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Falzkleben und Falzbefeuchten im Rollenoffsetdruck

Wolfgang Walenski am Mai 3, 2010

Das Falzkleben in einer Rollenoffset-Druckmaschine, auch als “rotatives Falzkleben” bezeichnet, gehört zu den häufigsten und darum auch wichtigsten Möglichkeiten im Bereich der Druckweiterverarbeitung. Um den vielfältigen Ansprüchen an die Technik der Leimübertragung und auch den hohen Anforderungen an die Qualität einer Falzklebung zu entsprechen, haben sich im Laufe der Entwicklung eine Reihe von Systemen und Möglichkeiten entwickelt.

Die Anforderungen bestehen darin, daß unter Berücksichtigung hoher und auch wechselnder Verarbeitungsgeschwindigkeiten der bedruckten Papierbahn, der Druckbilddichte, d.h. der mehr oder weniger geschlossenen Farbschicht und der sehr unterschiedlichen Papierqualitäten, mit ihren sehr differenzierten Saugfähigkeiten, eine möglichst sehr dünne, gleichmäßige und sich nicht verbreiternden Leimspur passergenau von hoher Haltbarkeit übertragen wird. Das stellt sowohl hohe Anforderungen an die Technik der Leimübertragung als auch an den Klebstoff.
Denn nur eine Verankerung in der Druckfarbe bzw. der Papieroberfläche führt zu einer sicheren und festenVerklebung.
Längsklebung
Zur Standardausrüstung einer 16-Seiten Rollenoffset-Druckmaschine gehört bereits eine Längsklebeeinrichtung für intermittierende Falzklebung für Druckprodukte von 8-, 12-, 16- und 2×8-Seiten im Format A4. Bei der Längsklebung im Kontakt zwischen Bahn und Auftragskopf erfolgt die Übertragung der Leimspur praktisch durch den Sog, den die Bahn im Kontakt auf die etwa 0,5 bis 1,0 mm Düsenöffnung ausübt.

Dabei werden heute Leimunterbrechungen von 15 mm am Cut-off bei einer Geschwindigkeit bis zu 18 m/sec. erreicht.
Querleimung
Das marktgängigste Druckprodukt als vielfältiger Werbeträger ist ein Druckprodukt mit 8 Seiten im Format A4. Solche Arbeiten werden heute nahezu ausschließlich mit Falzklebung auf Maschinen mit liegendem Format gedruckt, wobei eine passergenaue, sehr schmale, quer zur Laufrichtung liegende Beleimung erfolgt.Es gibt aber auch Druckereibetriebe, die bereits in der Lage sind, im liegenden Druckformat 32 Seiten A4 im Falz zu verkleben. Das bedeutet, dass dabei sieben Leimstriche quer zur Bahn aufgebracht und passergenau zueinander koordiniert werden müssen. Sie weisen jeweils eine exakte Aneinanderreihung von Löchern mit einem Durchmesser von 0,8mm und 0,5 mm Tiefe auf. Unter Spannung umschließt die Papierbahn bei der Produktion das zylindrische Leimaggregat, und es kommt durch die Fliehkraft und durch die physikalischen Gesetze der Kohäsion und Adhäsion zu einer Übertragung einer dünnen, punktierten Leimspur. Diese moderne Technik wird als “Querleimung” bezeichnet. Die dafür notwendigen Querleimwerke sind rotierende Systeme ( z.B. OPIMATIC Querleimwerke) für schnellaufender Papierbahnen sowohl im Rollenoffset- als auch im Tiefdruck. Sie erfolgt in Falzapparaten der Offset-Rotationsmaschine auf bedruckte Papierbahnen an papierbezogen vorbestimmten Stellen durch einen quer zur Laufrichtung liegenden punktierten Leimstreifen.

Die Querleimung läßt sich heute also den vielfältigsten und auch laufend steigenden. Anforderungen des Rollenoffsetdrucks anpassen. 
Falzbefeuchtung
Bei der sogenannten “Falzbefeuchtung” handelt es sich um ein System, das unter der Bezeichnung “Softjet” ein neues, von Planatol entwickeltes, Auftragesystem darstellt, mit dem die Möglichkeit besteht, die Biegesteifigkeit des Papiers herabzusetzen. Dadurch wird sowohl eine bessere Falzgenauigkeit als auch ein glatteres Aufliegen der Falzprodukte erreicht. Bei zunehmend anspruchsvoller werdenden Druckerzeugnissen mit seitenübergreifenden Layouts (Panoramadruck) ist das Falzbefeuchten eine wichtige technische Unterstützung, um Rollenoffsetarbeiten auf ein hohea Qualitätsniveau zu stellen

Literatur: Wolfgang Walenski:”Der Rollenoffsetdruck” Fachschriften-Verlag,Fellbach


Regelmäßig treffen sich Entscheider der Druckindustrie mit den Hamburger Unternehmensberatern Apenberg + Partner, um in dieser Runde über Trends und Strategien zu diskutieren. 40 Manager, Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder aus den Bereichen Weiterverarbeitung, Akzidenzdruck, Etikettendruck und aus der grafischen Weiterverarbeitung kamen nach Stuttgart, um sich mit der Zukunft der Druckbranche auseinanderzusetzen.

An Michael Apenberg, Geschäftführer von Apenberg + Partner, war es an diesem Tag, die Entwicklungen der kommenden Jahre aufzuzeigen. Und die Prognose der Unternehmensberater ist zunächst erst einmal wenig erfreulich. Um drei Milliarden Euro, so die Einschätzung von Apenberg + Partner, wird das Volumen für Druckleistungen auf dem deutschen Markt in den kommenden fünf Jahren geringer werden.

