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Papiermuster: Hilfe zur Spezifikation einer Druckanfrage

Marc-Michael Schoberer am Juli 29, 2010

Papiersorten gibt es wie Sand am Meer. Von feinem Bibeldruckpapier über hochvolumiges Dickdruckpapier bis hin zu festen Kartons. Von speziellem Postpapier über Durchschreibepapier bis hin zu Bilderdruckpapier. Je nach Zusammensetzung von Zellstoff, synthetischen Fasern und anderen Materialien, ergeben sich unterschiedliche Papiersorten.

Auch verschiedene Herstellungsverfahren ergeben in Folge unterschiedliche Erscheinungs- wie Verwendungsformen der Papiersorten. Hier gilt: Nur durch eine richtige und sorgfältige Wahl der Papiersorte kann das spätere Produkt überzeugen.

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Der VDP legte in diesen Tagen, wie jedes Jahr, auf 92 Seiten seinen repräsentativen auf 17 verschiedenen Papier- Karton- und Pappensorten aufwendig gestalteten und mehrfarbig gedruckten Leistungsbericht der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie vor. Daraus geht hervor, dass die deutsche Papierindustrie 2009 schlechter abgeschnitten hat als die Gesamtwirtschaft. Die Jahresproduktion von Papier, Karton und Pappe in Deutschland sank um 8 Prozent auf rund 21,0 Mio.Tonnen. Es war der höchste Produktionseinbruch seit der Ölkrise 1975.

Aus dem umfangreichen Zahlenmaterial geht unter anderem hervor, dass sich die Situation in den großen Sortenbereichen im Jahre 2009 aber sehr unterschiedlich darstellte:
Die grafischen Papiere, mit einem Anteil von 44% an der Papierproduktion gingen um 13 %, die Verpackungspapiere und Kartons mit 43 % der Produktion um 3 %, die Hygienepapiere um 1% und die speziellen Papiere und Kartons (für technische und spezielle Verwendungszwecke) mit einem Anteil von nur 6% um deutlich 14 % zurück.
Der Rohstoffverbrauch in der deutschen Papierindustrie ging 2009 um 8% zurück. dieser Einbruch entspricht dem Produktionsrückgang. Die Altpapiereinsatzquote stieg erfreulich von 68 auf 71%. Damit nimmt die deutsche Papierindustrie im internationalen Vergleich eine Spitzenstellung ein. In diesem Zusammenhang macht der VDP darauf aufmerksam, dass der große Erfolg der Altpapierrecyclings nur durch das bewährte System der hochwertigen Getrennterfassung des Altpapiers möglich ist.
Die Papierproduktion benötigt Wasser als Lösungs- und Transportmittel. Lediglich 15% Abwasser wird dabei an kommunale Kläranlagen abgegeben. Das Abwasser von 85 Prozent der Produktionsmenge wird dagegen in betriebseigenen Anlagen mechanisch und biologisch gereinigt. Durch verstärkte Kreislaufführung wurde der Bedarf an Wasser bis heute auf nur 10 Liter pro Kilogramm gesenkt. Im Jahre 1965 betrug er dagegen pro Kilogramm Papier noch 45 Liter.

Trotz der insgesamt schwachen Produktionsergebnisse von 2009 bleibt die deutsche Papierindustrie im weltweiten Vergleich aber weiterhin die Nummer vier nach den USA, China und Japan und die Nummer eins in Europa. Die Ausgangsposition für 2010 wird von der deutschen Papierindustrie als schwierig beurteilt aber gleichzeitig gekennzeichnet mit leichten Aufschwungtendenzen.

Der Leistungsbericht „Papier 2010“ ist über die Presse- Öffentlichkeitsarbeit des VDP zum Preis von €25.- erhältlich.
www.vdp-online.de


Wenn man auf die Idee einer Umfrage käme und Menschen, sagen wir mal auf einer hochfrequentierten Einkaufspassage in einer durchschnittlichen Stadt irgendwo auf diesem Planeten, danach befragen würde, wie Papier aussieht und wie es sich anfühlt, die Antworten wären insbesondere hinsichtlich der Haptik wenig überraschend. Papier fühlt sich eben an wie Papier, oder? Denkste, wird sich der Hersteller Cordenons gedacht haben und hat nun mit „So…Jeans“, „So…Wool“ und „So…Silk“ drei Papiere auf den Markt gebracht, die in Bezug auf Haptik und Färbung eher ihrem Namen als dem Material, aus dem sie bestehen, gerecht werden.

