren. Das Puder wurde nach Abschluss der Arbeiten durch das sich anschließende Ätzen und Gummieren entfernt. Die Anzahl solcher Klatschdrucke richtete sich nach der Anzahl der zu druckenden Farben.

Alte Patente für die Herstellung von Klatschdrucken:
DRP Nr. 47 939 ab 3.Juni 1888 von R.&E. Arnold, Leipzig
DRP Nr. 130 685 ab 20.Juni 1901 von H. u.R.Wilke, Berlin
DRP Nr. 299 993 ab 18. November 1916 von R.Fiedler, Chemnitz
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Literatur:
Hanns Eggen/Heinz Kraus: „Einführung in die Lithographie“, Eggen Fachbuchreihe, Hannover, 5.Auflage 1968
Friedrich Hesse:“Die Chromolithgraphie“ Wilhelm Knapp Verlag ,Halle (Saale). 1906
Prof.Karl Albert: „Lexikon der graphischen Techniken“ Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale) 1927


Der Lichtdruck

Wolfgang Walenski am April 20, 2010

Der Lichtdruck ist ein rasterloses Flachdruckverfahren (aber ein sehr edles) für hochwertige ein- und mehrfarbige Druckarbeiten. Gedruckt wird in der Regel auf einen geklebten Spezialkarton mit guter Lackierfähigkeit und vor allen Dingen guter Dimensionstabilität (für Passergenauigkeit).

Wenn es sich um einen gestrichenen Karton handelt, so wird außerdem wegen der sehr zügigen Druckfarben, eine sehr gute Rupffestigeit und auch Wasserfestigkeit verlangt. Bereits 1856 wurden die ersten Bilder nach dem Lichtdruckprinzip gedruckt und 1875 die ersten farbigen Arbeiten. Der Lichtdruck beruht auf der Beobachtung, dass Gelatine, mit bestimmten Salzen der Chromsäure – wie Ammoniumbichromat oder Kaliumbichromat- sensibilisiert, ihre Quellfähigkeit nach Belichten unter kurzwelligem Licht verliert. Wenn die Chromgelatine unter einem Halbtonnegativ belichtet wird, dann härten sich die verschiedenen mehr oder weniger stark entsprechend der Lichtdurchlässigkeit der Grauabstufungen des Halbtonnegativs.

Die Entwicklung der belichteten Platte ( mattierte Glasplatte von etwa 10mm) erfolgt unter Wasser. Diejenigen Stellen der Kopierschicht, die durch das Licht stark gehärtet wurden, schrumpfen ein und quellen unter Wasser nicht mehr auf. Sie nehmen beim Druck willig und viel Druckfarbe auf. Partien, die kein oder nur wenig Licht bekommen haben, quellen dagegen mehr oder weniger auf und nehmen Wasser beim Befeuchten der Druckform auf. Dadurch stoßen sie Druckfarbe an. Die Quellung und Trocknung der Gelatine führt zu dem für den Lichtdruck charakteristischen und sehr feinen Rinzelkorn. Dieses Runzelkorn ist so fein, dass man es nur unter einer Lupe oder einem Fadenzähler erkennen kann. Gedruckt wird auf einer Lichtdruckpresse, die einer Flachdruckpresse (Steindruckmaschine) sehr ähnlich ist. Gefeuchtet wird mit einer wässrigen Glycerinlösung.

Die Druckleistung liegt je nach Art der Arbeit lediglich bei 300-900 Drucken pro Tag. (!) Der Lichtdruck gehörte wegen des sehr feinen und nicht sichtbaren Runzelkorns und den dadurch auch bedingten feinen und sehr zahlreichen Tonwertabstufungen lange Zeit zu einem viel beachteten Verfahren für hochwertige Kunstdrucke. Er wird heute in Europa nur noch von sehr sehr wenigen Spezialbetrieben praktiziert, da nur in kleinen Auflagen und langsam gedruckt werden kann. Es gibt aber vom Lichtdruck-Kunst Leipzig e.V., der 1995 gegründet wurde, noch eine Lichtdruckwerkstatt. Seit einiger zeit wird in der Werkstatt wieder an verschiedenen Aufträgen gearbeitet, die das Weiterleben dieser Handwerkskunst hoffentlich ermöglicht.