Gründe für diese rückläufige Branchenentwicklung sind nach Meinung der Berater ein verändertes Kommunikationsverhalten, die stete Verdrängung durch digitale Medien und das bei der Beschaffung von Werbemitteln zunehmend versucht wird, Redundanzen zu vermeiden. Des einen Leid ist in der Regel eines anderen Freud und so gibt es auch hier Gewinner innerhalb der Branche. Zu nennen sind an erster Stelle die Internetdruckereien, der Digitaldruck und Web-to-Print. Gerade die Internetdruckereien schaffen es gegen den Trend der Branche, ihre Umsätze jährlich zu verdoppeln. Allerdings ist wird diese Entwicklung früher oder später beendet sein, da der Großteil der Branchenleistungen, so die Einschätzung der Berater, für den Workflow einer Internetdruckerei eher ungeeignet sind. Das prognostizierte Marktpotenzial für Internetdruckereien läge daher bei rund fünf Milliarden Euro.

Aus der Einschätzung von Apenberg + Partner wird deutlich, dass die Druckindustrie vor einem Strukturwandel steht. So wird es in den nächsten fünf Jahren zu einer weiteren Konzentration der Unternehmen kommen. Gemäß der Prognose der Hamburger Unternehmensberater werden etwa 3.500 Firmen aufgeben oder fusionieren. Erstmalig betroffen sind diesmal auch Zeitungsdruckereien. Hierzu erklärt Michael Apenberg: “Die meisten Zeitungsverlage produzieren im Vergleich zu ihren Kollegen aus dem Heatset-Rollenoffset viel zu teuer, so dass die Neuinvestition in eine Druckmaschine nach alten und festgefahrenen Kosten- und Tarifstrukturen keinen Sinn ergibt.”

Nach der Krise ist vor der Krise, oder wie muss man diese düsteren Prognosen deuten? Fakt ist, dass es auch in den nächsten Jahren für die Druckindustrie nicht einfach werden wird. Zu groß sind die Veränderungen im Mediennutzungsverhalten der Menschen, zu verführerisch die neuen technologischen Möglichkeiten. iPad & Co. stehen natürlich in Konkurrenz zu den tradierten Kommunikationsmitteln. Dies muss von der Branche heute erkannt werden, um so früh wie möglich darauf reagieren zu können.

Es heißt also wieder: “Nicht jammern, Service verbessern und nah am Kunden sein!”


Der lithographische Klatschdruck

Wolfgang Walenski am April 26, 2010

Klatschdrucke, auch Abklatschdrucke genannt, hatten für den Lithographen zur Anfertigung einer mehrfarbigen Lithographie (Chromolithographien) auf Stein, oder von Zink- und Aluminiumplatten nach vorhandenen Vorlagen eine wichtige Funktion. In unserer heutigen Fachsprache würde man sagen, dass Klatschdrucke die Voraussetzung waren für die Herstellung und für den Flachdruck von manuell hergestellten lithographischen Farbauszügen.

Denn sie gaben dem Lithographen für eine möglichst orginalgetreue drucktechnische Wiedergabe der mehrfarbigen Original-Bildvorlage, in Feder-, Pinsel-, Punktier-, Spritz- oder Kreidenmanier oder auch als Federzeichnung, genaue Anhaltspunkte für die vielen Einzelheiten, Konturen, Farbbegrenzungen und Umrisse, über die verschiedenen Farben, deren Farbnuancierungen, Tonwerte, Verläufe, Schattierungen und sonstige Details der Vorlage. Ergänzt wurden diese Einzelheiten dann auch noch durch mehrere Passerkreuze und durch einen Farbbalken.

Die Anfertigung von Klatschdrucken setzte voraus, dass sich der Lithograph von der zu lithographierenden Vorlage zunächst eine genaue Konturenzeichnung anfertigte. Das erfolgte nach verschiedenen Techniken mit Bleistift oder lithographischer Tusche unter bevorzugter Verwendung eines Transparentpapiers oder eines durchsichtig gemachten Papiers. Bei besonderen Arbeiten wurde manchmal auch eine Gelatinepause auf einem speziellen Gelatinepapier mit einer Graviernadel angefertigt. Danach erfolgte die Übertragung dieser Konturenzeichnung auf Stein, Aluminium oder Zink und man bekam die Konturenpaltte, die auch als Hauptplatte bezeichnet wurden. Davon wurden Abzüge auf einen so genannten Konturenkarton gemacht. Es war ein „undehnbarer“ standfester Kartonbogen der zusätzlich auch noch mit Zaponlack eingestrichen oder auf beiden Seiten vollflächig auf einer Steindruckmaschine mit Deckweiss bedruckt wurde, damit eine gute Standfestigkeit und Registergenauigkeit gegeben war. Denn es musste eine sehr gute Passergenauigkeit bei mehrfarbigen Arbeiten gewährleistet sein.

Nach dem Abdruck von der Konturen- oder Hauptplatte auf den Konturenkarton, der mit knapper Farbgebung vorgenommen werden musste, erfolgte mit schwingenden Bewegungen des Bogens das manuelle Einpudern mit feinst-gepulvertem Rötel (man findet deshalb in der Literatur auch die Bezeichnung „Rötelpause“) Berliner Blau oder Terra di Siena. Der Überschuss wurde durch Klopfen auf der Rückseite des Bogens entfernt. Danach wurden die eingepuderten Bogen zur Übertragung standgerecht auf die Oberfläche eines vorbereiteten Lithographiesteins einer Zink- oder Aluminiumplatte gelegt und unter Druck auf einer Steindruckpresse abgezogen.