Boutique nennt sich die Papierreihe, die zugleich das neue Image-Sortiment der Paper Union darstellt. Hervorzuheben ist von den drei Papieren insbesondere „So…Jeans“. Hier ist es dem Hersteller gelungen, ein Papier zu kreieren, dessen Oberfläche das typische Aussehen von Denim abbildet, sprich mit dunkleren Schattierungen in den Tiefen und helleren in den Erhebungen. „So…Jeans“ gibt es in unterschiedlichen Farben. Neben dem klassischen Jeansblau sind Farben wie beispielsweise ein cremiges Weiß oder eine dem Trend gerecht werdende hellblaue „stone-washed“-Variante erhältlich. Und wie eine richtige Jeans ist Baumwolle auch bei „So…Jeans“ ein wichtiger Bestandteil. → diesen Artikel weiterlesen!


Das Luxuspapier

Wolfgang Walenski am Mai 20, 2010

Das aus dem heutigen Sprachgebrauch verschwundene Wort „Luxuspapier“ entstand um 1860 und hatte Bestand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Es handelte sich dabei aber nicht um eine besondere farbige oder hochglänzende Papierqualität, sondern vielmehr um spezielle Produkte die aus Papier, Pappe oder Karton durch Stanzen, Kleben, Prägen, Kleben oder Ausschneiden entstanden.

Sie wurden oft von ganzen Familien in Handarbeit in meist unterbezahlter Heimarbeit hergestellt Gedruckt wurden sie auch in kleinen Betrieben im damals stark verbreiteten Steindruck (Chromolithographie), aber auch mit der Hand bemalt oder mit Gold- oder Glimmerpuder bestäubt. Es waren Lampenschirme, Sammelbilder,Topfmanschetten, Oblaten (Esspapier), Bild- und Glückwunschpostkarten, Knallbonbons vielerlei Karnevallsartikel, sogar Papiergardinen und Querbehänge für Türen und Fenster. Zu den Luxuspapieren gehörten ferner Apfelsinenpapier, Papierfächer, Lesezeichen, Kranzschleifen, Ausschneidebogen, Spitzenbordüren, Lampions, Luftschlangen, Laternen, Girlanden, Genrekarten, Zigarrenringe und Lebkuchenbilder.

Im Vordergrund standen dabei einseitig gestrichene Papiere die als Chromopapier bezeichnet wurden. Aber es gab auch schon sogenannte, meist einseitige, Buntpapiere die aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage schließlich zur Entstehung einer regelrechten Buntpapierindustrie führten die vielerlei Farben und die verschiedensten Prägungen einführten. Verarbeitet wurde auch Eispapier, dünnes Serviettenpapier, Krepppapier, Metallpapier, Mikadopapier, Schneeimatationen, Staniolpapier und sogenanntes Metapapier für die Herstellung von Abziehbilder. Es entstanden Maschinenfabriken für die Herstellung von Vergolde- und Prägepressen sowie Rill-,Ritz- und Nutmaschinen.
In Berlin zum Beispiel bestanden 1898 nicht weniger als 150 Luxuspapier- und Kartonagenfabriken, von denen 20 sogar mit 100 bis 500 Beschäftigten arbeiteten.

Viele der hier nur kurz erwähnten alten Luxuspapier-Produkte werden heute nach wie vor industriell an verschiedenen Stellen hergestellt, dann aber natürlich im Stil und Design unserer Zeit. Das reizvolle Luxuspapier damaliger Zeit findet man dagegen heute noch versteckt in kleinen und großen Pappkartons auf Antik- oder Flohmärkten. Allerdings haben sich die alten (meist kitschigen) Produkte zu einem interessanten und ernsthaften Sammelgebiet entwickelt und sind damit in den meisten Fällen keine billigen „Pfennigartikel“ mehr.

Wer sich intensiver und umfangreicher mit Luxuspapier beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch (380 Seiten): „Das ABC des Luxuspapier“ von Christa Pieske. (Antiquarisch) Es ist 1983 erschienen in Verbindung einer damaligen großen Ausstellung über Luxuspapiere im staatlichen Museum für Deutsche Volkskunde Berlin.


Das Thema Umweltschutz hat in den letzten Jahren im Bewusstsein der Menschen eine deutlich relevantere Bedeutung eingenommen. Für Unternehmen aller Branchen wird somit die Frage nach den ökologischen Faktoren zunehmend auch eine ökonomische. Produkte, die Aspekte des Umweltschutzes ignorieren, können schnell auf der „schwarzen Liste“ der Kunden landen. Natürlich betrifft dies auch die Druck- und Papierbranche.