Erlebniswelten schaffen durch Prägefoliendruck

Stefanie Schaetzler am April 15, 2010

Heutige Marken und Produkte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben eines gemeinsam: Der Kampf um Beliebtheit und Präsenz am Markt ist für sie alle hart und schwer. Die Konkurrenz steigt stetig, das Produkt allein vermag nicht mehr zu überzeugen. Strenge Kontrollen und Auflagen schaffen Produkte, welche allesamt meist qualitativ hochwertig sind. Wie sich also vom Rest abheben und sich als einzigartiges Gut am Markt platzieren?

Das Zauberwort heißt Druckveredelung. Eine ansprechende, sinnlich erfahrbare Präsentationsweise schafft Marktwert, hebt sich von anderen ab und bringt damit den entscheidenden Erfolg. Ein Produkt wird damit zu einem intensiven Erlebnis, neben dem eigentlichen Inhalt ist schon die bloße Verpackung ein sinnliches und reizvolles Erlebnis. Gerade der Prägefoliendruck schafft mittels Verformungen und verschiedenartigsten Materialien Sinneserlebnisse der besonderen Art. Unter Zuhilfenahme eines Stempels werden beim Prägefoliendruck verschiedene Motive in Oberflächen „gedrückt“. Unterschiedliche Prägefolien, welche sich durch Erhitzen mit dem Bedruckstoff verbinden, sorgen für kreative und individuelle Effekte. Je nach Grad der Verformung unterscheidet man dabei zwischen mehreren Verfahren: Planprägung, Strukturprägung, Micro-Embossing und Reliefprägung. Durch Kombination verschiedener Methoden ergeben sich weitere einmalige Effekte.

Das Spiel aus Schatten und Licht, Glanz und Mattheit, planen und mehrdimensionalen Flächen schafft Aufmerksamkeit. Botschaften wie Eleganz oder Modernität können dank eines ansprechenden Äußeren transportiert und einfach mit Marken und Produkten in Verbindung gebracht werden. Egal ob bei exklusiven Buchcovern oder Kunstreproduktionen: Prägefoliendrucke finden in nahezu allen Bereichen Anwendungsmöglichkeiten. Visuelle Effekte werden mit haptischen, also erfühlbaren Eigenschaften verbunden und schaffen ein kreatives, stilvolles und einzigartiges Produkt.


Spannung um den Erfinder des Buchdrucks

Anne Scheller am April 13, 2010

Auch wenn der Buchdruck in China schon im 6. Jahrhundert erfunden wurde – als Verwender von modernen Druckerzeugnissen berufen wir uns doch meist auf Johannes Gutenberg, der im ausgehenden Mittelalter den Druck mit beweglichen Lettern erfand. Diese kulturelle und wirtschaftliche Revolution ist spannender Hintergrund eines Romans von Matthew Skelton: Endymion Spring. Die Macht des geheimen Buches.

Der Roman, empfohlen ab 13 Jahren, aber auch für Erwachsene packend zu lesen, spielt an zwei Orten und Zeiten: Im Mainz des Jahres 1452-53 und im heutigen Oxford. Dort entdeckt Blake, ein von seiner Familie ziemlich genervter Junge, in einer Bibliothek ein merkwürdiges Buch: Seine Seiten sind völlig leer. Als Blake das nächste Mal nach dem leeren Buch fahndet, ist es verschwunden.
Parallel dazu wird der Leser in das mittelalterliche Mainz in die Werkstatt von Johannes Gutenberg entführt. Hier beobachtet der junge Gehilfe Endymion Spring, wie Gutenbergs finsterer Geschäftspartner Faust eine schwere Kiste in die Werkstatt bringt. Diese ist mit schrecklichen Symbolen gekennzeichnet und versteckt etwas unvorstellbar Wertvolles: Drachenhaut! Hieraus will Faust ein Buch herstellen, das ihm alle Geheimnisse Gottes und der Erde verrät. Doch Endymion und Fausts Diener Peter wissen, dass dem machthungrigen Faust mit so einem Buch nicht zu trauen ist. Also stiehlt Endymion die Drachenhaut und macht sich auf die beschwerliche Reise nach England, wo er das Buch in einer neuen, großen Bibliothek verbergen will.