Damit bekam der Lithograph durch die nichtdruckenden Puderkonturen genaue Anhaltspunkte und Vorgaben für das Lithographieren. Das Puder wurde nach Abschluss der Arbeiten durch das sich anschließende Ätzen und Gummieren entfernt. Die Anzahl solcher Klatschdrucke richtete sich nach der Anzahl der zu druckenden Farben.

Alte Patente für die Herstellung von Klatschdrucken:
DRP Nr. 47 939 ab 3.Juni 1888 von R.&E. Arnold, Leipzig
DRP Nr. 130 685 ab 20.Juni 1901 von H. u.R.Wilke, Berlin
DRP Nr. 299 993 ab 18. November 1916 von R.Fiedler, Chemnitz
________________________________________________________
Literatur:
Hanns Eggen/Heinz Kraus: „Einführung in die Lithographie“, Eggen Fachbuchreihe, Hannover, 5.Auflage 1968
Friedrich Hesse:“Die Chromolithgraphie“ Wilhelm Knapp Verlag ,Halle (Saale). 1906
Prof.Karl Albert: „Lexikon der graphischen Techniken“ Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale) 1927


FOGRA-Symposium Digitaldruck trifft Offset

Wolfgang Walenski am April 22, 2010

Die Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V. veranstaltet am 17. und 18. Juni 2010 in München ihr zweites Digitaldruck-Symposium. Namhafte Praktiker, Wissenschaftler und Hersteller werden in 18 Vorträgen über neue Erkenntnisse und Entwicklungen dieses Bereichs der Druckindustrie berichten. Das Symposium richtet sich an alle Unternehmen, die bereits digital drucken oder ihr Produktspektrum durch den Digitaldruck ergänzen möchten und einen Einstieg in die noch junge Technologie in Erwägung ziehen. Es soll aufzeigen, wie digitale Drucksysteme sinnvoll in eine konventionelle Druckumgebung integriert werden können.

Hier die Schwerpunkthemen:

* Technologie und Märkte des Digitaldrucks
* Digitaldruck und Offsetdruck aus einer Hand
* Was kann der Digitaldruck – und was nicht ?
* Logistik und strategische Ausrichtung der Unternehmen
* Qualitätssicherung im Digitaldruck
* Zukunftsaussichten

Ort des Symposiums: Konferenzzentrum Sheraton München, Arabellapark
Anmeldung: www.fogra.org


Die European Waterless Printing Association wurde 1996 von weitsichtigen Druckachleuten gegründet. Entsprechend ihrer Satzung besteht die Aufgabe darin, durch Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiete des wasserlosen Offsetdrucks den Gebrauch von Feuchtmitteln zu vermeiden und die Umwelt dadurch vor Belastungen von Luft und Wasser zu schützen. Dieses Ziel verfolgt ebenfalls schon seit vielen Jahren die WAP (Waterless Printing Association USA) und auch die JWPA (Japan Waterless Printing Association).

Die europäische EWPA (Chairman EWPA: Detlef Braun) hat jetzt einen neuen Newsletter herausgebracht, der regelmäßig über das Marktgeschehen des wasserlosen Offsetdrucks berichten wird.
Themen der 1. Ausgabe:

  • 1. Konferenz „Energieeffiziens und Produktivitätssteigerung“ durch den wasserlosen Offsetdruck am 22. April 2010 an der Bergischen Universität Wuppertal
  • Der wasserlosen Offsetdruck in der polnischen Druckerei CENTRUM,
  • Neuer Zertifizierungsstandard für den wasserlosen Offset
  • CONTITECH Gummituch-Symposium

Weitere Informationen unter:
www.ewpa.org
info@ewpa.org


Spannung um den Erfinder des Buchdrucks

Anne Scheller am April 13, 2010

Auch wenn der Buchdruck in China schon im 6. Jahrhundert erfunden wurde – als Verwender von modernen Druckerzeugnissen berufen wir uns doch meist auf Johannes Gutenberg, der im ausgehenden Mittelalter den Druck mit beweglichen Lettern erfand. Diese kulturelle und wirtschaftliche Revolution ist spannender Hintergrund eines Romans von Matthew Skelton: Endymion Spring. Die Macht des geheimen Buches.

Der Roman, empfohlen ab 13 Jahren, aber auch für Erwachsene packend zu lesen, spielt an zwei Orten und Zeiten: Im Mainz des Jahres 1452-53 und im heutigen Oxford. Dort entdeckt Blake, ein von seiner Familie ziemlich genervter Junge, in einer Bibliothek ein merkwürdiges Buch: Seine Seiten sind völlig leer. Als Blake das nächste Mal nach dem leeren Buch fahndet, ist es verschwunden.
Parallel dazu wird der Leser in das mittelalterliche Mainz in die Werkstatt von Johannes Gutenberg entführt. Hier beobachtet der junge Gehilfe Endymion Spring, wie Gutenbergs finsterer Geschäftspartner Faust eine schwere Kiste in die Werkstatt bringt. Diese ist mit schrecklichen Symbolen gekennzeichnet und versteckt etwas unvorstellbar Wertvolles: Drachenhaut! Hieraus will Faust ein Buch herstellen, das ihm alle Geheimnisse Gottes und der Erde verrät. Doch Endymion und Fausts Diener Peter wissen, dass dem machthungrigen Faust mit so einem Buch nicht zu trauen ist. Also stiehlt Endymion die Drachenhaut und macht sich auf die beschwerliche Reise nach England, wo er das Buch in einer neuen, großen Bibliothek verbergen will.