So wundert es kam, dass beispielsweise die Papyrus Deutschland GmbH Co. KG die Umweltverträglichkeit als eines der wichtigsten Produktmerkmale deklariert – gerade für die Papierherstellung. Und so gibt es mittlerweile zahlreiche Zertifizierungen und verschiedene Labels, die ein Papier als ökologisch und dessen Herstellung als sozial nachhaltig auszeichnen. Anders als die in anderen Branchen gern gebrauchten Floskeln wie „Bio“ oder „Öko“ sind die Zertifizierungen der Papierindustrie weitaus verlässlicher – so erklärt es zumindest Papyrus auf seiner Homepage. → diesen Artikel weiterlesen!


Endlich: Die Weiss-Verordnung ist da !!

Wolfgang Walenski am April 19, 2010

Haben Sie auch ständig Probleme mit den verschiedenen Weisstönen bei unterschiedlichen Papieren? Mal ist es ein Naturweiß oder ein Neutralweiss, manchmal wird auch ein blütenweißes oder schneeweißes Papier angeboten.

Man ärgert mich auch über weiße Papiere die als grün,- rot- oder gelbstichig bezeichnet werden.
Jetzt ist endlich die Weiss-Verordnung da. Das neue Regelwerk wird dem Weisschaos in Europa ein definitives Ende bereiten. Sie tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Die angegebenen Richtwerte müssen eingehalten werden. So wird verhindert, dass in ein und demselben Druckerzeugnis verschiedene Papierqualitäten zum Einsatz kommen, deren Weisstöne nicht perfekt zusammenpassen. Die Weissverordnung legt den Grundstein für eine europweite Weissharmonie:

§ 1: Werden in einem Druckobjekt verschiedene Papierqualitäten eingesetzt, ist darauf zu achten, dass die Weisstöne farblich miteinander harmonieren. Mit seinen fünf unterschiedlichen Papieren garantiert ZANDERS medley immer eine perfekte Weissharmonie.

§ 2: Werden in einem Druckerzeugnis Papiere mit unterschiedlichen Oberflächen verwendet, muss ihre Bedruckbarkeit dennoch gleichermaßen optimal sein. Das Papiersortiment von ZANDERS medley sorgt stets für ein homogenes Druckergebnis.

§ 3: Kommen Papiere mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen zum Einsatz, müssen eine gleichmäßig perfekte Bildwiedergabe und Farbbrillanz gewährleistet sein.

§ 4: Beim Einsatz von unterschiedlichen Papieren ist darauf zu achten, dass das haptische Erlebnis bei allen Oberflächen gleich bleibend hochwertig ist.

§ 5: Sollten Feinpapiere in einem Mailing zum Einsatz kommen, müssen sie über ein größtmögliches Volumen verfügen. Mit seinem 1,2- oder 1,7-fachen Volumen ist ZANDERS medley pure volume angenehm griffig und spart Porto- und Papierkosten.

Das Regelwerk der Weiss-Verordnung mit guten Druckbeispielen und ausführlichen Übersichten kann man bekommen unter:

www.zanders.de
www.m-real.com


Schneidersöhne wird Papyrus

Wolfgang Walenski am April 7, 2010

Seit 2006 gehört das traditionsreiche Papiergroßandelsunternehmen Schneidersöhne in Ettlingen zum schwedischen Unternehmen Papyrus in Mölndal und da macht es Sinn, europaweit unter einem gemeinsamen Markennahmen aufzutreten.

Damit besteht nicht nur ein einheitliches und europaweit verfügbares Sortiment, sondern auch ein zentraler Einkauf. Darüber hinaus gewährleisten einheitliche Unternehmensrichtlinien sowie eine gemeinsame Beschaffungspolitik – auch unter Umweltaspekten – für alle Kunden die Sicherheit, qualitativ hochwertige und unbedenkliche Produkte bei Papyrus einzukaufen. Die offizielle Umstellung des Namens Schneidersöhne auf Papyrus erfolgt ab 6. April 2010. Außer dem Namen selbst ändert sich nichts. Erstmals nach 10 Jahren kommt jetzt auch die neue überarbeitete Musterkollektion auf den Markt, für die ca. 150 Tonnen Papier verarbeitet wurden. Denn nach wie vor ist die Papierberatung ein sehr wichtiges Verkaufsinstrument.