In Blakes Leben in Oxford wird derweil alles immer merkwürdiger. Ein Obdachloser schenkt ihm einen Origami-Drachen, der offenbar aus einer Seite des leeren Buches gefaltet ist. Dieses ist, wie Blake mit Hilfe des netten – oder doch nicht so netten? – Professors Jolyon herausfindet, ein Wegweiser zum sogenannten „Letzten Buch“, das alle Geheimnisse der Welt enthält. Doch langsam wird es gefährlich: Eine schwarze Seite im leeren Buch kündigt Blake an, dass er beobachtet wird. Schließlich macht Blake sich auf die Suche nach dem „Letzten Buch“, tief hinein in die unterirdischen Magazine der Oxforder Bodleian Library. Doch er und seine Schwester Duck werden verfolgt und plötzlich ist Duck verschwunden…

Endymion Spring ist eine spannende Lektüre rund um die Magie der Bücher, die viele von uns so gut kennen. Nebenbei ist es ein lehrreiches Buch, das in die Welt des Mittelalters und in die Werkstatt des ersten Buchdruckers entführt. Ein tolles Leseerlebnis für kühle Frühlingstage!


Das Perforieren

Wolfgang Walenski am April 11, 2010

Perforieren ist das Stanzen oder Schneiden von vielen hintereinander oder nebeneinander in einer Linie liegenden kleinen regelmäßigen Löchern oder Schlitzen.

Sie dienen zum Trennen von Teilen eines Druckproduktes z.B. bei Briefmarken, Kalender, Antwortkarten, Mailings usw. Perforiert wird auch beim Falzen zur Vermeidung von Quetschfalten und Stanzperforationen erfolgen bei Kamm- und Spiralbindungen. Bei Endlosformularen gibt es die Quer- und Längsperforation.

Es wird unterschieden zwischen:

  • Lochperforationen: Mit einem Perforierkamm, dessen nadelförmiger Oberstempel in einer Stempelplatte befestigt ist und in der Führungsplatte des Unterwerkzeugs, erfolgt eine lineare Perforation. Perforierräder die sich im ständigen Eingriff mit dem Unterwerkzeug befinden, werden für rotatives Perforieren eingesetzt. Lochperforationen erfolgen in linearen oder rotativ arbeitenden Perforiermaschinen.
  • Schlitz- oder Strichperforationen erfolgen in einer Falzmaschine, in einer rotativ arbeitenden Perforiermaschine, im Stanztiegel oder in einem Stanzautomat. Sie werden dabei mit Perforierkreismesser gegen Untermesser rotativ oder mit einem Bandstahlschnitt gegen eine Stanzunterlage durchgeführt.
  • Stanz-Perforationen für die Kamm- oder Spiralbindung: Sie erfolgen mit einem speziellen Perforierkamm in linearen Perforiermaschinen oder in Stanzautomaten
  • Querperforationen: Sie unterteilen die bedruckte Bahn auf Endlosformularmaschinen in einzelne Formulare und ermöglichen die Trennung. Die Querperforation ist Voraussetzung für die Ablage der endlosen Bahn im Zick-Zack-Falz.
  • Längs-Perforationen: Sie werden links und rechts der Endlosfomulare zum Abtrennen des Führungslochrandes angebracht.
  • Mikroperforationen: Hier sind Steg + Schnitt so fein abgestuft, dass nach der Trennung keine einzelnen Stege mehr erkennbar sind und somit der Eindruck einer Schnittkante entsteht. Man unterscheidet Mikroperforationen mit 48 oder 72 Zähnen pro Zoll ( 1 Zoll=25,4 mm)
  • Inline-Perforationen: Sie können direkt in einer Bogen-Offsetmaschine mit einem patentierten Perforationssystem (z.B. Cito-System oder PPP-Inline-System) praktiziert werden oder bei kleinformatigen Offsetmaschinen durch ein Zusatz- oder Vorsatzaggregat. Dabei werden selbstklebende Perforierbänder verwendet.