In Blakes Leben in Oxford wird derweil alles immer merkwürdiger. Ein Obdachloser schenkt ihm einen Origami-Drachen, der offenbar aus einer Seite des leeren Buches gefaltet ist. Dieses ist, wie Blake mit Hilfe des netten – oder doch nicht so netten? – Professors Jolyon herausfindet, ein Wegweiser zum sogenannten „Letzten Buch“, das alle Geheimnisse der Welt enthält. Doch langsam wird es gefährlich: Eine schwarze Seite im leeren Buch kündigt Blake an, dass er beobachtet wird. Schließlich macht Blake sich auf die Suche nach dem „Letzten Buch“, tief hinein in die unterirdischen Magazine der Oxforder Bodleian Library. Doch er und seine Schwester Duck werden verfolgt und plötzlich ist Duck verschwunden…

Endymion Spring ist eine spannende Lektüre rund um die Magie der Bücher, die viele von uns so gut kennen. Nebenbei ist es ein lehrreiches Buch, das in die Welt des Mittelalters und in die Werkstatt des ersten Buchdruckers entführt. Ein tolles Leseerlebnis für kühle Frühlingstage!


Die Berliner Ernst-Litfaß-Schule, Oberstufenzentrum Druck- und Medientechnik, will sowohl angehende Fachkräfte in den unterschiedlichsten Medienberufen als auch künftige Studenten bestmöglich auf die Arbeitswelt vorbereiten. Ab August 2010 bietet die Schule zudem Fachkräften die Möglichkeit an, sich weiterzubilden und somit zum staatlich geprüften Techniker bzw. Technikerin für die Druck- und Medientechnik zu qualifizieren.

Innerhalb von dreieinhalb Jahren werden den Teilnehmern Inhalte wie betriebliches Rechnungswesen, Crossmedia-Publishing, Printmedien-Produktion und Weiterverarbeitung sowie Auftrags- und Qualitätsmanagement, Medienrecht, Personalführung und –entwicklung vermittelt. Ziel der Ausbildung ist es, dass sich die Fachkräfte auf diesem Weg zu breit aufgestellten Führungskräften entwickeln, die Aufgaben im mittleren Management übernehmen können.

Die Technikerausbildung an der staatlichen Fachschule ist für alle kostenlos und erfolgt berufsbegleitend über einen Zeitraum von sieben Semestern. Die Veranstaltungen werden in der Regel am Abend, am Wochenende oder als Block durchgeführt. Darüberhinaus gibt es die Möglichkeit auf einer E-Learning-Plattform individuelle Lernzeiten zu wählen und sich dann per Selbststudium weiterzubilden.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bereich Druck und Medien und Minimum ein halbes Jahr praktische Berufserfahrung. Weitere sechs Monate sind zudem im Laufe des Fachschulstudiums vorzuweisen.

Am Ende von ca. 2.400 Stunden Weiterbildung winkt die Qualifikation zum staatlich geprüften Techniker mit der Fachrichtung Druck- und Medientechnik, Schwerpunkt Crossmedia-Publishing. Diese umfassende allgemeine, betriebswirtschaftliche und technische Qualifikation befähigt den Teilnehmer des Kurses, technische Aufgaben unter Berücksichtigung organisatorischer und betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge zu lösen.

Bei wem nun die Neugier geweckt wurde, der kann sich auf der Homepage der Ernst-Litfaß-Schule anmelden und erhält zudem weitere Informationen.
Wer noch ein wenig mehr über das genaue Tätigkeitsfeld eines Medien- und Drucktechnikers wissen möchte, dem wird dieses, wenn auch nicht mehr ganz so aktuelle PDF weiterhelfen.


Der Renckdruck

Wolfgang Walenski am April 8, 2010

Beim Renckdruck handelt sich um eine Erfindung von Heinrich Renck, Hamburg, aus dem Jahre 1930. Er entwickelte ein Verfahren, um von einer speziellen Flachdruckplatte ohne Feuchtung drucken zu können. Es war praktisch ein wasserloser Flachdruck. Er dachte dabei aber nicht generell an die Ausschaltung des Feuchtmittels um damit die stets verbundenen drucktechnischen Probleme des Flach- und Offsetdrucks in der Wechselwirkung mit der Druckfarbe zu vermeiden. Sein Ziel war vielmehr die Vereinfachung und Abkürzung der zeitaufwendigen Zeitungsstereotypie, also des Abformens (Herstellung einer Mater) und danach des Gießens und Bearbeitens eines Rundstereos für den Zeitungs-Hochdruck aus einer Blei-, Antimon-, Zinnlegierung.

Das Renck-Verfahren wurde in der Weise praktiziert, dass auf einer von Koenig & Bauer speziell für den Renckdruck konstruierten Presse zunächst ein Umdruck erfolgte. Dabei wurde zunächst die auf einem Fundament gebettete und geschlossene Hochdruck-Zeitungsform von einem Farbwerk eingefärbt. Danach erfolgte die Übertragung der Druckfarbe auf einen Gummizylinder und von diesem dann auf einen sogenannten Plattenzylinder auf dem die Spezialplatte des Renckverfahrens befestigt war. Es war eine blanke glatte Messingplatte die mit einem Nickelniederschlag versehen war. Auch die Rückseite der Platte war glatt. In der Praxis mußte auf eine einwandfreie Übertragung der Schrift und auch der gerasterten Klischees (Strichätzungen, Autotypien) geachtet werden. Gute Übertragung hieß gute Farbdeckung, kein Quetschen oder Schieben.