Papyrus ist als Gesamtunternehmen in 22 europäischen Ländern vertreten und befindet sich von der Marktposition her in Kontinentaleuropa an zweiter Stelle. 2009 wurde ein Umsatz von 1.817 Mio. Euro (-11% zum Vorjahr) erzielt. 2.810 Mitarbeiter kümmern sich um insgesamt 65.000 Kunden.
„Auch 2010 wird die Marktlage herausfordernd bleiben“, so Robert Matzke, der zweite Geschäftsführer.


Sustainability – Nachhaltigkeit steht hoch im Kurs.

Stefanie Schaetzler am April 3, 2010

Schlagworte wie Rohstoffknappheit, erneuerbare Energien, klimatische Veränderungen aufgrund menschlicher Ausbeutung des Produktes Natur, begegnen uns im Alltag fast an jeder Ecke. Jahrelang profitierte der Mensch vom Wunder Natur, nun ist ein spätes aber notwendiges Umdenken in Sicht.

Umso wichtiger und drängender sind daher Konzepte, welche auf die Erhaltung der Natur und deren Gesundung zielen. Gerade im Zuge der Papierherstellung und damit verbundener Rodung ganzer Waldstücke und daraus entstehender Waldvernichtung scheint dieser Gedanke mehr als überfällig. Denn Bäume und Wälder sind für ein funktionierendes Klima ein nicht unwesentlicher Bestandteil.

Allerdings ist das Konzept der nachhaltigen Forstwirtschaft keinesfalls ein Neues. Bereits im 18. Jahrhundert gärte dieses Gedankengut in den Köpfen der Menschen. Zu dieser Zeit entstand die Forstwirtschaft und man musste sich mit massiver Abholzung der Wälder auseinandersetzen. Zeit, um über neue Wege nachzudenken, wie man mit dem Rohstoff der Natur umgehen sollte. Hans Carl von Carlowitz prägte daher im Jahre 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit. Es sollte immer nur so viel Wald genutzt werden, wie auch nachwachsen konnte. Sein Anliegen war es, eine vollkommene Rodung eines Waldes zu verhindern.

Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder war und ist also, diese so zu nutzen, dass sowohl Flora als auch Fauna nicht mit negativen Folgen zu rechnen haben, die Produktivität und auch Vitalität des Waldes erhalten bleiben und die Fähigkeit des Waldes, immer wieder neue und junge Sprösslinge wachsen zu lassen, bestehen bleibt. Auch darf durch die wirtschaftliche Nutzung von Waldflächen anderen Ökosystemen kein Schaden dadurch erwachsen. Ein Konzept, welches notwendig ist und eingehalten werden sollte, bedenkt man die lange Regenerationszeit, die ein Wald benötigt um wieder gesund und artenreich erblühen zu können.

In Deutschland erhalten Forstbetriebe, bei deren Wäldern auf Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geachtet wird, sogenannte Forstzertifikate. Durch dieses Zertifizierungssystem werden einerseits die Einhaltung bestehender Richtlinien und Konzepte gesichert und andererseits auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Denn wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

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Die richtige Richtung zählt!

Stefanie Schaetzler am März 24, 2010

Generell beschreibt man mit der Laufrichtung eine Positions- oder Richtungsangabe, welche sich aus –mitunter nur gedachten – Bewegungen ergeben. Bezogen auf Papier beschreibt die Laufrichtung die Ausrichtung und Anordnung der Zellstofffasern innerhalb des fertigen Produktes. Im Prozess der maschinellen Papierherstellung schwimmen die Fasern frei und werden dann parallel zur Laufrichtung der Papierbahn angeordnet. Das fertige Papier lässt sich später in Faserrichtung leichter biegen als entgegen der Faserrichtung.

Eine Tatsache, welche für Buchhandel und Co nicht unerheblich ist. Denn Bücher oder Zeitschriften, bei denen die Laufrichtung des verwendeten Papiers nicht parallel zum Buchrücken ausgerichtet ist, lassen sich anschließend nur schwer umblättern bzw. kann sogar an der Bindung abbrechen.

Da man zwischen zwei Laufrichtungen unterscheidet, werden Papierpackungen entsprechend gekennzeichnet, um so dem Verbraucher die Richtung anzuzeigen. Differenziert wird dabei zwischen Schmalbahn und Breitbahn. Schmalbahn (SB) bezeichnet diejenige Laufrichtung, bei welcher die Fasern des Papiers parallel zur langen Seite des Blattes verlaufen. Breitbahn (BB) hingegen bezeichnet Papiere, bei denen die Fasern parallel zur kurzen Seite des Blattes verlaufen. Sowohl für den Druckbereich als auch alle anschließenden Arbeitsschritte bzw. jegliche Weiterverwendung von Papier ist diese Einteilung entscheidend.