Die Prüfung der Festigkeit von Querperforationen bei Endlosformularen kann in einem FOGRA-Perforationsmessgerät vorgenommen werden. Dabei wird das perforierte Probenblatt zwischen zwei Spannklemmen fixiert. Durch das Drehen an einem Handrad wird die Probe zerrissen und die dafür aufgewandte Reißkraft direkt an einer Messuhr in Newton angegeben.


Der Renckdruck

Wolfgang Walenski am April 8, 2010

Beim Renckdruck handelt sich um eine Erfindung von Heinrich Renck, Hamburg, aus dem Jahre 1930. Er entwickelte ein Verfahren, um von einer speziellen Flachdruckplatte ohne Feuchtung drucken zu können. Es war praktisch ein wasserloser Flachdruck. Er dachte dabei aber nicht generell an die Ausschaltung des Feuchtmittels um damit die stets verbundenen drucktechnischen Probleme des Flach- und Offsetdrucks in der Wechselwirkung mit der Druckfarbe zu vermeiden. Sein Ziel war vielmehr die Vereinfachung und Abkürzung der zeitaufwendigen Zeitungsstereotypie, also des Abformens (Herstellung einer Mater) und danach des Gießens und Bearbeitens eines Rundstereos für den Zeitungs-Hochdruck aus einer Blei-, Antimon-, Zinnlegierung.

Das Renck-Verfahren wurde in der Weise praktiziert, dass auf einer von Koenig & Bauer speziell für den Renckdruck konstruierten Presse zunächst ein Umdruck erfolgte. Dabei wurde zunächst die auf einem Fundament gebettete und geschlossene Hochdruck-Zeitungsform von einem Farbwerk eingefärbt. Danach erfolgte die Übertragung der Druckfarbe auf einen Gummizylinder und von diesem dann auf einen sogenannten Plattenzylinder auf dem die Spezialplatte des Renckverfahrens befestigt war. Es war eine blanke glatte Messingplatte die mit einem Nickelniederschlag versehen war. Auch die Rückseite der Platte war glatt. In der Praxis mußte auf eine einwandfreie Übertragung der Schrift und auch der gerasterten Klischees (Strichätzungen, Autotypien) geachtet werden. Gute Übertragung hieß gute Farbdeckung, kein Quetschen oder Schieben.

Nach dem Umdruck, also nach der Übertragung der Druckfarbe von der Zeitungs-Form über das Gummituch auf die Oberfläche der Renckplatte (nach dem Offsetprinzip) wurde das Druckbild mit Asphaltpuder eingestaubt, talkumiert und unter hohen Temperaturen eingebrannt, d.h. der Asphalt wurde angeschmolzen und bildete dadurch eine widerstandsfähige Schicht. Bei dem sich anschließenden Entwickeln wurde der Nickelniederschlag an Stellen ohne Druckbild (Asphalt) entfernt. Schließlich wurde die Platte abschließend mit Wasser abgespült und in ein Amalgambad ( Legierung aus Quecksilber, Silber,Kupfer,Zinn und Zink) getaucht. Die mit diesem Amalgamniederschlag versehenen Stellen wurden farbabstoßend ohne das es notwendig gewesen wäre, die Flachdruckplatte vor jedem Einfärben mit einem Feuchtigkeitsschleier zu versehen.

Verwendet wurden diese Platten für den direkten Flachdruck im Zeitungsrotationsdruck, also für den Druck nicht vom Stereo sondern direkt von der wasserlosen Flachdruckplatte auf die Oberfläche des Papiers. Voraussetzung für ein gutes Ausdrucken, auch von feinen Rasterpartien, war ein sehr weicher, elastischer Aufzug (Gegendruck) damit sich die relativ rauhen Zeitungs-Rotationspapiere gut an die starre und unflexible Flachdruckplatte zur Übertragung der Druckfarbe anschmiegen konnten (Diese Technik wurde später bei Verwendung von gekörnten Zinkdruckplatten auch als Zinkdruck oder Di-Litho bei Verwendung von Alumniumplatten als Algraphie, Aluminiumdruck oder auch Algraphischer Druck bezeichnet, dann allerdings mit Feuchtung,) 

Da der Amalgamniederschlag auf der Messingplatte des Renckverfahrens nicht sehr stabil und auflagenbeständig war, wurde empfohlen, auch der Druckfarbe Amalgamsalz zuzugeben oder sogar eine stark verdünnte Lösung während des Auflagendrucks auf die Farbwalzen zu spritzen.