Nach dem Umdruck, also nach der Übertragung der Druckfarbe von der Zeitungs-Form über das Gummituch auf die Oberfläche der Renckplatte (nach dem Offsetprinzip) wurde das Druckbild mit Asphaltpuder eingestaubt, talkumiert und unter hohen Temperaturen eingebrannt, d.h. der Asphalt wurde angeschmolzen und bildete dadurch eine widerstandsfähige Schicht. Bei dem sich anschließenden Entwickeln wurde der Nickelniederschlag an Stellen ohne Druckbild (Asphalt) entfernt. Schließlich wurde die Platte abschließend mit Wasser abgespült und in ein Amalgambad ( Legierung aus Quecksilber, Silber,Kupfer,Zinn und Zink) getaucht. Die mit diesem Amalgamniederschlag versehenen Stellen wurden farbabstoßend ohne das es notwendig gewesen wäre, die Flachdruckplatte vor jedem Einfärben mit einem Feuchtigkeitsschleier zu versehen.

Verwendet wurden diese Platten für den direkten Flachdruck im Zeitungsrotationsdruck, also für den Druck nicht vom Stereo sondern direkt von der wasserlosen Flachdruckplatte auf die Oberfläche des Papiers. Voraussetzung für ein gutes Ausdrucken, auch von feinen Rasterpartien, war ein sehr weicher, elastischer Aufzug (Gegendruck) damit sich die relativ rauhen Zeitungs-Rotationspapiere gut an die starre und unflexible Flachdruckplatte zur Übertragung der Druckfarbe anschmiegen konnten (Diese Technik wurde später bei Verwendung von gekörnten Zinkdruckplatten auch als Zinkdruck oder Di-Litho bei Verwendung von Alumniumplatten als Algraphie, Aluminiumdruck oder auch Algraphischer Druck bezeichnet, dann allerdings mit Feuchtung,) 

Da der Amalgamniederschlag auf der Messingplatte des Renckverfahrens nicht sehr stabil und auflagenbeständig war, wurde empfohlen, auch der Druckfarbe Amalgamsalz zuzugeben oder sogar eine stark verdünnte Lösung während des Auflagendrucks auf die Farbwalzen zu spritzen.

Mehrere 1-farbig schwarz gedruckte Original-Druckmuster mit Text und Raster-Autotypien auf einem einfachen holzhaltigen Papier befinden sich im Klimschs Jahrbuch von 1930. Man kann diese Muster sicherlich auch als eine “Inkunabel” des wasserlosen Flachdrucks bezeichnen.

Anmerkung:
Es sei vermerkt, dass Quecksilber, wie es für den beschriebenen Renckdruck verwendet wurde, ein stark toxisches Material ist. Deshalb ist aus Gründen des gegenwärtigen Arbeits- und Umweltschutzes das Inverkehrbringen und Verwenden von organischen und anorganischen Quecksilberverbindungen in vielen Bereichen heute verboten .

Literaturhinweise:
1) Ernst Herbst: “Der Flachdruck ohne Feuchtung” in Klimschs Jahrbuch 1932; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1932
2.)Prof. Franz Bauer : “ Ein neues Druckverfahren”,in : Klimschs Jahrbuch 1930; Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt am Main 1930
3.) Prof. Karl Albert: “Lexikon der Graphischen Techniken”; Verlag von Wilhelm Knapp, Halle (Saale) 1927


Caspar Hermann, der deutsche Offset-Pionier

Wolfgang Walenski am April 6, 2010

Gutenberg revolutionierte mit seinem Buchdrucksystem den Textdruck, Alois Senefelder mit dem ersten Flachdruckverfahren den Bilderdruck. Den bis heute dominierenden Offsetdruck erfanden 1904 unabhängig voneinander Ira W. Rubel und Caspar Hermann.

Zehn Umzüge, zehn Patente und zwei bahnbrechende Erfindungen, denen die Patentierung jedoch verwehrt blieb, dazu eine Familie mit zwei Töchtern und drei Söhnen – Caspar Hermanns Leben ist von schöpferischer, tatkräftiger Rastlosigkeit geprägt. 1891 wanderte der gelernte Lithograf und Steindrucker mit seiner Frau in die USA aus, kehrte 1907 nach Deutschland zurück und wurde hier zum Offset-Pionier. Drei Jahre vorher waren in den USA die beiden ersten funktionstüchtigen Offsetdruckmaschinen für den Druck auf Papier gebaut worden: die eine stammte von Ira W. Rubel, die andere von Caspar Hermann.