Um besonders stabile und beständige Papiere zu erhalten, werden oftmals mehrere Blätter in abwechselnder Laufrichtung übereinander geklebt. Ähnlich dem Sperrholz entsteht so ein recht standhaftes Papier, welche auch Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit etwas weniger ausgesetzt ist, wie normales, einlagiges Papier. Die so entstandenen Papierarten sind bei uns unter dem Begriff Karton bekannt, wobei für einige Kartonarten neben Papier noch zusätzliche Stoffe zum Einsatz kommen.

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Das Gautschen

Wolfgang Walenski am März 23, 2010

1. Der alte Ausdruck „Gautschen“ stammt aus der Handschöpferei bei der Herstellung von Büttenpapier. Dabei wird der feuchte Bogen nach dem manuellen Schöpfvorgang in der Bütte und dem Ablaufen des Wassers vom Sieb des Schöpfrahmens auf ein Trockenfilz durch ganz leichten Druck abgelegt d.h. gegautscht. Ein Stoß Papier und Filze wurde „Pauscht“ genannt und bestand aus 181 Bogen zwischen 182 Filzen. Zur weiteren Entwässerung wurde dieser Stapel dann in einer Gautschpresse entwässert. Danach erst wurden die einzelnen Bogen aufgehängt und an der Luft getrocknet.

2. Auch bei der industriellen Papierherstellung auf einer Papiermaschine erfolgt am Ende der Siebpartie ein Gautschen, eine erste mechanische Entwässerung der Papierbahn vor Überführung in die Pressenpartie der Maschine. Ein Abriss der feuchten Bahn wird Gautschbruch genannt wobei sie zur Wiederverwendung in die sogenannte Gautschbruchbütte geleitet wird.

3. Unter „Gautschen“ wird auch die Vereinigung mehrerer noch nasser, meist stofflich verschiedener Papierbahnen zu einer einzigen, mehrlagigen bei der Herstellung von Karton. Es wird dann von gegautschtem Karton gesprochen.

4. Das Gautschen ist aber auch ein uralter Buchdruckerbrauch der sich bis in un- sere Zeit erhalten hat. Dabei werden am Ende der Ausbildungszeit heute kaum noch Buchdrucker, aber Offsetdrucker, Tiefdrucker, Buchbinder, Reproduktionsfachleute und Mediengestalter nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildungszeit durch einen traditionellen Gautschprozess (Sitzen auf einem Stuhl mit nassen Schwämmen und Eintauchen in eine Bütte/Bottich) mit Waser zum Gesellen (Schwarzkünstler) gekürt. Für dieses feierliche, aber auch feucht-fröhliche Ereignis wird ein „Gautschmeister“ aus der Druckerei ernannt, der von einem „Schwammhalter“ und vom ersten und zweiten „Packer“ unterstützt wird. Symbolisch bedeutet dieser Brauch auch, dass der neue Geselle von allen schlechten Gewohnheiten seiner Ausbildungszeit gereinigt wurde. Dokumentiert wird diese nasse „Lossprechung“ durch feierliche Überreichung eines künstlerisch gestalteten und kalligraphisch auf Pergament geschriebenen Gautschbriefes als Erinnerung.

Der Text auf einem Gautschbrief lautet z.B. :

Packt an! Lasst seinen Corpus posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durst’gen Seele ein Sturzbad gebet obendrauf- Das ist dem Sohne Gutenbergs die allerbeste Taufe“.
Von Gottes Gnaden, wir Jünger Gutenbergs, des heiligen römischen Reiches tun an mit jedermännlich Kund und zu wissen, dass der Jünger der wohl edlen Buchdruckerkunst nach altem Brauch und Herkommen heute mit Zuziehung des Herrn Gesellen…… die Wassertaufe ad posteriora erhalten hat und damit in sämtliche uns von Kaiser FriedrichIII. Verliehenen Rechten und Previlegien eingesetzt ist. Kraft dieses Briefes gebieten wir allen unseren Kunstgenossen, obengenanten Jünger Gutenbergs als echten Schwarzkünstler anzuerkennen und aufzunehmen.
Unterschriften des Gautschmeister, des Schwammhalters, erster Packer, zweiter Packer und Zeugen.

Nach altem Brauch und Sitte wird die traditionelle Gautschzeremonie begleitet mit Essen, Trinken (Freibier) und fröhlichen Liedern.