Mehrere 1-farbig schwarz gedruckte Original-Druckmuster mit Text und Raster-Autotypien auf einem einfachen holzhaltigen Papier befinden sich im Klimschs Jahrbuch von 1930. Man kann diese Muster sicherlich auch als eine “Inkunabel” des wasserlosen Flachdrucks bezeichnen.

Anmerkung:
Es sei vermerkt, dass Quecksilber, wie es für den beschriebenen Renckdruck verwendet wurde, ein stark toxisches Material ist. Deshalb ist aus Gründen des gegenwärtigen Arbeits- und Umweltschutzes das Inverkehrbringen und Verwenden von organischen und anorganischen Quecksilberverbindungen in vielen Bereichen heute verboten .

Literaturhinweise:
1) Ernst Herbst: “Der Flachdruck ohne Feuchtung” in Klimschs Jahrbuch 1932; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1932
2.)Prof. Franz Bauer : “ Ein neues Druckverfahren”,in : Klimschs Jahrbuch 1930; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1930
3.) Prof. Karl Albert: “Lexikon der Graphischen Techniken”; Verlag von Wilhelm Knapp, Halle (Saale) 1927


Bleisatz und Buchdruck

Marc-Michael Schoberer am April 6, 2010

„Value added Printing – Drucken mit Mehrwert“

Stefanie Schaetzler am März 30, 2010

Informationsflut bestimmt unseren Alltag. Tag für Tag überschwemmen uns Unmengen an Neuigkeiten, Nachrichten und Informationen. Hier zu selektieren wird oft schwierig, die schiere Nachricht allein reicht oft nicht mehr aus, um als alleiniges Auswahlkriterium zu fungieren. Desensibilisierung lautet hier das Stichwort. Inhalt allein schafft es nicht mehr, unsere Aufmerksamkeit zu erhalten. Das neue Erfolgsrezept, um Inhalt zu kommunizieren, lautet Emotionalisierung. Trotz Informationsübersättigung lässt sich dank Emotionalisierung Aufmerksamkeit generieren.

Gerade im Printbereich sind diesen Emotionen keinerlei Grenzen gesetzt. Value added Printing geht dabei sogar einen Schritt weiter: Emotionalisierung durch Sinneswahrnehmungen. Haptik und Optik werden angesprochen, auch olfaktorische Wahrnehmungen werden erzeugt. So erlauben z.B. hochpigmentierte Farben eine nie dagewesene Farbraumerweiterung und das Spiel mit den Farben wird zu etwas Neuem und Faszinierendem. Verschiedene Stoffe wie Papier, Karton oder Samt sorgen ihrerseits wiederum für unterschiedliche Sinneseindrücke. Die Materialien werden sowohl erfühlt, gesehen als auch akustisch wahrgenommen. Lackierungen führen zu glänzenden Momenten, Prägetechniken und 3D Effekte sorgen für berühmt-berüchtigte AHA-Erlebnisse. Nicht zuletzt resultieren auch Duftlacke in Eindrücken der besonderen Art.

Die Kombination aus Design, Materialwahl und Veredelung schafft so ein einmaliges Produkt. Vor allem durch die Veredelung entsteht ein Produkt, welches dem Empfänger einen Mehrwert bietet. Denn gerade im Zuge der Emotionalisierung wird bei der Veredelung stark auf die Interessen der Zielgruppen geachtet. So avancieren zum Beispiel besonders aufwändig verarbeitete und veredelte Printprodukte zu wertvollen und einmaligen Sammlerstücken.

Hat man die Aufmerksamkeit des/der EmpfängerIn erlangt, zählt freilich der Inhalt. Doch bis zu diesem Punkt stellt das Value added Printing mit seinen zahlreichen, sinnlichen Veredelungsvarianten und dem umfassenden, greifbaren Erlebnis, einen Garant für Erfolg dar. Lassen Sie uns im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ was wir da vor uns haben.

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