Die Vorgeschichte beginnt 1798
Alois Senefelder (1771–1834) entdeckte die drucktauglichen Eigenschaften des Solnhofener Kalkschiefers und erfand darauf aufbauend zwischen 1796 und 1798 ein neues Druckverfahren, denn beim Steindruck befinden sich erstmals druckende und nicht druckende Partien nahezu in einer Ebene. Das für Noten-, Landkarten- und Bilderdruck prädestinierte Verfahren basiert bekanntlich auf der Tatsache, dass Wasser und Öl einander abstoßen. Der Künstler zeichnet und schreibt also mit fetthaltiger Kreide oder Tusche spiegelverkehrt auf den Stein, und nur auf seiner Zeichnung bleibt dann die nach der Feuchtung aufgetragene Druckfarbe haften. Druckform und Ergebnis bezeichnet man als Lithografie (lithos – Stein, graphein – schreiben).
Als originalgrafisches Verfahren wurde die Lithografie erst spät von Künstlern entdeckt, stilbildend wirkten z.B. die Plakate von Jules Chéret und Toulouse Lautrec. Steindruck-Spezialisten findet man heutzutage in Deutschland etwa noch bei Quensen in Lamspringe, bei Kätelhön in Möhnesee oder in der Saal-Presse in Bergsdorf.
Bis zur Erfindung des Offsetdrucks vergingen noch mehr als hundert Jahre. Die Impulse zur Verwirklichung des ersten indirekten Flachdruckverfahrens kamen aus verschiedenen Bereichen. Genutzt wurden sowohl das Rotationsprinzip (rund/rund) des Buchdrucks und des Zinkdrucks, beides direkte Druckverfahren, als auch die Methode des indirekten Druckens über einen Gummizylinder, die im Blechdruck Verwendung fand. Der darauf verweisende Begriff »to set off« erscheint bereits in einem Patent vom 3. Juli 1875. Robert Barclay, ein Engländer in Paris, erhielt es für den zusätzlichen elastischen Gummidruckzylinder in seiner neuen Blechdruckmaschine.

Ira W. Rubel nutzt den Zufall
Ira W. Rubel betrieb in Rutherford, New Jersey, eine Stein- und Zinkdruckerei und bekam 1904 den Auftrag, eine Auflage auf hartem Banknotenpapier zu drucken. Um in seiner Zinkdruck-Rotationsmaschine bessere Ergebnisse zu erzielen, bespannte er den Druckzylinder mit einem Gummituch. Bei einem versehentlichen Leerlauf erfolgte die Farbübertragung auf dieses Gummituch und der nächste Papierbogen wurde beidseitig bedruckt. Rubel fiel auf, dass der seitenverkehrte Abdruck auf der Rückseite die bessere Qualität zeigte, und experimentierte in dieser Richtung weiter. 1905 gründete er zusammen mit zwei Partnern das Sherbel-Syndikat und ließ bei der Potter Printing Press Company eine Rotationsmaschine für den indirekten Zinkdruck bauen. Auf die Zylinderkombination dieser sogenannten Potter Press erhielt Rubel in verschiedenen Ländern Patente. Nach Unstimmigkeiten im Syndikat ging er 1906 nach England, wo seiner Maschine allerdings kein Erfolg beschieden war. Rubel starb im September 1908. Sein Verdienst ist u.a. auch, dass die Bezeichnung Offsetdruck größere Verbreitung fand.
In England gab es eine eigenständige, vom Blechdruck ausgehende Entwicklung, mit der Maschinenfabrik George Mann & Co., Leeds, an der Spitze. Zwischen 1901 und 1914 war Arthur Borroughs Evans hier Erster Konstrukteur und Technischer Leiter. Er rüstete, angeregt durch Rubels Offsetdruckmuster, eine seiner Rotationsmaschinen für Blechdruck zum Druck auf Papier um und erhielt 1908 darauf das Patent. Sie wurde zur ersten kommerziell erfolgreichen Bogen-Offsetdruckmaschine.

Caspar Hermann – visionär, vielseitig, missverstanden?
Als Lithograf und Steindrucker beherrschte der 1871 geborene Caspar Hermann u.a. auch die Raffinessen der Druckformherstellung und war zugleich ein perfekter Umdrucker. Während Rubel den Zufall nutzte, experimentierte Hermann anscheinend schon früh ganz gezielt mit der indirekten Methode. 1903 meldete er sein erstes Patent auf eine lithografische Rotationsmaschine für indirekten Gummidruck auf Papier an; es wurde ihm wegen eines ähnlichen Patentes von 1881, das sich allerdings auf den Blechdruck bezog, verwehrt. Enttäuscht, aber nicht entmutigt, machte er weiter. Als nirgendwo auch nur einfache Offsetdruckmaschinen in Betrieb waren, suchte Hermann von Baltimore aus per Inserat im »Allgemeinen Anzeiger für Druckereien« vom 22.März 1904 Personen, die am Bau einer lithografischen Rotationsmaschine für den Mehrfarbendruck interessiert waren. Die Resonanz scheint nicht groß gewesen zu sein. Im Dezember 1904 folgte ein Briefwechsel mit der Harris Automatic Press Company in Niles, Ohio, über eine Zusammenarbeit, die am 9.Januar 1905 vertraglich besiegelt wurde. Hermann sollte danach sein ganzes Wissen einbringen und Harris-Buchdruckmaschinen für den indirekten Offsetdruck umrüsten. Das tat er und entwickelte dazu auch gleich einen automatischen Bogenanleger, der eine Stundenleistung von ca. 5000 Drucken ermöglichte. Die beiden ersten derart umgebauten Maschinen wurden im Frühjahr 1906 bei der Republic Banknote Co. in Pittsburg aufgestellt.
Ein Fortkommen sah Hermann in den USA wohl nicht, 1907 ging er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Er knüpfte hier Kontakte zu verschiedenen Herstellern und Druckereien. Schließlich kaufte er von der Maschinenbau-Gesellschaft und Harris-Vertretung in Zweibrücken eine Harris-Rotations-Buchdruckmaschine, die er für die Leipziger Großdruckerei C.G.Röder umbaute. Noch im selben Jahr wurde die erste deutsche Bogen-Offsetdruck-maschine namens »Triumph« in Leipzig aufgestellt und in Betrieb genommen. Sie hatte einen automatischen Bogenanleger und druckte im Format 40×60cm ca. 5000 Drucke in der Stunde.
Auf den 26.November 1907 datiert schließlich auch Hermanns erstes Patent, das D.R.P. Nr. 203 612 für ein Vierzylindersystem Gummi gegen Gummi für gleichzeitigen Schön- und Widerdruck. 1909 erwarb die Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Cie. die Lizenz.

Hermanns »Universal« – eine Weltpremiere
Das Beste in den wechselvollen Jahren bis 1912 war die Begegnung mit Ernst Herrmann, dem Inhaber der Walzengießerei Felix Böttcher in Leipzig, aus der eine enge Partnerschaft wurde. Hieraus resultierte auch die Zusammenarbeit mit der Vogtländischen Maschinenbau AG in Plauen. Die VOMAG baute schließlich mit Hermanns »Universal« die erste Rollen-Rotationsoffsetdruck-maschine der Welt. Premiere war am 25. Juni 1912 bei Felix Böttcher in Leipzig. Von 1913 bis 1920 fand Hermann daraufhin bei der VOMAG ein optimales Experimentierfeld.
Aber es folgten weitere Stellen- und Ortswechsel (Augsburg, Leipzig, Wien, Leipzig), Hermann arbeitete an technischen Verbesserungen, besonders bei der Druckformherstellung, und bekam neue Patente zugesprochen. In den zwanziger Jahren unternahm er in Wien sogar Versuche im Offsetdruck ohne Feuchtung. 1931 druckte er auf der Leipziger Frühjahrsmesse in dieser Weise eine vierfarbige Publikation. Die letzten Probleme im wasserlosen Offsetdruck waren ein Jahr später gelöst, das Patent blieb ihm jedoch versagt. Am 6. November 1934 stirbt Caspar Hermann in Leipzig.
»Zweifellos gehört dem Offsetdruck die Zukunft.« Das wusste Caspar Hermann schon 1912. Bis sich das Verfahren in Deutschland endgültig durchsetzte, vergingen aber noch einige Jahrzehnte. Erst 1981 überflügelte der Offset- den Buchdruck, nicht zuletzt auch wegen des Fotosatzes, dessen Anfänge ebenfalls in der Zeit um 1900 liegen.


Duftlack: „Dufte“ Offsetdrucke

Wolfgang Walenski am März 19, 2010

Mehrfarbige Offsetdrucke vermitteln heute nicht nur Seherlebnisse und man steigt durch den Bedruckstoff nicht nur in die geheinnisvolle Gefühlswelt der Haptik ein, sondern man kann sich auch durch angenehme Düfte verführen lassen. Das ist im Offsetdruck möglich durch eine Duftlackierung oder einen Duftdruck. Bilder sagen mehr als tausend Worte. Düfte aber noch mehr: Sie wecken Gefühle, sie verführen, sie machen Appetit und stimulieren.

Drucktechnisch lassen sich Duftlackierungen neben dem Flexo-, Tief- und Siebdruck, besonders im Bogen- und auch im Rollenoffsetdruck (Heatset und Coldset) durch partielle Übertragung eines speziellen Duftlackes praktizieren, in den mikroverkapselte Duftöle eingearbeitet sind. Durch ein mehr oder weniger starkes Reiben mit dem Finger oder Handrücken werden diese Kapseln zerstört und die Duftöle setzen sich frei. Die bildhafte, visuelle Darstellung frischer Apfelsinen, Erdbeeren, Bananen, Äpfel oder Kräuter kann dadurch wirkungsvoll ergänzt werden durch gleichzeitige Anregung des Geruchssinns. Die Nase sieht mit! Welche Möglichkeiten gibt es und was ist zu beachten?

Duftlackierungen im Bogenoffsetdruck
Im Bogenoffsetdruck gibt es drei verschiedene Möglichkeit Duftdrucke herzustellen:

  • über die Druckfarbe
  • mit Hilfe von Öldrucklack
  • mit Hilfe von Dispersionslack

Für den Bogenoffsetdruck lassen sich mikroverkapselte Duftöle in die Druckfarbe einarbeiten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es sich um möglichst kräftige flächige Farbanteile handelt, damit auch wirklich ausreichend Kapseln auf die Oberfläche gelangen. Denn die Intensität der Duftwirkung ist abhängig vom Farbanteil. Wesentlich besser und wirkungsvoller ist es dagegen, auf das vorgedruckte Druckbild nass auf trocken partiell und flächig eine separaten Öldrucklackierung mit Duftlack zu machen. Dabei ist auf ausreichende Lackführung zu achten und gleichzeitig genügend zu Pudern weil der Duftlack in der Regel durch die Bildanteile nicht in die Oberfläche des Papiers wegschlagen soll. Es besteht die Gefahr des Ablegens und Klebens, wie es ja auch bei einer normalen Öldrucklackierung naß auf trocken der Fall sein kann. Die visuelle Kontrolle der Lackmenge bei einem Duftlack wird etwas erleichtert durch sein mattes Aussehen und Aufliegen.

Die elegantere Methode einer Duftlackierung ist eine Dispersionslackierung nass-in-nass mit Hilfe eines entsprechenden Lackierwerkes. Es kann sich auch um ein Kammerrakelsystem handeln. Dabei ist die Viskosität des Lackes, wie üblich, auf das jeweilige Applikationssystem einzustellen. Diesbezüglich liegen entsprechende Praxiserfahrungen in der Regel vor. Auch hier erleichtert das seidenmatte, flächig partiell aufliegen des Lackes die Kontrolle der Lackmenge. Ein Nachkleben des wasserverdünnbaren Dispersionslackes ist unter normalen Umständen nicht zu befürchten, vor allen Dingen dann nicht, wenn die Trocknung durch Wärmeeinwirkung (IR oder/und Warmluft) unterstützt wird.

Duftlackierungen im Rollenoffsetdruck

Mehr als im Bogenoffsetdruck, wird heute eine Duftlackierung mit einem Heatset-Drucklack bereits im Rollenoffsetdruck praktiziert. Im Heatset-Illustrationsdruck muß dafür am besten ein zusätzliches Farbwerk für die Übertragung des Duftlackes auf Öldruckbasis aus dem Farbkasten heraus zur Verfügung stehen. Auch hier liegt der Duftlack nach dem Druck und der Heatset-Trocknung matt auf. Dadurch ist eine gute Beurteilung der Menge und auch der Trocknung möglich. Zu berücksichtigen ist auch hier eine kräftige Lackführung, denn es müssen für eine gute Duftwirkung ausreichend Kapseln auf der Oberfläche vorhanden sein. Wenn vor dem Heatset- Trockner ein Leim- oder Lackierwerk vorhanden ist, so kann eine Duftlackierung über diese Aggregate erfolgen. Die Viskosität des Dispersionslackes muss auf diese Systeme genau abgestimmt werden.
Im Coldset-Rollenoffset-Zeitungsdruck besteht die Möglichkeit, die mikroverkapselten Duftlöle in die drei bunten Druckfarben einzuarbeiten. Die spezielle Farbe muss dabei natürlich von Hand in den Farbkasten eingespachtelt werden. Auch hier sollten es kräftige flächige Motive sein um eine Duftwirkung zu erzielen. Besser und wirkungsvoller ist aber, den Duftlack über ein freies Farbwerk (als letztes Farbwerk) mit kräftiger Lackführung aufzudrucken.

Grundsätzliche Hinweise

Wer einer Duftdruck oder eine Duftlackierung machen möchte, schaltet am besten einen Druckfarbenlieferanten ein, der bereits ausreichend praktische Erfahrungen gesammelt hat. Ich nenne hier die Druckfarbenfabrik Siegwerk in Siegburg. Er nennt einen Lieferanten für geeignete Duftöl, er sorgt für deren Mikroverkapselung, für die Einarbeitung der verkapselten Duftöle in die Druckfarbe oder in den Öldruck- oder Dispersionslack und er nimmt gleichzeitig auch eine vielleicht notwendige Anpassung der Viskosität an das Applikationssystem vor. Auch Andrucke auf einem Probedruckgerät sollten dann durchgeführt werden.

Duftlackierungen im Bogen- und Rollenoffsetdruck brauchen eine ausreichend lange Vorlaufzeit für die Abstimmungen aller Komponenten. Es fängt an mit dem Entwurf und Gestaltung des Druckproduktes und der Auswahl eines geeigneten Motivs mit ausreichend großem Flächenanteil. Nicht jedes Parfüm oder jeder Duftstoff ist für die Mikroverkapselung geeignet. Problematisch sind z.B. Düfte nach Leder, Schokolade oder Kaffee. Deshalb müssen Probeverkapselungen durch den späteren Lieferanten des Lackes oder der Druckfarbe vorgenommen werden. Dafür ist eine Mindestmenge von 1 kg Duftstoffkonzentrat notwendig. Nach Durchführung von Vorpüfungen auf einem Probedruckgerät sind auch Praxisandrucke unbedingt zu empfehlen. Zu groß ist das Risiko, nicht ausreichend gute Ergebnisse im späteren Auflagendruck zu bekommen. Im übrigen sind Duftüberlagerung durch den Eigengeruch der Druckfarbe und auch durch das Papier nicht völlig auszuschließen. Für den Buntdruck sind deshalb am besten geruchsarme Druckfarben, wie sie z.B. für den Druck von Lebens- und Genussmittel angeboten werden, zu empfehlen und auch das Papier ist einer entsprechenden Prüfung zu unterziehen. Auch Zusätze von Druckhilfsmitteln zur Druckfarbe oder zum Feuchtwasser können zu einem Geruch führen, der den gewünschten Duft der Lackierung überlagert und stört. Es ist also Vorsicht angebracht.

Das Druckprodukt soll durch die Duftlackierung oder durch den Duftdruck nach dem Reiben und durch die damit verbundene Freilegung der Duftöle gut und angenehm duften und nicht etwa durch die Druckfarbe oder durch das Papier unangenehm riechen oder gar stinken.
„Dufte“ und „knorke“ sind die aus dem Berlinischen bekannten Ausdrücke für gut, prima , großartig, fabelhaft und hervorragend. In diesem Sinne kann man aufgrund bereits vielfach vorliegender Praxisbeispiele Offsetdrucke mit Duftlackierung überall, und nicht nur in Berlin, als „dufte“ und „knorke“ bezeichnen.

Weitere Informationen unter: www.siegwerk.com